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Wissen Vor 100 Jahren brach der Norweger Amundsen zum Südpol auf
Nachrichten Wissen Vor 100 Jahren brach der Norweger Amundsen zum Südpol auf
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10:16 04.06.2010
Quelle: dpa
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Buchstäblich von der eigenen Haustür und mit einer dreisten Lüge im Gepäck ist Roald Amundsen vor 100 Jahren zum Südpol aufgebrochen. Um Mitternacht am 7. Juni 1910 lichtete die „Fram“ den Anker vor Amundsens Haus am Oslofjord. Die Besatzung glaubte ebenso wie Norwegens Bevölkerung und König Haakon, dass der schon damals berühmte Abenteurer, Forscher und Entdecker auf dem Weg zum Nordpol war. Aber Amundsen hatte sich in aller Heimlichkeit für das entgegengesetzte Ziel entschieden. Die „Fram“ segelte Richtung Richtung Antarktis und Südpol.

Den erreichte der „Berufs-Wikinger“ am 14. Dezember 1911 als erster Mensch überhaupt und fünf Wochen vor seinem britischen Konkurrenten Robert Scott. Amundsen schrieb in seinen Erinnerungen ohne Umschweife, warum er seine Nordpol-Expedition, für die er schon reichlich Geld eingesammelt hatte, kurzerhand auf den Süden umpolte:
„Ich brauchte dringend einen sensationellen Sieg.“

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Eigentlich galt der Nordpol als das aufregendere Ziel für Polarforscher, aber mitten in den Vorbereitungen für die große Expedition platzte die Nachricht, dass der Amerikaner Robert Peary diesen angeblich am 6. April 1909 erreicht hatte. Vorher hatte sich schon dessen früherer Schiffsarzt Frederick Cook feiern lassen, weil er knapp ein Jahr vor Peary den Pol erreicht haben wollte.

Amundsen sah in dieser Lage keine Chance mehr auf „unsterblichen Ruhm“. Den versprach dagegen die Aussicht auf den Eintrag in die Rekordbücher als „erster Mensch am Südpol“. Weil er aber nun mal alle Gelder für die groß angekündigte Eroberung des Nordpols eingesammelt hatte, teilte der eigenwillige Norweger seinen Geheimplan einzig und allein dem eigenen Bruder mit.

Am 14. Dezember 1911 erreichte Amundsen mit vier Begleitern auf Skiern den Südpol. Alle schafften auch die Rückkehr zur „Fram“, während der langsamere Konkurrent Scott zusammen mit seinen Begleitern auf dem Rückweg starb. Das Kalkül des Norwegers ging auf:

Seine Landsleute feierten ihn bei der Rückkehr als Helden, er konnte die Südpol-Expedition mit Büchern und hoch dotierten Vorträgen in klingende Münze verwandeln. Und seinen Name hat sich in das kollektive Gedächtnis eingebrannt: der erste Mensch am Südpol.

Zum hundertsten Jahrestag feiern die Norweger ihren berühmten Polar-Helden da, wo er losgesegelt ist: Vor seiner „Villa Uranienborg“, 20 Kilometer südlich von Oslo, am gleichnamigen Fjord. Mitfeiern sollen auch die beiden noch lebenden Amundsen-Töchter im Alter von 100 und 94 Jahren. Die „Fram“ kann ein bisschen weiter nördlich in dem für sie gebauten Museum auf der Osloer Halbinsel Bygdøy bestaunt werden.

Mit Spannung warten viele von den Polar-Abenteurern faszinierte Norweger auf die erstmals vollständige Veröffentlichung der kompletten Amundsen-Tagebücher von seiner Südpol-Expedition. Ab dem 7. Juni sollen sie Tag für Tag im Internet ausgelegt werden, jeweils genau 100 Jahre nach ihrem Entstehen. Parallel dazu werden auch die Aufzeichnungen anderer Expeditionsmitglieder veröffentlicht.

Genauso geschickt wie beim Navigieren zum Südpol stellte sich Amundsen bei der anschließenden Selbstvermarktung an. Er startete später noch einige Expeditionen und wurde endgültig zur Legende, als er am Ende für immer verschwand: 1928 beteiligte er sich in der Arktis an der Suchexpedition für den Italiener Umberto Nobile, der mit seinem Luftschiff abgestürzt war. Amundsen stürzte mit seinem kleinen Flugzeug nahe der Bäreninsel am 18. Juni ab und gilt bis heute als verschollen.

dpa