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Von Heinrich Thies
Fürst Alexander zu Schaumburg-Lippe auf dem Schlossbalkon – von dort blickt man auf den Garten, wo „Landpartie“ und „Weihnachtszauber“ jährlich mehr als 60 000 Besucher locken.
Fürst Alexander zu Schaumburg-Lippe auf dem Schlossbalkon – von dort blickt man auf den Garten, wo „Landpartie“ und „Weihnachtszauber“ jährlich mehr als 60 000 Besucher locken. Quelle: Rainer Dröse
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Seine Mitarbeiter sprechen ihn als „Durchlaucht“ an, im Schaumburger Land ist er als „Fürst“ bekannt. Mag der Adel in Deutschland 1918 seine Sonderstellung auch verloren haben, Fürst Alexander zu Schaumburg-Lippe genießt allerhöchsten Respekt – besonders in Bückeburg und Umgebung. Und das hat nicht nur damit zu tun, dass der Schlossherr auf eine hochherrschaftliche Ahnengalerie zurückblickt. Respekt und Autorität erwirbt sich der Fürst vor allem dadurch, dass er sein Schloss erhält und Touristen anlockt. Die fürstliche Familie nutzt einen Seitenflügel des Schlosses zwar immer noch als Privatwohnsitz; der größte Teil der Schlossanlage aber steht der Öffentlichkeit zur Verfügung.

Auch der Schlossherr selbst scheut die Öffentlichkeit nicht. Seine Ehe mit „Lilly“, der schönen Prinzessin aus dem Hause Sayn-Wittgenstein, lieferte reichlich Stoff für die Regenbogenpresse – ebenso die Scheidung im Februar 2002. Seit Juni 2007 ist der Fürst mit der Juristin Nadja Anna Zsoeks verheiratet.

Als Chef der Fürstlichen Hofkammer kümmert sich Alexander „nebenbei“ um das Vermögen des Hauses Schaumburg-Lippe, zu dem 3700 Hektar Wald und 550 Hektar Nutzfläche gehören. Darüber hinaus besitzt die Familie 7000 Hektar Bergwald in Österreich und etliche Immobilien. Und der Schlossherr beschränkt sich nicht darauf, die Besitztümer seiner Vorfahren zu verwalten, sondern müht sich, mit Ideen und der weiteren Öffnung seines Anwesens zusätzliche Einnahmequellen zu erschließen. Er eröffnete das „Park-Café“ und kreierte „Landpartie“ und „Weihnachtszauber“ – Events, die nach Angaben des Fürstenhauses alljährlich mehr als 60 000 Besucher anziehen. Seit 2004 präsentiert sich wieder die Bückeburger Hofreitschule, die im 18. Jahrhundert eines der bedeutendsten Reitkunstzentren Europas war.

Eigentlich wollte er Journalist werden. Zum Erbprinzen avancierte Fürst Alexander erst, als sein älterer Bruder Georg-Wilhelm 1983 bei einem Motorradunfall ums Leben kam. Nach dem Tod seines Vaters im Jahre 2003 übernahm der musikalisch begabte Jurist den Chefposten im Hause Schaumburg-Lippe – und setzt eine Tradition fort, die sich gut 900 Jahre zurückverfolgen lässt.

Als Erbauer der Wasserburg Bückeburg trat Graf Adolf VI. von Schaumburg und Holstein bereits Anfang des 14. Jahrhunderts in Erscheinung. Nachfahr Fürst Ernst baute das Schloss 300 Jahre später zu einer prächtigen Residenz aus – mit architektonischen Glanzpunkten wie der Kapelle, dem Goldenen Saal und sündhaft teuren Importmöbeln aus Italien. An Geld fehlte es nicht: Der Obernkirchener Sandstein, mit dem Kirchen und Paläste in ganz Europa gebaut wurden, bescherte der Dynastie volle Kassen. Der Familienzweig starb aus mit Otto V. – während des Dreißigjährigen Krieges hatte der noch junge und kinderlose Graf aus dem Schaumburger Land im Jahre 1640 an einer Versammlung der evangelischen Kriegsparteien teilgenommen, bei der alle Teilnehmer vergiftet wurden.

Nach der Aufteilung des Erbes entstand 1647 die Grafschaft Schaumburg-Lippe. So mancher Schlossherr lebte fortan über seine Verhältnisse, der höfische Prunk ruinierte die Staatsfinanzen. Erst Graf Wilhelm gelang es nach seinem Regierungsantritt 1748, das fast bankrotte Haus zu sanieren. Auch sonst setzte Wilhelm Akzente – auf unterschiedlichen Gebieten: Er fand Gefallen an den Idealen der Aufklärung und freundete sich mit Voltaire an, betätigte sich aber gleichzeitig auch als Heerführer und legte im Steinhuder Meer die Inselfestung Wilhelmstein an.

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts setzte Fürst Georg-Wilhelm das Werk seines Großonkels fort, indem er Schaumburg-Lippe durch kluges Wirtschaften zu einem der reichsten Fürstenhäuser Deutschlands machte. Doch am 16. November 1918 ging auch in Bückeburg die Monarchie zu Ende. Fürst Adolf dankte als einer der letzten regierenden Fürsten Deutschlands ab und zog an den Starnberger See, ein Teil der Landgüter und Betriebe wurde enteignet. Die Familie durfte das Schloss behalten, musste es aber zum Museum machen.

Während der Zeit des Nationalsozialismus sah es vorübergehend so aus, als würde ein Bruder des abgedankten Fürsten Adolf den verlorenen Thron auf ungeahnte Weise wiedererlangen. Prinz Friedrich Christian zu Schaumburg-Lippe, seit 1929 Mitglied der NSDAP, wurde 1939 von prodeutschen Isländern gefragt, ob er nicht König von Island werden wolle. Der Bückeburger nahm die Anfrage so ernst, dass er sie an Goebbels weiterleitete. Letztlich soll die Thronbesteigung am Widerstand von Reichsaußenminister Joachim von Ribbentropp gescheitert sein.

Von 1945 bis 1952 war Schloss Bückeburg Hauptquartier der Royal Air Force. 1958 dann kehrte die fürstliche Familie nach 40 Jahren zurück, und Philipp Ernst, der Vater des amtierenden Fürsten, sanierte die Wirtschaftsbetriebe und verwandelte die Fürstliche Hofkammer in ein modernes Unternehmen.

Wie es weitergeht, steht in den Sternen. Der gegenwärtige Erbprinz Heinrich Donatus lebt bei seiner Mutter und seinem Stiefvater in Italien. Als sein Vater im Juli 2007 ein zweites Mal heiratete, rührte der 13-Jährige die Festgesellschaft in der Bückeburger Kirche, indem er vor dem Altar den Wunsch äußerte: „Herr, ich bitte dich, dass dieses Ehepaar lange zusammenlebt und glückliche Zeiten erlebt.“

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