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Harz Jérôme kehrte beim Grabensteiger ein
Reisereporter Ausflüge Harz Jérôme kehrte beim Grabensteiger ein
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08:00 08.02.2008
Auch Mountainbiker nutzen gern das Wegenetz am Oderteich.
Auch Mountainbiker nutzen gern das Wegenetz am Oderteich. Quelle: Bernd Althammer
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Vor fast 300 Jahren war das künstliche Gewässer die größte deutsche Talsperre. Natürlich ist sie von Bergleuten angelegt worden, weil das Wasser unter- und überirdisch als Antrieb genutzt wurde. Noch heute fließt es kräftig durch den Rehberger Graben auf St. Andreasberg zu.

Der Oderteich ist Ausgangspunkt vieler Wandertouren, die auch an schneefreien Wintertagen ihren Reiz haben. In gut einer Stunde lässt er sich umrunden. Wer mehr Zeit mitbringt, kann auf gut zwölf Kilometern Spuren bergmännischen Geschicks entdecken. Am besten, man hat das amtliche Blatt „Wandern im Harz“ im Gepäck, das die Landesvermessungsstellen von Niedersachsen und Sachsen-Anhalt herausgegeben haben (erhältlich im Buchhandel).

Vom Parkplatz Oderteich muss man zunächst einen kleinen Abstecher zum Staudamm machen. Aus dem gelegentlichen Morgennebel ragt der hohe Sendemast vom Torfhaus hervor. Und bald klärt sich auch die Bedeutung der zehn Granitobelisken, die vor dem Überlauf aufgereiht sind. Sie dienen als „Eisbrecher“, damit dezimeterdicke Schollen im Winter nicht den Abfluss verstopfen oder gar beschädigen.
Zurück zum großen Wegweiser: Die Bezeichnungen “15 D/16 E“ als Etappe auf dem Harz/Eichsfeld/Thüringen-Fernwanderweg sind erster Anhaltspunkt. An einem Abzweig ist nach rechts der Rudolf-Meyer-Weg (16 E) zu wählen. Dieser führt anfangs recht beschwerlich aufwärts und am merkwürdigen Skikreuz vorbei. Dessen Buchstaben kennzeichnen die geographischen Bezeichnungen Oderteich, Rehberg, Sonnenberg und Andreasberg. Der Weg führt allmählich abwärts, nahe am Internat Haus Sonnenberg vorbei, und verlangt auf einer Kreuzung eine Entscheidung: Auf dem 16 E könnte man an der Jordanshöhe vorbei St. Andreasberg erreichen und vielleicht eines der dortigen Bergwerke besichtigen. Aber das würde die Tour um wenigstens zehn Kilometer verlängern. Es könnte jedoch auch eine Alternative für Leute sein, die mit Bahn und Bus gekommen sind.

Wem dieser Abstecher nicht gelegen ist, der wendet sich nach links und erreicht nach hundert Metern das schon 1772 errichtete „Rehberger Grabenhaus“. In der ehemaligen Heimstatt des jeweiligen Grabensteigers ist nicht erst heutzutage eine gemütliche Einkehr (Montag Ruhetag) zu finden: Bereits 1811 ist hier Napoleons Bruder, König Jérôme, abgestiegen. Eigens für den berühmten Mann wurde damals ein Festsaal gebaut.

Auf dem Grabenweg geht es nun weiter voran. Die Strecke ist gut befestigt, weil der vom Oderteich kommende Wasserlauf weiter kontrolliert werden muss: Denn Pflanzen, Äste oder gar Stämme könnten ihn verstopfen oder die natürlichen Zuflüsse nach Schneeschmelze oder schweren Regenfällen Geröll und Steine mit sich führen. Früher hat der „Grabensteiger“ das ungehinderte Strömen des Wassers bei Tag und Nacht beobachten müssen.

Um 1700 ist der künstliche Lauf angelegt worden. Anfangs bestand er aus Holzrinnen. Doch diese „Gefluder“ erwiesen sich als anfällig, weil sie schnell vergammelten. Deshalb hauten die Bergleute einen neuen Kanal aus dem Felsen heraus. Das muss eine gewaltige Arbeit für mehr als eine Generation gewesen sein. Streckenweise ist die Rinne immer noch mit schweren Granitplatten abgedeckt. Das sollte das Einfrieren des Wassers und damit Zwangspausen im Bergwerksbetrieb verhindern. Manchmal haben die Erbauer auch „Drecksümpfe“ angelegt. So nannten sie Becken und Sperreinrichtungen, mit denen sie Treibgut auffingen.

Auf der letzten Etappe des Ausflugs gilt ein Blick der kleinen Oder, die tief unten im Tal über große Granitblöcke plätschert. Dieses Wasser leistet anderswo dem Menschen große Dienste: Es mündet nämlich in den heutigen modernen Stausee bei Bad Lauterberg, treibt ein Kraftwerk an und verschafft im Sommer Seglern und Anglern viel Vergnügen.

von Bernd Althammer

mit öffentliche Verkehrsmittel

Mit der Bahn in etwa zweieinhalb Stunden bis Bad Harzburg, weiter mit den Buslinien 820 und 850 bis zur Haltestelle Oderteich. Die Rückfahrt von Oderteich oder direkt aus St. Andreasberg dauert jedoch länger und ist – zumindest an Wochenenden – nur mit mehrmaligem Umsteigen möglich.

mit dem Auto

Über die A 7 und weiter auf B 6, B 4 und B 242 über Bad Harzburg und Torfhaus.