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Wie aus Höringehusen Herrenhausen wurde
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08:00 09.01.2010
Von Simon Benne
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Zum Namenspatron von Hannovers vielleicht schönster Ecke wurde damit ein Mann, der in seiner Familie als Enfant terrible galt – und der Historikern heute angesichts seiner berühmten Schwägerin, der Kurfürstin Sophie, leicht aus dem Blick gerät. Zu Unrecht.

Geboren als dritter von vier Söhnen Georgs von Calenberg, hatte Johann Friedrich eigentlich keine Aussichten auf eine Regentschaft. Seine Brüder hegten teils tiefe Abneigung gegen ihn, und dann tat er 1651 bei einer Italienreise in Assisi auch noch etwas Unerhörtes: Er konvertierte zum Entsetzen seiner protestantischen Familie zum Katholizismus, und das noch aus Überzeugung. Jahre später stieg Johann Friedrich durch ebenso geschicktes wie ruppiges Taktieren schließlich doch zum Herzog von Calenberg auf.

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Der absolutistische Fürst liebte Kunst und Wissenschaft. Auf ihn gehen die heutige Leibniz-Bibliothek und der Tiergarten in Kirchrode zurück, der Italienfreund holte Gelehrte wie Leibniz und Niels Stensen (Humboldt nannte diesen den „Vater der Geologie“) nach Hannover. Und während in Johann Friedrichs Schlosskirche Kapuziner die Heilige Messe feierten, legte er selbst größten Wert auf religiöse Toleranz: Land und Hof durften evangelisch bleiben. Als Katholik finanzierte er teils sogar den Bau der protestantischen Neustädter Hof- und Stadtkirche. Der Herzog ließ im Leineschloss Hannovers ersten richtigen Theatersaal einrichten, wo Deutschlands erste fest besoldete Schauspieltruppe spielte.

Vor allem aber ließ er 1666 im umgetauften Höringehusen ein „Lusthaus“ als Sommerresidenz erbauen. Das Gelände südlich des Schlosses war von Anfang an „zum Lustgarten destinieret“. Und daher darf der Große Garten bis heute als Schöpfung einer der schillernsten Figuren des Welfenhauses gelten.

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Im Entstehen des Großen Gartens hatte sich über Jahrzehnte der Aufstieg der Welfen gespiegelt. Herzog Johann Friedrich hatte einen Wirtschaftshof 1666 zu einem kleinen Sommersitz ausbauen lassen – im Lauf der Jahrhunderte entstanden daraus die Herrenhäuser Gärten in der Form, in der sie auch heute noch zu bewundern sind.

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