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Nachrichten Wissen Weltgemeinschaft ringt um Schätze der Natur
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07:59 19.10.2010
Von Margit Kautenburger
Regenwald in Brasilien: Auf der Konferenz zur biologischen Artenvielfalt in Nagoya diskutieren Delegiert darüber, wie Natur und Ressourcen weltweit besser geschützt werden können.
Regenwald in Brasilien: Auf der Konferenz zur biologischen Artenvielfalt diskutieren Delegiert darüber, wie Natur und Ressourcen weltweit besser geschützt werden können. Quelle: dpa
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Es sieht nicht gut aus für den sibirischen Tiger, das Sabah-Nashorn oder die Seekuh. Das Verschwinden dieser Tierarten scheint nur noch eine Frage der Zeit. Doch nicht nur in fernen Ländern, auch bei uns schreitet das Sterben rasant voran. Ob Kiebitz oder Sumpfschildkröte, Luchs oder Feldhamster, Kammmolch oder Äsche – immer mehr Arten verlieren ihren Lebensraum und drohen für immer verloren zu gehen. Diese Entwicklung alarmiert Wissenschaftler und Umweltschützer weltweit. Sie warnen nicht nur vor dem Verlust der Vielfalt auf dem Planeten, sondern fürchten um den Verlust der Lebensgrundlagen der Menschheit.

Auf der zehnten UN-Konferenz zur biologischen Vielfalt, die gestern im japanischen Nagoya begonnen hat, will die Weltgemeinschaft nun die Notbremse ziehen. Rund 8000 Delegierte aus mehr als 190 Vertragsstaaten diskutieren, wie sich die Artenvielfalt schützen lässt, und die Entwicklungsländer stärker von ihren natürlichen Ressourcen profitieren können. Bei dem zwölftägigen Treffen sollen neue strategische Ziele für das kommende Jahrzehnt festgelegt werden. Außerdem geht es darum, ob und wie der reiche Norden einen Ausgleich für die Nutzung der natürlichen Ressourcen der ärmeren Länder leistet.

„Wir verlieren immer noch die Vielfalt, den Reichtum, die Schönheit und das Kapital unseres Planeten“, sagte der Chef des Umweltbundesamtes, Jochen Flasbarth, in seiner Eröffnungsrede zur Konferenz, die ab 2008 für zwei Jahre unter deutscher Präsidentschaft stand. Er machte klar, dass es keinen Grund zu Optimismus gibt: Die Weltgemeinschaft habe es nicht geschafft, das große Sterben bis 2010 wenigstens zu bremsen. Dies hatten die UN-Staaten 1992 in Rio de Janeiro verabredet.

Zu beobachten sei das größte Artensterben seit der Ausrottung der Dinosaurier vor 65 Millionen Jahren, berichten Wissenschaftler. Bis zu 1000-mal schneller als es natürlicherweise der Fall wäre, verschwinden Tier- und Pflanzenarten. Nach einer Studie der Umweltstiftung WWF ist der Bestand der wichtigsten Tierarten seit den siebziger Jahren um 30 Prozent zurückgegangen, in den Tropen sogar um 60 Prozent. Auch mehr als jede fünfte Pflanzenart steht kurz vor der Ausrottung. Ursache dieses Schwundes ist der Verlust der natürlichen Lebensräume – durch intensive Land- und Forstwirtschaft, Zersiedlung der Landschaft und Schadstoffe.

Nun wollen sich die Staaten auf eine neue Naturschutzstrategie einigen. Der Norden müsse die Entwicklungsländer finanziell besser unterstützen, fordert Heidrun Heidecke, Naturschutzexpertin des BUND. Wie beim Klima- gebe es auch beim Artenschutz einen Nord-Süd-Konflikt. „Die Industrieländer drängen auf die Ausweitung der Schutzgebietsflächen, doch Deutschland ist selbst nicht einmal bereit, fünf Prozent seiner Waldfläche aus der Nutzung zu nehmen“, kritisiert Heidecke. Es gelte also, auch vor der eigenen Haustür zu kehren. Außerdem müssten die reichen Länder mehr Geld bereitstellen als bisher. „Deutschland hat das zugesagte Geld gleich dreimal verplant – neben dem Artenschutz auch für Klimaprojekte und Entwicklungshilfe.“

Die Entwicklungsländer fordern überdies einen gerechteren Ausgleich für die Nutzung ihrer natürlichen Ressourcen. Die sogenannte Biopiraterie müsse unterbunden werden. Wenn Pharma-Konzerne natürliche Heilpflanzen wie den Niembaum zu Geld machen, wollten sie entsprechend am Gewinn beteiligt werden. Die Verabschiedung eines Biopiraterie-Protokolls könnte zum Schlüssel dafür werden, dass die Entwicklungsländer der Artenschutzstrategie zustimmen.

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