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Aktuelles Eggental - das Reich der Schneeköniginnen
Reisereporter Aktuelles Eggental - das Reich der Schneeköniginnen
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00:50 16.02.2013
Von Sonja Fröhlich
Der Schöpfer und seine Königin: Georg Eisath ist stolz auf seine Vorzeige-Schneekanone, die er liebevoll Claudia Schiffer genannt hat.
Der Schöpfer und seine Königin: Georg Eisath ist stolz auf seine Vorzeige-Schneekanone, die er liebevoll Claudia Schiffer genannt hat. Quelle: Fröhlich
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Eggental

Da ist sie: Claudia Schiffer. Hoch oben auf 2000 Metern Höhe, den Blick frei auf die weiße Pracht der Alpen und der Dolomiten, thront die Schöne mit den Traummaßen - denn die gibt es auch für eine Schneekanone. „Sie ist die schönste hier. Deshalb haben wir sie so genannt“, sagt Georg Eisath und schaut beinahe liebevoll zu der postgelben Riesin auf, die immerzu fauchend Kristallfontänen auf die schwarze Piste des Messnerjochs schießt.

Eisath ist sozusagen der Vater aller gelben Schneekanonen, jener Wunderwerke, die in Südtirol und überall anders in der Skiwelt Wasser und kalte Luft in Schnee verwandeln. Eisath hat die Schneemacher vor 25 Jahren konstruiert, er schwört auf trockenen Schnee statt auf feuchten, wie ihn die meisten Mitbewerber produzieren. Und er ist überzeugt, seine Kanonen und Lanzen spuckten den besten Schnee aus, den es gibt. „Ich weiß nicht, warum man überhaupt noch anderen Schnee produziert. Der taugt nichts“, sagt der bodenständige Mechaniker.

Tatsächlich lässt es sich auf den 88 Pistenkilometern und 100 Kilometern Loipen des Skiverbandes Eggental bestens carven, auf präzise geschliffenen Hängen, nachgiebig wie ein Teppich. Im Vergleich mit 35 Winterskigebieten Europas ging das Skicenter Obereggen-Latemar in der vergangenen Saison als Testsieger hervor, im benachbarten Skiareal Welschnofen-Carezza messen sich jährlich im Dezember die besten Snowboarder der Welt - auf perfekt präparierter schwarzer Piste.

Im Eggental mit seinen pittoresken Gemeinden Deutschnofen (zu dem auch Obereggen gehört), Welschnofen, Tiers und Steinegg hat es weitläufige Skihänge und ein Bilderbuchpanorama schon immer gegeben. Die Unesco erklärte die Dolomitenregion 2009 zum Weltnaturerbe. „Auch Kaiserin Sisi hat ihren Urlaub hier verbracht“, erzählt der pensionierte Lehrer Herbert Pichler, der Touristen auf ihren Wanderungen oder Skitouren im Eggental begleitet. Wer mit ihm unterwegs ist, hört einige unglaubliche Geschichten. Etwa, dass die Schneeschmelze der Gletscher noch immer Leichen von Soldaten des Ersten Weltkriegs zutage befördert. Diese mussten einst in den Gebirgen um die Grenzen von Italien und Österreich-Ungarn kämpfen. „Die meisten starben damals nicht im Gefecht, sondern vor Kälte und Hunger“, sagt Pichler.

Auch um die Anfänge des Ski-Mekkas ranken sich Geschichten. Anfang der siebziger Jahre wäre es fast zur Katastrophe gekommen, als elf junge Männer die Aktiengesellschaft Obereggen gründeten und den ersten Lift in Betrieb nahmen. Jeweils zwei Skifahrer schwebten im Sessellift nach oben, als das Seil auf der Antriebsscheibe verrutschte und sich eine Klemme im Seil verhakte. 130 Personen hingen in der Luft. Vor den Augen der Festgesellschaft wurden die verschreckten Skifahrer im Rückwärtsgang nach unten befördert. Ursache für die Blamage war ein Konstruktionsfehler des Herstellers - dieser entschuldigte sich und legte noch einen Lift obendrauf.

Mittlerweile gibt es zahlreiche Kabinen-, Sessel- und Schlepplifte in den beiden Skigebieten des Eggentals, die auch Mitglied im Reich des „Dolomiti Superski“ sind - einem Verbund von zwölf Skiregionen der Dolomiten. Die Gemeinden zählen zwar 300 Sonnentage im Jahr, schneesicher war es dort aber nie. Die ersten Schneekanonen aus den USA passten nicht zu den regionalen Verhältnissen und waren zu teuer. So machten sich der Mechaniker Georg Eisath und der Elektriker Walter Rieder daran, eine neue, günstigere Form der Schneekanonen mit Wasserspeicher zu entwickeln. „Man kann sagen, dass wir in unseren Garagen wie Daniel Düsentrieb daran herumtüftelten“, sagt Eisath. „Irgendwann konnten wir unsere Schneekanonen für die Hälfte des Geldes anbieten.“ Eine Erfolgsstory.

Ihre Firma TechnoAlpin ist heute Weltmarktführer, jährlich werden gut 2500 Schneemacher in dem 20 Kilometer entfernten Bozen hergestellt. Eisath hat es auch im Iran, in Südamerika oder in osteuropäischen Staaten technisch schneien lassen, bis er sich vor einigen Jahren zur Ruhe setzte. Heute betreibt er mit seiner Frau die Moseralm in Welschnofen - vor ihrer Tür geht es direkt auf die märchenhaft umwaldeten Pisten Carezzas, die trotz bester Unterlagen auch in der Hochsaison oft menschenleer sind. Das ist für Skifahrer Luxus. Menschen wie Eisath sprechen nie von Kunstschnee, sondern von Kompaktschnee. Um diesen stromsparend zu produzieren, werden die Schneekanonen nach Möglichkeit bei Temperaturen um minus sieben Grad angeschaltet, erklärt er. „Dann brauchen wir zu Beginn einer Saison gut 90 Stunden, um auf unseren Pisten die 60 Zentimeter Schnee zu haben, die nötig sind.“ Naturschnee macht auf den Eggentaler Pisten dagegen bloß fünf Zentimeter aus-selbst wenn es geschneit hat.

Im benachbarten kleinen Obereggen kann man sich das kompakte Schneegestöber auch in der dunklen Nacht vom Berg anschauen. An drei Tagen die Woche erhellt Flutlicht die Ochsenweide-Piste, auf die eine Gondelbahn führt. Von 19 bis 22 Uhr können Nachtschwärmer die zwei Kilometer lange Piste carven oder auf der Rodelbahn Schlitten fahren. Oder in der Berghütte für einen südtiroler Lagrein-Wein und eine ordentliche Jause einkehren.

Die Hüttenkultur in Südtirol ist bekannt für ihren persönlichen Charme fernab von Massenbetrieben mit Selbstbedienungstheken und Mikrowellengerichten. Besser eine Tagliata, ein Rindfleischgericht, und hausgemachtes Tiramisu in der Gardonè Hütte auf 2000 Metern Höhe am Sella Berg oder Sauerfleisch und Butterklöße auf der Ganischgeralm unterhalb des Latemars - und danach einen Ingwerkaffee, wie er sich in Südtirol derzeit großer Beliebtheit erfreut. Zugegeben, es fällt schwer, sich nach der Völlerei wieder auf die Bretter zu stellen. Aber schon bald freut man sich über die sonnigen Aussichten und den samtweich planierten Boden.

Und darüber, dass es geschneit hat. Auch wenn sich dies nur an den weißen Hauben der Berge festmachen lässt. Denn Claudia Schiffer und die anderen Schneeköniginnen haben den Rest getan.

Hin und weg

Anreise: Flug nach Innsbruck oder München, danach weiter mit der Bahn bis Bozen.

Unterkunft: Direkt an der Piste und der Kabinenbahn lässt es sich im Vier-Sterne-Hotel Cristal von Familie Thaler wohnen. Sieben Tage Halbpension mit Gourmetküche und inklusive Skipass kosten ab 900 Euro pro Person, für Kinder gibt es Ermäßigungen. www.hotelcristal.com

Skipässe: Eine Tageskarte kostet für Erwachsene in Obereggen 39 bis 42 Euro und in Carezza 33 bis 37 Euro. Für Kinder unter acht Jahren ist die Fahrt frei.

Informationen: www.eggental.com  

Deutsche Presse-Agentur dpa 15.02.2013
Deutsche Presse-Agentur dpa 15.02.2013
Deutsche Presse-Agentur dpa 15.02.2013