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Wissen Was tun nach einem Einbruch? So verhalten Sie sich richtig
Nachrichten Wissen Was tun nach einem Einbruch? So verhalten Sie sich richtig
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15:34 18.09.2018
Nach einem Einbruch sitzt der Schock tief. Viele Menschen sind sich unsicher, welche Schritte sie danach unternehmen müssen. Quelle: MHZ
Hannover

Für viele Menschen ein Horrorszenario: Man kommt nach Hause und stellt mit Entsetzen fest, dass sich jemand Fremdes bereits Zutritt zu der Wohnung verschafft und die Wohnung nach wertvollen Gegenständen durchkämmt hat. Mindestens genauso schlimm wie der materielle Schaden ist dabei der psychologische - schließlich sollten die eigenen vier Wände einen Hort der Geborgenheit bieten. Neben dem seelischen Wohl müssen sich Opfer unmittelbar nach einem Einbruch aber auch um einige Pflichten kümmern.

Was sind die ersten Schritte?

Bevor Sie irgendetwas unternehmen, sollten Sie sich vergewissern, dass sich der oder die Einbrecher nicht mehr in der Wohnung oder dem Haus aufhalten. Vermeiden Sie die Konfrontation und versuchen Sie nicht, die Eindringlinge bei ihrer Flucht aufzuhalten. Rufen Sie stattdessen die Polizei, bei der Sie sich sowieso melden müssen, um den Einbruch als Straftat anzuzeigen. Das ist wichtig, da der Fall ansonsten nicht von Ihrer Versicherung behandelt werden kann.

Nachdem die Polizei informiert wurde, geht es darum, den Schaden zu sichten und zu dokumentieren. Wenn Sie sich dabei unsicher sind, können Sie auch erst Ihre Hausratversicherung anrufen, die Ihnen Anweisungen geben und im gleichen Zuge von dem Vorfall in Kenntnis gesetzt werden kann. Spätestens wenn sie sich einen Überblick über das Ausmaß der Tat gemacht haben, müssen Sie die Versicherung über den Einbruch informieren. Bei der Sichtung des Schadens sollten Sie unbedingt darauf achten, keine Spuren zu beseitigen, da diese unter Umständen noch von der Polizei gesichert werden müssen.

Schadensermittlung

Generell ist es ratsam, Fotos von der Wohnung zu machen, um den Umfang des Schadens festzuhalten und der Polizei bei der Rekonstruktion des Tathergangs zu helfen. Übrigens: Die Hausratversicherung greift in der Regel nur dann, wenn der Diebstahl als Einbruch oder Raub eingeordnet werden kann. Etwa wenn es zu Gewaltanwendung oder -drohung kam (Raub) oder wenn Einbruchspuren nachgewiesen werden können (Einbruchdiebstahl). Andernfalls wird der Vorfall als einfacher oder gewöhnlicher Diebstahl eingestuft. Dann kommt es darauf an, ob dieser in den Tarifbedingungen als Leistung aufgeführt wird oder nicht. Die meisten Hausratversicherungen schließen einfachen Diebstahl aus, lassen sich aber über einen entsprechenden Beitragszuschlag erweitern.

Handelt es sich nachweislich um Diebstahl mit vorangegangenem Einbruch müssen Sie eine sogenannte “Stehlgutliste” erstellen. Dabei handelt es sich um ein detailliertes Verzeichnis der Gegenstände, die gestohlen worden sind und die der Polizei übergeben werden muss. Dieses, auch Wertgegenstandsliste genannte, Dokument enthält neben der Bezeichnung des Gegenstands auch noch Informationen zu Marke, Typ und Hersteller, Merkmalen und Kennzeichen, Anschaffungsdatum, -ort und -preis sowie dem geschätzten aktuellen Wert. Darüber hinaus sollten Belege wie etwa Kassenbons beigefügt werden. Die Stehlgutliste kommt nicht nur der Polizei zugute, die anhand der Informationen rascher mit der Fahndung der Gegenstände beginnen kann. Auch für Versicherungen ist die Liste wichtig, um sich vor etwaigen Betrugsabsichten der Versicherungsnehmer zu schützen. In der Regel wird die Liste deshalb von der Polizei an die Versicherung weitergeleitet.

Bevor Sie sich an das Aufräumen der Wohnung machen können, muss die Polizei den Fall aufgenommen und die Spurensicherung abgeschlossen haben. Falls die gemachten Fotos nicht ausreichen, kann Ihre Versicherung veranlassen, dass ein Gutachter zur Dokumentation zu Ihnen nach Hause kommt. Bis der kommt, können allerdings bis zu zwei Wochen vergehen, in denen Sie nur die nötigsten Schäden wie geknackte Türschlösser oder beschädigte Fenster und Türen beheben dürfen.

Welche weiteren Schritte gibt es?

Sollten Ihnen Ausweise oder Kredit- beziehungsweise EC-Karten gestohlen worden sein, melden Sie sich bei der zuständigen Behörde oder Bank und veranlassen Sie eine Sperrung. Dasselbe gilt für Handys oder Smartphones, für die der jeweilige Mobilfunkanbieter kontaktiert werden muss. Anhand der 15-stelligen IMEI-Nummer des Geräts, kann die Polizei nach dem Telefon fahnden. Diese findet sich entweder auf dem Karton, in dem das Gerät verpackt war oder kann unter Umständen bei dem jeweiligen Anbieter des Mobilfunkvertrags erfragt werden.

Achten Sie darauf, dass Ihr Haus nach dem Vorfall ausreichend gesichert ist, um nicht erneut Opfer eines Einbruchs zu werden. Auch wenn es unwahrscheinlich klingt kommt es immer wieder vor, dass Täter an den Tatort zurückkehren. Sei es um, Spuren zu beseitigen oder um weitere Gegenstände zu klauen, die beim ersten Raubzug liegengeblieben sind. Lassen Sie kaputte Fenster und Türen deshalb schnellstens ausbessern. Schlüsselnotdienste sollten Schlösser an Haus- und Wohnungstür noch am Tag des Geschehens austauschen. Zudem sollten Sie es vermeiden, die Wohnung nach dem Einbruch unbewacht zu lassen. Auch wenn Sie ein mulmiges Gefühl dabei haben, Einbrecher rechnen mit dem Schock Ihrer Opfer und gehen davon aus, dass viele die erste Nacht bei Freunden oder Verwandten verbringen werden.

Wie können Sie sich zukünftig auf den Ernstfall vorbereiten?

Damit Sie zukünftig auf der sicheren Seite stehen und im Ernstfall schnell reagieren können, empfiehlt es sich, einige Vorbereitungen zu treffen.

Wertsachen katalogisieren:

Führen Sie eine Liste, anhand derer Sie der Polizei und Versicherung schneller Auskunft über die gestohlenen Gegenstände geben können. Je umfangreicher, desto besser. Am besten Sie übernehmen alle Kategorien, die auch für die Stehlgutliste benötigt werden. Notieren Sie unter anderem die genaue Bezeichnung, das Alter, den Ort der Anschaffung und den Anschaffungspreis Ihrer Wertsachen und wichtigen Gegenstände. Fotos, am besten mit der Wohnung im Hintergrund, runden den Katalog ab.

Kassenbelege aufbewahren:

Anhand von Kassenbelegen können Versicherungen den genauen Wert der gestohlenen Gegenstände ermitteln. Darüber hinaus lässt sich so beweisen, dass es sich bei den als gestohlen gemeldeten Dingen tatsächlich um Ihr Eigentum handelt. Am besten legen Sie einen Ordner an, der Kassenbelege, Fotos und die Liste enthält. Um ganz sicherzugehen, können Sie die Belege zusätzlich einscannen und auf dem PC abspeichern.

Wichtige (Telefon-)Nummern notieren:

Um gar nicht erst mühselig nach Sperrhotlines suchen zu müssen, empfiehlt es sich, wichtige Nummern in ein klassisches Telefonbuch einzutragen. Zusätzlich können Sie hier andere Informationen, wie die erwähnte IMEI-Nummer eintragen. Diese lässt sich nämlich am einfachsten über das Handy selbst, entweder in den Einstellungen oder per Code-Abfrage, ermitteln.

Konditionen der Hausratversicherung überprüfen:

Gerade bei Wertsachen kann es vorkommen, dass die einstigen Höchstgrenzen nicht mehr dem gestiegenen Wert der Gegenstände entsprechen. Informieren Sie sich deshalb bei Ihrer Versicherung und fragen Sie nach adäquaten Bedingungen für Ihre Wertsachen.

Wer Opfer eines Einbruchs geworden ist, möchte diese Erfahrung nie wieder machen. Mit der richtigen Verhaltensweise lässt sich der Schaden zumindest in Grenzen halten und mit etwas Vorbereitung sind Sie für den Ernstfall gewappnet - auch wenn dieser natürlich niemals eintreffen sollte.

Von RND/pf

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