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Wissen Abschreckung? Gefängnisstrafen verhindern weitere Gewaltverbrechen kaum
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Über 100.000 Fälle untersucht: Abschreckung? Gefängnisstrafen verhindern kaum weitere Gewaltverbrechen

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10:04 14.05.2019
Die Gewalt in der Gesellschaft zu reduzieren, ist eines der Ziele von Gefängnisstrafen – aber tun sie das wirklich? Quelle: picture alliance/dpa
Berkeley

Eine Gefängnisstrafe beeindruckt Gewaltverbrecher in den USA offenbar wenig: Einer Studie zufolge ist das Risiko, später erneut wegen eines Gewaltverbrechens verurteilt zu werden, nach Gefängnisaufenthalten nur minimal geringer als nach einer Bewährungsstrafe. David Harding von der University of California in Berkeley (Kalifornien, USA) und seine Kollegen untersuchten dazu mehr als 100.000 Fälle im US-Bundesstaat Michigan. Ihre Studie ist im Fachmagazin „Nature Human Behaviour“ erschienen.

Die Gewalt in der Gesellschaft zu reduzieren, sei eines der Ziele von Gefängnisstrafen, schreiben die Forscher. „Obwohl Inhaftierungen seit den 1970er Jahren dramatisch zugenommen haben, sind die Auswirkungen auf künftige Gewaltverbrechen kaum bekannt.“ Als drei Möglichkeiten, wie Inhaftierungen künftige Gewalttaten verringern können, nennen die Wissenschaftler:

– Handlungsunfähigkeit: Wer einsitzt, kann kein Verbrechen in der Gesellschaft begehen.

Abschreckung: Das Risiko der Rückkehr ins Gefängnis führt zu einer geringeren Wahrscheinlichkeit eines weiteren Gewaltverbrechen.

– Resozialisierung: Maßnahmen zur Bewältigung der psychologischen Prozesse, die zum Vergehen geführt haben, verhindern neue Taten.

Macht Bewährung einen Unterschied?

Das Team um Harding brachte für seine Untersuchung 111.110 Fälle aus den Jahren 2003 bis 2006 aus Michigan in die statistische Analyse ein. Es wählte Fälle, in denen eine Verurteilung auch zur Bewährung ausgesetzt werden konnte. Die Verurteilten mit Bewährungsstrafe stellten die Kontrollgruppe für die Inhaftierten dar, weil sie, bei ähnlichem Vergehen, nicht die Haft erleben mussten. Die Forscher sahen sich nun an, wie viele der Verurteilten (Haft und Bewährung) bis zu fünf Jahre nach dem Urteil erneut wegen eines Gewaltverbrechens verurteilt wurden.

Zunächst zeigte die Analyse, dass zur Bewährung verurteilte Gewaltverbrecher häufiger rückfällig wurden – sie saßen eben nicht im Gefängnis. Aber wenn die Forscher nur die Zeit nach der Entlassung der Inhaftierten untersuchten, ergaben ihre Berechnungen keine statistisch signifikanten Auswirkungen einer Haftstrafe auf künftige Gewaltverbrechen. Der Effekt einer niedrigeren Zahl an Gewaltverbrechen nach Gefängnisaufenthalten ist so gering, dass die Forscher ihn mit 0,7 Prozent der durchschnittlich pro Jahr in Michigan verübten Gewaltverbrechen (196.502) angeben.

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Gewaltprävention hätte größeren Nutzen

„Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Inhaftierung von weniger Menschen wegen gewalttätiger Straftaten an der Grenze zwischen Gefängnis und Bewährung relativ geringe Auswirkungen auf die Gewalt in der Gesellschaft haben würde“, schreiben die Forscher in ihrem Fazit. Sie empfehlen stattdessen alternative Strategien und Maßnahmen zur Gewaltprävention, die einen größeren Nutzen bei geringeren sozialen und wirtschaftlichen Kosten haben könnten.

Deutsche Gefängnisse arbeiten eher an Resozialisierung

Thomas Bliesener, Direktor des Kriminologisches Forschungsinstituts Niedersachsen in Hannover, lobt den Umfang der Studie, der ihr eine große statistische Aussagekraft gebe. „Allerdings kann die Untersuchung nicht ausschließen, dass nicht betrachtete Aspekte eine Rolle spielen für die Strafzumessung und den Rückfall, etwa, ob die Person in einer Partnerschaft lebt oder einen Job hat.“ Insgesamt sei der Strafvollzug in den USA sehr viel restriktiver und weniger auf eine Resozialisierung ausgerichtet als in Deutschland. Hierzulande werde in der Regel auch der Weg von der Haft in die Freiheit durch Sozialmaßnahmen begleitet.

Von RND/dpa

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