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Radfahren Durch die Masch zu den Welfen
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Von Thorsten Fuchs
Klettertour: Der Anstieg zur Marienburg ist etwas mühsam – die rasante Abfahrt macht mehr Spaß. Quelle: Heinrich Thies

An den Anfang dieser Tour gehört eine Warnung. Nach starken Regenfällen oder während der Schneeschmelze lässt die Leineaue genau das mit sich geschehen, was ihrem Wesen entspricht: Sie lässt sich überfluten. Das Wasser steht dann auf den Wegen, zum Teil so hoch, dass jede Passage unmöglich wird. Das weiß man theoretisch, praktisch aber vergisst man es dann doch. Bei unserem ersten Versuch, diese knapp 50 Kilometer lange Strecke vom Maschsee nach Hildesheim zu fahren, hätte uns der Hinweis jedenfalls wertvolle Dienste geleistet …

Die Menschen haben in den vergangenen Jahrhunderten in diese Landschaft stark eingegriffen und die Wälder bis auf kleine Reste gerodet. Dennoch wirkt die Leineaue heute mit ihren Schilfrändern, Knicks, Röhrichten, Senken und Tümpeln wie ein Reservat der Ursprünglichkeit. Am alten Leinesperrwerk, das wir in Döhren passieren, vermittelt der Fluss einen Eindruck von jener Kraft, mit der er durch diese Landschaft fließt und sie geprägt hat. Auf zum Teil sehr schmalen Wegen durchqueren wir Richtung Süden dieses Gebiet, das überwiegend unter Natur- und Landschaftsschutz steht.

Kurz hinter Wülfel, wo wir Wege mit so poetischen Namen wie „Nachtanger“ und „In den Mühlenbreiten“ hinter uns gelassen haben, steigen wir auf einen hölzernen Aussichtsturm, von dem aus man erkennen kann, dass nicht nur der Mensch diese Landschaft schätzt: Zahlreiche seltene Vogelarten haben sie zu ihrem Lebensraum erkoren. Dies ist eine der Touren durch die Region, auf der es sich lohnt, ein Fernglas einzustecken.

Hinter Grasdorf führt der Weg auf den Damm an der Leine entlang Richtung Koldingen. Die Seenlandschaft, die wir hier gemeinsam mit zahlreichen Spaziergängern auf komfortablen Wegen durchqueren, ist ein Produkt menschlicher Gestaltung: Bis zum Jahr 2002 wurde hier über viele Jahrzehnte Kies abgebaut. Heute sind die Koldinger Seen nach dem Steinhuder Meer das zweitwichtigste Vogelrastgebiet der Region, und wer hier mit etwas Muße entlangradelt, hat zudem die Chance, 21 als gefährdet geltende Pflanzenarten zu entdecken. In Ruthe verlassen wir diesen eindrucksvollen Naturraum und fahren nun an Landesstraßen entlang weiter Richtung Süden, passieren aber zuvor noch das Lehr- und Forschungsgut der Tierärztlichen Hochschule Hannover, auf dem seit 1964 mehr als 10 000 angehende Tierärzte den praktischen Teil ihrer Veterinärsausbildung absolviert haben.

Hinter Jeinsen kann man dann schon von Weitem jene beiden Bauwerke erkennen, die in großem Kontrast zueinander aus diesem südlichen Teil der Region herausragen: die Zuckerfabrik in Nordstemmen mit ihren Schornsteinen und die auf einer Anhöhe gelegene Marienburg. Das neogotische Schloss aus dem 19. Jahrhundert haben die Welfen spätestens mit der spektakulären Auktion im Herbst 2005 zu einer internationalen Touristenattraktion gemacht. Radfahrer, die diesen märchenhaft anmutenden Bau mit der aufwendigen Innenausstattung besichtigen möchten, sollten den mühsamen Anstieg nicht scheuen.

Der weitere Weg über Heyersum, Emmerke und Himmelsthür verläuft parallel, aber in ausreichendem Abstand zur Bundesstraße durch ruhige Wohngebiete. Diese letzte Etappe birgt nichts Spektakuläres, lohnt sich aber wegen der zahlreichen Sehenswürdigkeiten im nahen Hildesheim.Sehenswert ist Hildesheim immer. Doch schon auf dem Weg dorthin durch die Leinemasch können Radfahrer seltene Vogel- und Pflanzenarten entdecken.

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Profil: Die Strecke erfordert wegen ihrer Länge von knapp 50 Kilometern etwas Ausdauer von den Radfahrern. Zudem gibt es vor allem hinter Ruthe sowie zwischen der Marienburg und Hildesheim einige leichte, aber längere Steigungen.

Drei Stunden in… - Hildesheim

Hildesheim ist Bischofssitz mit großer Tradition, und das macht sich in der Stadt glücklicherweise deutlich bemerkbar. Den Weg zum Dom und zu St. Michael sollten selbst müde Radler noch auf sich nehmen, zumal beide Kirchen nah beieinander in der Innenstadt liegen.

Thorsten Fuchs
Hannoversche Fahrradwege - Der rote Faden ist blau

"Aussagekräftige Markierungen wie die blaue Farbe, die wie ein roter Faden durch den Grüngürtel führt, können im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit den Erinnerungswert steigern."

Bernd Haase