Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Wissen „Unsere Beziehung stand wegen unserer Jobs vor dem Aus“
Nachrichten Wissen

“Unsere Beziehung stand wegen unserer Jobs vor dem Aus”

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
13:23 13.10.2019
Carsten und Andrea standen wegen ihrer Jobs vor dem Beziehungsaus. Quelle: Getty Images
Anzeige

Als Andrea neulich von der Kletterwand rutschte und am Sicherungsseil baumelte, sagte sie: „Nun guck mal, wie sehr ich an dir hänge.“ In diesem Moment dachte ich, wie froh ich bin, sie nicht verloren zu haben. Vor nicht allzu langer Zeit sah nämlich alles danach aus. Damals hatten wir eine große Krise. Alle um uns herum heirateten, bauten Häuser – und bekamen Kinder.

Ich hatte auf jeden Fall plötzlich richtig Sehnsucht nach einem Kind.

Und ich konnte mir das auf einmal auch gut vorstellen, obwohl ich Andreas Meinung kannte. Sie hatte mir gleich zu Anfang unserer Beziehung gesagt, dass sie keinen Nachwuchs möchte. Damals konnte ich mir uns auch nicht in dieser klassischen Familienrolle als Vater-Mutter-Kind vorstellen. Wie sollte das klappen mit unseren beruflichen Plänen, mit unserem Wunsch, frei und unabhängig zu sein? Doch manchmal ändern sich eben Vorstellungen: Ich hatte auf jeden Fall plötzlich richtig Sehnsucht nach einem Kind.

Anzeige

Mehr zum Thema

“Ich wünsche mir ein zweites Kind, mein Mann aber leider nicht”

“Meine Frau will ein zweites Kind, ich aber nicht”

Carsten: "Ich fühlte mich wie ihr Gegner, den sie vor Gericht fertig machen wollte"

Als ich Andrea davon erzählte, reagierte sie unglaublich aggressiv. Ich glaube, es fielen sogar Worte wie Verrat und Vertrauensbruch. Wahnsinn, so hart kannte ich Andrea gar nicht. Ich fühlte mich wie ihr Gegner, den sie vor Gericht fertig machen wollte. Dabei waren so viele Jahre vergangen, auch sie hätte ihre Meinung ändern können. Natürlich gab es beim Thema Familienplanung keinen Mittelweg: Ein bisschen schwanger werden geht nun mal nicht. Und da reden nichts brachte, zog ich mich erst einmal zurück.

Kurz vor dem Burn-out, kurz vor dem Liebes-Aus

Ich war fast erleichtert, als Andrea alles hinschmiss.

Ich brauchte Zeit, um alles zu verdauen. Bis zu unserem Megakrach. Endlich sprachen wir wieder miteinander, auch über die Leere, die ich verspürte. Als wir kurze Zeit später unsere Kanzlei eröffneten, merkte ich schnell, dass ich mich finanziell verkalkuliert hatte. Nach acht Monaten standen wir beide kurz vor dem Burn-out und unsere Beziehung das zweite Mal vor dem Aus. Ich war fast erleichtert, als Andrea alles hinschmiss. Unsere Liebe gerettet hat die erste Krise, die ich als viel elementarer empfunden habe. Damals ist mir klar geworden, dass wir an erster Stelle stehen und ich auch für unsere Liebe kämpfen würde.

RND/protokolliert von Stephanie Arndt

Anzeige