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Braunschweiger Land Wo mehr als tausend Rosen blühen
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08:00 27.07.2007
Blühendes Paradies mitten in Salzgitter-Bad: der Rosengarten vor dem Garßenhof. Quelle: Bernd Althammer
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Aber damit tut man der über 100 000 Einwohner zählenden Stadt mit ihren 31 Ortsteilen gründlich Unrecht. Sicher: Wo es mehr als 50 000 Arbeitsplätze gibt, sorgen Produktionsstätten für eine wenig sehenswerte Kulisse. Aber es gibt eben auch ein ländliches Salzgitter mit wogenden Getreidefeldern und viel Wald – und einer Heilquelle mit langer Tradition.

Also geht es nach Salzgitter-Bad. Am Bahnhof orientiert man sich zum Klesmerplatz und findet auf dem Weg durch Marktstraße und Bismarckstraße ein auf dem Kopf stehendes „T“ als Markierung. Das ist der Fernwanderweg, der aus dem Calenberger Land zum Harz führt. Es geht allmählich bergauf; die Bebauung bleibt zurück. Vor einem großen Parkplatz wird die Fernroute verlassen, die Friedrich-Ebert-Straße überquert und in den „Mahner Berg“ eingebogen. Vor der Golfplatzzufahrt geht es dann nach rechts weg. Manchmal verraten Laternenpfähle noch den Hinweis auf den Rundwanderweg 7, der nun bis zum Hausmannsturm bei Liebenburg bringen soll. Das ist nur manchmal ein wenig kniffelig. Deshalb könnte das bei der Touristinformation erhältliche Blatt „Wanderbares Salzgitter“, das gegen eine kleine Gebühr erhältlich ist, eine gute Hilfe sein (Windmühlenbergstraße 20, 38259 Salzgitter, Telefon (0 53 41) 9 00 99 40, www.tourismus-salzgitter.de).

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Bevor nach einer Weile der Weg nach rechts weiter hinaus auf das Golfgelände führt, muss nach links in den Wald abgebogen und der Markierung “7“ oder „Liebenburg“ gefolgt werden. An einem Abzweig muss man aufpassen: Die Markierung nach links ist halb verdeckt. Nach weiteren 200 Metern beginnt nach links ein Pfad mit gleichen Hinweisen. Dieser wird zwar immer schmaler und ist manchmal etwas verkrautet. Aber er führt allmählich bis zu den ersten Häusern von Liebenburg. Schon vom Mahner Berg aus war die Sicht einmalig; nun zeigt sich noch einmal die ganze prächtige Vorharzlandschaft. Gleich hinter Liebenburg ist eine alte Bockwindmühle erkennbar.

Jetzt sind es nur noch ein paar Schritte hinauf zum Hausmannsturm. Dieser und zwei weitere steinerne Stümpfe im Ort sind die letzten der einst größten Burg des Harzvorlands. Sieben Türme zählte sie bis zu ihrer Zerstörung im 18. Jahrhundert. An ihrer Stelle entstand das heute im Privatbesitz befindliche Schloss. Dass man den Hausmannsturm besteigen kann und so zum Beispiel dem hohen Brocken schon ganz schön nahe kommt, ist einem rührigen Verein zu verdanken.

Der Pfad setzt sich abwärts durch den Wald fort, überquert einen Weg und mündet in eine Kreuzung. Dort empfiehlt sich nach rechts auf einem Schotterweg das schon bekannte umgedrehte „T“ für die Rücktour. Unterwegs fallen ein Gedenkstein für den untergegangenen Ort Veppstedt, Kunstwerke entlang des Golfgeländes sowie eine Hinweistafel zu Fundamenten eines ehemaligen Zwangsarbeiterlagers auf. Bei der Ankunft in der Stadtmitte sind rund zwölf Kilometer zurückgelegt.

Nun ist noch Zeit, sich hier ein wenig umzuschauen. Ein beim Tourismusverband erhältlicher „Altstadtrundgang“ macht richtig neugierig. Darin erfährt man etwas über das Fachwerkensemble aus Garßenhof, Kniestedter Gutshaus und Tilly-Haus. Aber vielleicht guckt man ja gar nicht auf die schön restaurierten Fassaden, weil ein prächtiger Rosengarten mit wohl tausend verschiedenen Pflanzen alle Blicke auf sich zieht. „Ein Kleinod“, nennen es die Leute vom Verkehrsamt. Aber es ist wohl schon mehr ein blühendes Paradies. Der Blütenduft lockt zu einer Rast. Dabei gibt es in den Nachbarstraßen noch viel mehr zu sehen; zum Beispiel die 500 Jahre alte Wohnsiedlung „Vorsalz“ für die ehemaligen Salinenarbeiter oder die Mariae-Jacobi-Kirche mit 37 Schießscharten und einem mächtigen Wehrturm. Ganz besonders reizvoll ist der Verlauf der mit Skulpturen zur örtlichen Geschichte versehenen „Kunst-Straße“: Da sind die als „Klesmer“ bezeichneten Wandermusikanten zu entdecken und ein etwas fülliger Akkordeonspieler, Salzsieder und zwei miteinander diskutierende Spaziergänger. Das wohl imposanteste Denkmal aber wurde im Bohlweg dem „Onkel Stoot“ gesetzt. Reich ist der 1944 verstorbene Mann nie gewesen. Aber er war ein Freund der Kinder, brachte ihnen das Fotografieren und das Präparieren von Käfern und Schmetterlingen bei und baute die Reste eines alten Kalibergwerks zu einem einst beliebten Märchenpark um. Heute existieren davon nur noch Bilder. Aber „Onkel Stoot“ lebt weiter im Bewusstsein der Menschen – dank der kleinen Statue mitten auf dem Bürgersteig.

von Bernd Althammer

öffentliche Verkehrsmittel

mit der Bahn über Braunschweig oder Salzgitter-Ringelheim nach Salzgitter-Bad

mit dem Auto

über die A7 bis Abfahrt Derneburg/Salzgitter und weiter über die Bundesstraße 6, Parkmöglichkeiten am Bahnhof oder auch am Ende der Friedrich-Ebert-Straße (der Beschilderung zum Golfplatz folgen)