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Lüneburger Heide Zu Fuß durch den Wasserbottich einer alten Salzstadt
Reisereporter Ausflüge Lüneburger Heide Zu Fuß durch den Wasserbottich einer alten Salzstadt
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08:00 13.02.2006
Ein imposanter Blick auf Lüneburgs Altstadt bietet sich vom Wasserturm aus. Quelle: Bernd Althammer
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Die Sage berichtet von einer erlegten Wildsau, deren Borsten mit weißen Körnchen bedeckt waren, die das Tier beim Suhlen in einem Tümpel aufgenommen hatte. So soll eine ergiebige Solequelle entdeckt worden sein, die bis vor gut zwei Jahrzehnten intensiv ausgebeutet werden konnte. Besucher sehen im Rathaus einen Knochen, der doch tatsächlich von jenem sagenhaften Schwein stammen soll.

Wer sich nichts aus solchen kuriosen Geschichten macht, kann sich dennoch in Lüneburg auf die Spuren des Salzes begeben. Denn der Bodenschatz hat unübersehbare Spuren hinterlassen. Frühere Bürger leisteten sich aufwendige Ziergiebel an ihren Häusern. Die interessanten Fassaden, die die Dichterin Ricarda Huch einmal „Träumereien in Backstein“ genannt hat, reihen sich beinahe lückenlos entlang kleiner gepflasterter Straßen und machen den Bummel zu einem reizvollen Erlebnis. Zu Hilfe kommen dabei rote Stelen, die an markanten Punkten den Weg weisen. Noch besser als Begleitung geeignet ist eine Broschüre der Tourist-Information, die montags bis freitags von 9 bis 18 Uhr (im Winter aber nur sonnabends von 9 bis 14 Uhr) geöffnet hat. Man kann sie auch unter der Rufnummer (0 41 31) 2 07 66 20 anfordern. Ein darin abgedruckter Stadtplan hilft beim Gang vom Bahnhof zu den Sehenswürdigkeiten oder bei der Parkplatzauswahl.

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Vielleicht lässt man das Auto direkt an der ehemaligen Saline stehen und spaziert durch Salzstraße und Neue Sülze oder durch die mitunter ein wenig verwirrenden Altstadtgässchen erst einmal bis zum Rathaus. Dann ist unterwegs schon das kuriose „Schwangere Haus“ in der Waagestraße zu sehen.

Das mächtige Rathaus verdient nicht nur von außen einen Blick, weil es als einer der schönsten mittelalterlichen Bauten dieser Art in Deutschland gilt. Danach sollte es zum Alten Kran am Stintmarkt gehen, weil dort einst die städtischen Produkte auf Schiffe geladen wurden. In unmittelbarer Nachbarschaft priesen Händler, wie der Name verrät, ihren Fisch an. Heute breitet sich hier die örtliche Kneipenszene aus.

Dass der Turm der sehenswerten St.-Nicolai-Kirche nur nach Vereinbarung bestiegen werden kann, ist keine Tragödie. Eine Alternative bietet der ehemalige Wasserturm nahe der alten Ratswasserkunst, die früher mit einem komplizierten Rohr- und Pumpensystem die Saline mit Frischwasser versorgte. Von der Plattform bietet sich ein herrlicher Blick auf die Altstadt und die Umgebung. Mit dem Fahrstuhl geht es sechs Stockwerke hinauf. Den Abstieg durch den Wasserbottich, der seit einigen Jahren ausgedient hat und im Original erhalten blieb, sollte sich niemand entgehen lassen.

Ein weiterer architektonischer Höhepunkt ist der Platz Am Sande mit dem ehemaligen Brauhaus, heute Sitz der Industrie- und Handelskammer. Ganz in der Nähe, in der Heiligengeiststraße, kann das einzige norddeutsche Brauereimuseum besichtigt werden. Wer sich lieber mit Ostpreußens Kultur und Geschichte vertraut machen will, schaut in der Ritterstraße vorbei. Lüneburgs Geschichte ist in einem speziellen Museum in der Wandrahmstraße in der Nähe des Wasserturms zu finden.

In der ehemaligen Saline wurde vor wenigen Jahren ein Salzmuseum eröffnet. Das Industriedenkmal, das durch einen ausgedienten Güterwaggon betreten wird, lässt die Besucher im wahrsten Wortsinn sehen, riechen, fühlen und schmecken. Man erfährt etwas über Zuckenschläger, Sodeskumpane und Soletreter, sieht Siedepfanne und Trocknungseinrichtungen. Besonders originell ist eine Sammlung von Salz- und Gewürzstreuern. Das Museum ist täglich geöffnet. Wer Wasserturm und Museum besuchen will, sollte beim Eintritt nach der preisgünstigen Kombikarte fragen, die es für Einzelbesucher und Familien gibt.

von Bernd Althammer

öffentliche Verkehrsmittel

Mit der Bahn bis Lüneburg; der Fußweg in die Altstadt dauert eine knappe Viertelstunde.

mit dem Auto

Über die A 7 (Abfahrt Soltau-Ost) und B 209 nach Lüneburg. Auf dem Stadtring in westlicher Richtung der Beschilderung „Parkplatz Saline“ oder „Deutsches Salzmuseum“ folgen.