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Wissen Unklare Nebenwirkungen des Kräutermixes in "Spice"
Nachrichten Wissen Unklare Nebenwirkungen des Kräutermixes in "Spice"
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15:54 16.12.2008
Selbst Experten wissen nicht sicher, woraus die neue Modedroge Spice besteht.
Selbst Experten wissen nicht sicher, woraus die neue Modedroge Spice besteht. Quelle: ddp
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„Dabei handelt es sich um eine rein pflanzliche Kräutermischung, aber aus was genau die besteht, weiß ich nicht“, sagt der 22-jährige Andi aus Leipzig und befindet sich damit in bester Gesellschaft. Denn selbst Experten wissen nicht sicher, woraus die Droge besteht. Neben blauen Lotusblumen, Helmkraut und Marihuanilla soll Spice dem Hersteller zufolge weitere exotische, wenig bekannte Kräuter enthalten.

Da die Pflanzen nicht unter das Betäubungsmittelgesetz fallen, ist Spice legal und frei im Handel erhältlich. Ein Vorteil, der sich bei Jugendlichen schnell herumspricht und die Neugier weckt. Auch Andi reizte es, die neue Droge auszuprobieren. „Mir wurde gesagt, dass Spice wie Cannabis wirkt, aber billiger ist und weniger plättet“, sagt Andi. Außerdem soll Spice die Augen nicht röten, wie es nach dem Konsum von Cannabis typisch ist. Spice zu kaufen, war für Andi ganz einfach.

In sogenannten Headshops wird die Modedroge als esoterischer Duftstoff in kleinen Tüten zu je drei Gramm verkauft. Erst wenn die Mischung mit Tabak, also wie ein Joint geraucht werde, könnten halluzinatorische Wirkungen und ein Rauschzustand entstehen. „Ein Gramm Marihuana kostet zur Zeit rund 6,50 Euro, im Internet kostet ein Gramm Spice nur 4,50 Euro“, fügt Andi hinzu. Allerdings müsse, wer Spice im Geschäft kaufe, gelegentlich bis zu zehn Euro pro Gramm bezahlen.

Erstaunt hatte Andi festgestellt, dass es mehrere Spice-Sorten zur Auswahl gibt. Den Kräutermischungen werden zum Beispiel Rosen, Honig oder Vanille beigefügt, um so für Abwechslung beim Raucher zu sorgen. „Es ist wie Cannabis mit verschiedenen Geschmacksrichtungen. Ich habe mich beim ersten Mal für ’Arctic Synergy’ entschieden“, sagt der Auszubildende. „Diamond“ gilt unter Kennern als Sorte mit der stärksten Rauschwirkung.

Begeistert war Andi trotz der zahlreichen positiven Vorankündigungen von Spice nicht. „Meine Wahrnehmungsfähigkeit wurde schlechter, ich wurde träge und die berauschende Wirkung hielt nicht lange an“, fasst Andi seine Erfahrungen zusammen. Außerdem hätten sich seine Augen wider Erwarten gerötet. Andis größte Sorge ist aber, dass bisher so wenig über die Nebenwirkungen und Langzeitschäden der Droge bekannt ist. „Die meisten wissen nur, wo sie das Zeug kaufen können, alles andere basiert auf Gerüchten“, bemerkt Andi.

Klarheit über Spice will sich mittlerweile auch die Bundesregierung verschaffen. Das Ministerium für Gesundheit lässt Spice derzeit in verschiedenen Laboren und Instituten auf seine Zusammensetzung und Nebenwirkungen prüfen. Die Untersuchungen würden dadurch erschwert, dass nicht jedes Spice-Päckchen dieselben Kräuter in derselben Menge enthalte, sagt eine Sprecherin des Ministeriums. „Klar ist nur, dass es nicht einfach nur ein Bioprodukt ist, an dem man wie an einer Karotte nagen kann“, fügt die Sprecherin hinzu. Das Bundesinstitut für Risikobewertung rät nach einer ersten Einschätzung vom Konsum der Kräuter ab.

Noch ist Spice legal erhältlich. Doch Bestrebungen der Regierung, die Modedroge zu verbieten, gibt es bereits. Denn mittlerweile befinden sich die ersten Spice-Abhängigen in Therapie. Nach der ernüchternden Erfahrung mit Spice kommt Andi zu seinem persönlichen Fazit: „Ich bleibe bei Marihuana, da weiß ich wenigstens, woran ich bin.“

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