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Herrenhausen Die Herrenhäuser Gärten sind eine Reise wert
Reisereporter Ausflüge Herrenhausen Die Herrenhäuser Gärten sind eine Reise wert
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14:12 22.01.2013
Die Herrenhäuser Gärten haben den bedeutendsten barocken Garten in Deutschland. Quelle: dpa
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Hannover

Wer sich mit den Augen eines Auswärtigen ein Bild über die Herrenhäuser Gärten verschaffen will, sollte einmal in Reiseführern blättern. „Wo Deutschland am schönsten ist“ heißt einer und erwähnt Hannover gar nicht. Der Band „Die schönsten Städtetouren“ nennt als „Toptipps“ in Hannover das Sprengel Museum und die Mauern des Alten Rathauses, immerhin gelten die Gärten – eine der ersten Adressen Europas für historische Barockanlagen – als weitere Sehenswürdigkeit.

Dass mehr Euphorie möglich ist, beweisen die Autoren des großformatigen Begleiters „Unterwegs in Deutschland“: Drei Sterne, die Bestnote, geben sie dem königlichen Ensemble; es steht damit auf einer Stufe mit dem Weltkulturerbe Kölner Dom. Drei Sterne bedeuten: Für dieses Ziel lohne sich eine eigene Reise. Und was sagt dieser Reiseführer noch über Hannover? „Die vielleicht am meisten unterschätzte Großstadt Deutschlands.“ Fast scheint es, als hätten Hannovers Stadtvermarkter den Text selbst geschrieben.

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Auch beim Fachpublikum fällt das Urteil eindeutig aus: „Der Große Garten in Herrenhausen ist der bedeutendste barocke Garten in Deutschland“, sagt Klaus von Krosigk. Der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur (DGGL) gerät ins Schwärmen, wenn er über den unter Regie der hannoverschen Kurfürstin Sophie geschaffenen historischen Garten spricht: „Herrenhausen überstrahlt alles.“ Nicht nur im nationalen Vergleich steche das barocke Gartenerbe Hannovers hervor: Auch in internationalen Fachkreisen seien die Herrenhäuser Anlagen „bekannt und geachtet“.

Sein überschwängliches Lob macht von Krosigk vor allem an zwei Punkten fest. Der Große Garten, der von 1666 an entstand, sei der bundesweit einzige Garten aus dem frühen Barock, der in seinen Grundstrukturen weitgehend erhalten geblieben ist. Dem hätten auch die aus Sicht der Gartendenkmalpflege „marginalen“ Veränderungen zur Zeit des Nationalsozialismus nichts anhaben können. Zudem habe der Große Garten Ausmaße, an die ebenfalls sehr gut erhaltene, bedeutende Barockanlagen wie der Kurfürstliche Garten in Brühl und der Schlossgarten in Schwetzingen nicht heranreichten. Der Garten am Schloss Nymphenburg bei München oder die Gartenanlagen in der ehemaligen Residenzstadt Dresden seien ohnehin weniger authentisch barock.

Fragt man nicht die Experten, sondern die Gartenbesucher, nennen diese andere Namen im Vergleich mit Herrenhausen. Eine Marketingstudie der Nord/LB hatte bereits 2004 ergeben, dass die hannoverschen Anlagen in der bundesweiten Bekanntheit gleich hinter dem Schlosspark Sanssouci in Potsdam rangieren. Das will etwas heißen: Schließlich werden die im Auftrag von Friedrich dem Großen zwischen 1745 und 1747 erschaffenen Schloss- und Gartenanlagen im Stil des Rokoko gern als „preußisches Versailles“ bezeichnet – ebenso wie das weltberühmte französische Vorbild stehen sie unter dem Schutz der Unesco als Weltkulturerbe.

„Dieses Label ist für uns ein besonderes zugkräftiges Marketinginstrument“, betont Heinz Buri, bei der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten zuständig für die Vermarktung der historischen Anlagen. Sowohl in der Tourismuswerbung im Ausland als auch für Aktionen vor Ort werde dieses „Markenzeichen“ gezielt eingesetzt. So gibt es etwa jeweils am ersten Sonntag im Juli einen Weltkulturerbetag mit Veranstaltungen, die über die Bedeutung Sanssoucis, der Potsdamer Parklandschaft sowie der Schlösser und Gärten Berlins informieren, die die Unesco in ihrer Gesamtheit ebenfalls kürt.

Mit dem Wiederaufbau des Schlosses wird auch Herrenhausen eine neue Besucherattraktion bekommen. Dass damit zugleich, wie von verschiedenen Stellen in der Stadt angedacht, eine Bewerbung zum Weltkulturerbe Aussicht auf Erfolg haben könnte, hält von Krosigk für eine gewagte These. Um den Unesco-Titel zu erlangen, müsse ein Kulturgut weltweit einmalig sein – „und schließlich gibt es schon Versailles“.

Juliane Kaune/Gunnar Menkens/st

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Im Entstehen des Großen Gartens hatte sich über Jahrzehnte der Aufstieg der Welfen gespiegelt. Herzog Johann Friedrich hatte einen Wirtschaftshof 1666 zu einem kleinen Sommersitz ausbauen lassen – im Lauf der Jahrhunderte entstanden daraus die Herrenhäuser Gärten in der Form, in der sie auch heute noch zu bewundern sind.

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