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Harz Nach der Tour ins Kalziumwasser
Reisereporter Ausflüge Harz Nach der Tour ins Kalziumwasser
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08:00 07.03.2008
Einblick in die Erdgeschichte: An der Teufelsmauer bei Weddersleben. Quelle: Bernd Althammer
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Hier sprudelt Heilwasser aus einer Quelle mit Kalzium, Natrium, Fluorid und Sulfat und hilft bei den vielen Leiden. Neben Trinkkuren plätschert das auf 32 Grad gewärmte Nass in einem modernen Kurzentrum, das sich ans historische Badehaus anschließt. Dort könnte nachmittags der vielleicht aufgekommene Muskelkater bekämpft werden, wenn man zunächst über Stock und Stein die Landschaft ringsum erkundet hat.

Hilfreich ist dabei das von den Landesvermessungsämtern herausgegebene Doppelblatt „Wandern im Harz“ (im Buchhandel erhältlich). So wird die etwa zehn Kilometer lange Tour zu drei Burgen und einigen historischen Besonderheiten zum Vergnügen. Los geht es am Kurzentrum des kleinen Ostharz-Kurorts. Das X-Zeichen des Fernwanderwegs E 11 führt zunächst in die kleine Tempelstraße und weiter durch die Grünstraße. Dann geht es immer nur geradeaus bis nach Stecklenberg hinein. Am Ende der winzigen Parkanlage muss links in die Hauptstraße abgebogen werden. Gleich hinter der Kirche geht es steil aufwärts zur Stecklenburg. Das ist zwar nur noch eine malerische Ruine, aber am Spielplatz steht ein großes Modell. Eltern können sich beim Betrachten Zeit lassen. Denn quirlige Kinder dürften mindestens zweimal den steilen Hang hinaufklettern, weil zwei lange Rutschbahnen eine rasante Abfahrt versprechen. Zu guter Letzt müssen alle den Anstieg schaffen, zumal oben die hölzerne Plattform unter einer Eiche einen weiten Ausblick bietet – auch auf die Teufelsmauer, die man noch am Nachmittag besuchen könnte.

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Nun aber gilt alle Aufmerksamkeit der schon im Mittelalter erwähnten und im Dreißigjährigen Krieg als „wehrhaft“ bezeichneten Burg. Später hat sie ein trauriges Schicksal als Steinbruch erlitten, bis sich schließlich ein Forstmeister um 1850 für staatlichen Schutz einsetzte. Nur ein paar Fußminuten weiter locken mit der Großen und der Kleinen Lauenburg gleich zwei weitere historische Befestigungen. Vorher aber sollte man noch einen Abstecher zur Kalziumquelle unternehmen, die den Stecklenbergern vielleicht auch Kurortcharakter hätte einbringen können. Doch dazu ist es nie gekommen.

Zwischen den beiden Lauenburgen befindet sich vor einem Wohnheim ein Rastplatz mit einer weiteren reizvollen Aussicht ins Tal. Nun geht es weiter auf Weg 45 C mit Hinweis auf die Viktorshöhe. An einer Kreuzung muss man gut aufpassen: Da zweigt die Route nach links ab. Später wird vorsichtig eine Landstraße überquert und wenige Meter weiter nach links in Richtung „Bad Suderode“ abgebogen. Man folgt dabei überwiegend dem Bachlauf. „Kaltes Tal“ nennen die Einheimischen dieses Gebiet, weil oft der Wind empfindlich von den Höhen des Harzes pfeift. Früher stießen hier die Grenzen des herzoglichen Anhalt und des königlichen Preußen aneinander. Eine Felsenkanzel heißt deshalb auch Anhaltischer Salstein. Von dort hat man einen schönen Blick auf das ehemals preußische Gegenüber.

Unten im Tal verlangt die schon 1546 erwähnte Lessinghöhle Aufmerksamkeit. Flussspat, Kupfer- und Arsenkies sowie Bleiglanz wurde hier gefördert, bis die Anlage später als Wasserwerk dienen konnte. 1909 brach der Berg ein. Doch selbst heute hat die Höhle noch einen Nutzen – als Fledermausquartier. Jetzt ist es nicht mehr weit durch den Kurpark bis zum Ziel. Das Bad ist montags bis donnerstags ab 14 Uhr und freitags bis sonntags ab 10 Uhr geöffnet. Auch eine Einkehrmöglichkeit gibt es.

Wer mit dem Auto kommt, sollte sich später noch Zeit für die Teufelsmauer bei Weddersleben nehmen. Dazu biegt man in Neinstedt rechts ab und erreicht nach wenigen hundert Metern einen Wanderparkplatz. In halbstündigem Rundgang lassen sich die steilen Felsen betrachten. Es sind verkieselte Sedimentschichten, durch Erosion freigelegt. Das Werk der Natur haben die Menschen dem Teufel zugeschrieben. Hartnäckig halten sich Sagen, Satan habe sein Reich in einer einzigen Nacht von einer hohen Mauer umgeben wollen. Weil aber am frühen Morgen ein Hahn krähte, habe er das Werk nicht beenden können und wütend den Schlussstein auf das vorhandene Gemäuer geknallt. Deshalb seien nur Bruchstücke stehen geblieben.

von Bernd Althammer

öffentliche Verkehrsmittel

mit der Bahn in ca. drei Stunden über Halberstadt bis Quedlinburg, weiter mit Bus-Linie 31 oder mit der Selketalbahn bis Suderode-Bahnhof, von dort 15 Minuten Fußweg zum Kurzentrum

mit dem Auto

über A 2 und A 395 sowie B 6, weiter über Thale und Neinstedt, Parkplätze im Ort oder am Kurzentrum im Parkhaus