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Zecken: Muss man nach einem Zeckenbiss gleich ins Krankenhaus?

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11:48 20.06.2019
Zecken suchen sich einen geeigneten Platz auf der Haut, um Blut zu saugen. Quelle: Daniel Reinhardt/dpa
Hannover

Im Frühjahr und Sommer laden Wälder und grüne Wiesen zu Ausflügen ein. Gerade Städter zieht es in freien Stunden oft ins Grüne. Dort lauern aber auch Gefahren: Zecken warten meist im hohen Gras auf Wirte und können nach einem Biss Krankheiten übertragen.

Wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass es im Jahr 2019 besonders viele Zecken geben wird. Im Laufe der vergangenen 20 Jahre habe sich der Aktivitätszeitraum der Zecken um insgesamt zwei Monate erhöht, so Dr. Gerhard Dobler vom Nationalen Konsiliarlabor für FSME in München. Experten rechnen deswegen mit einer hohen Zahl von FSME- und Borreliose-Erkrankungen. Doch muss man nach einem Zeckenbiss sofort ins Krankenhaus? Wir klären auf.

Zeckenbiss: Muss ich sofort ins Krankenhaus?

Es dauert mehrere Tage bei der Borreliose und ein bis zwei Wochen bei FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis), bis die Symptome auftreten. „Es bringt also nichts, nach dem Zeckenstich sofort ins Krankenhaus zu gehen“, erklärt Susanne Glasmacher vom Robert Koch-Institut (RKI). Zunächst sei es wichtig, die Zecke möglichst schnell zu entfernen und Ruhe zu bewahren (Wie Sie eine Zecke richtig entfernen sehen Sie in unserem Video drei Absätze tiefer). „Wenn man grippeähnliche Symptome oder eine ringförmige Hautrötung bei sich feststellt, dann sollte man zum Arzt gehen“, so die Expertin.

Zeckenbiss: Was tun?

Wer von einer Zecke erwischt worden ist, sollte sie schnell entfernen, um das Infektionsrisiko zu minimieren. Die besten Hilfsmittel sind Zeckenkarten oder -zangen. Das Tier sollte möglichst nah am menschlichen Körper angepackt, also nah an den Mundwerkzeugen, und dann langsam und senkrecht herausgezogen werden.

Wichtig: Die Zecke darf nicht gequetscht und nicht gedreht werden. „Alle Teile der Zecke müssen entfernt werden, um eine Entzündung und Infektion durch den Zeckenbiss zu vermeiden“, so das Robert Koch Institut (RKI). Außerdem sollten Betroffene keinen Nagellack oder andere angebliche Hausmittel verwenden – damit steigt das Krankheitsrisiko. Die Hautstelle sollten Betroffene mehrere Tage im Blick haben. Ein gezogener Kreis mit einem Kugelschreiber um die Bissstelle herum hilft dabei. Wenn eine Veränderung festgestellt wird, sollte sofort ein Arzt aufgesucht werden.

Zeckenzange: Drehen oder ziehen?

Beim Entfernen einer Zecke sollte der Blutsauger möglichst knapp über der Haut gefasst werden. Quelle: mirkograul - stock.adobe.com

Im Prinzip kann man eine Zecke nicht „falsch“ entfernen: Falsch wäre nur, sie nicht zu entfernen. Weil Zecken sich aber beim Stich mithilfe kleiner Widerhacken an ihrem Stechrüssel in der Haut verankern, muss beim Herausziehen ein gewisser Widerstand überwunden werden. Das gelingt zum Beispiel mit einer speziellen Zeckenpinzette oder -schlinge aus der Apotheke. Damit greift man die Zecke möglichst knapp über der Haut und zieht sie in einer kontrollierten Bewegung senkrecht heraus – beherzt, aber dennoch vorsichtig. Mit der Pinzette kann es etwas leichter gehen, wenn Betroffene vorsichtig etwas hin und her rütteln, bevor sie ziehen. Gedreht werden muss die Zecke nicht.

Video: Was Sie über Zecken wissen müssen und wie man sie richtig entfernt

Wer eine Zecke mit einer Zeckenkarte entfernen will, muss nicht aktiv ziehen, sondern entfernt sie mit einer Schiebebewegung. Dafür sollte die Karte mit dem Schlitz möglichst nah auf der Haut unter das Tier geführt und dann vorsichtig weitergeschoben werden, bis die Zecke sich löst.

Zecke entfernt: Ein Teil bleibt stecken

Trotz vorsichtigem Entfernen kann es passieren, dass ein Teil der Zecke in der Haut stecken bleibt: Dabei handelt es sich, wie fälschlicherweise oft angenommen, nicht um den Kopf, sondern um Teile der Mundwerkzeuge. Sie sind nicht gefährlich und werden in den meisten Fällen von der Haut abgestoßen.

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Wanderröte: Was ist das?

Wenige Tage und Wochen nach einem Zeckenbiss kann im Falle einer Borreliose-Infektion eine ringförmige, zunächst etwa handtellergroße Hauterscheinung, die sogenannte chronische Wanderröte (Erythema chronicum migrans) auftreten. Sie breitet sich um die Bissstelle herum aus und verschwindet schließlich. Diese Hauterscheinung ist so typisch, dass man sicher von einer Infektion ausgehen könne und unbedingt mit Antibiotika behandeln sollte, so das Universitätsklinikum Heidelberg.

Zeckenbiss: Welche Körperstellen muss ich besonders absuchen?

Nach einem Aufenthalt im Freuen ist es wichtig, dass der ganze Körper gecheckt wird. Besondere Aufmerksamkeit sollte hier Hautfalten, Achselhöhlen, Kniekehlen, der Bauchnabel und behaarte Körperstellen geschenkt werden. Denn an diesen Stellen saugen sich die kleinen Blutsauger besonders gerne fest.

Zeckenbiss: Welche Zecken übertragen Krankheiten?

Borreliose lässt sich mit Medikamenten heilen, FSME nicht – dagegen gibt es aber eine Schutzimpfung. Zumindest wer in Risikogebieten lebt oder dort Urlaub macht, sollte über eine Impfung nachdenken und sich beim Hausarzt informieren. Die meisten Krankenkassen übernehmen laut DRK die Kosten.

Lesen Sie auch: Warum sind Zecken so gefährlich?

Von RND

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