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Mittelweser Pferde drehen das Mahlwerk
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08:00 07.05.2009
Schafe auf dem Museumshof Rahden
Schafe auf dem Museumshof Rahden Quelle: Bernd Althammer
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Nicht nur kleine Besucher des Museumshofs Rahden bleiben an der Weide stehen und schauen den Tieren zu, obwohl auf dem Gelände Fachwerkhäuser zur Besichtigung locken. Doch dafür bleibt später noch genug Zeit.

Die jahrhundertealten Gebäude am Rande der kleinen Stadt im ostwestfälischen Kreis Minden-Lübbecke stehen erst seit 1966 an dieser Stelle. Sie wurden „transloziert“, abgetragen an ihrem ursprünglichen Platz und – sorgfältig saniert – wiederaufgebaut am neuen Ort. Rund um das 320 Jahre alte Haupthaus in Zweiständerkonstruktion gruppieren sich Speicher und Backhaus, Scheune, Schafstall, Wagenremise, Bleichhütte, Trockenhaus und Heuerlingshaus. Alle Gebäude sind alters- und verwendungsgerecht mit Inventar versehen. So können sich alle Besitzer moderner Küchen einmal anschauen, welche Geräte früher zum Backen und Kochen benötigt wurden. Und wer bislang nur großrädrige Trecker oder modernste Mähdrescher gesehen hat, erahnt bei Egge und Pflug, Sichel und Dreschflegel, wie mühsam früher die Arbeit in der Landwirtschaft gewesen ist.

Nun gleicht der Rahdener Hof bis dahin ähnlichen Freilichtmuseen in der Region. Das Besondere hingegen ist die Bokemühle. Das kleine quadratische Gebäude fällt durch einen aus der Dachspitze ragenden gebogenen Schwengel auf, an dessen Ende eine Haltevorrichtung angebracht ist. Es handelt sich um einen Pferdegöpel: Die Tiere wurden angespannt und unablässig um das Gebäude getrieben. Auf diese Weise drehte sich ein Mahlwerk, das Korn zu Schrot und Mehl verarbeitete.

Über 40 verschiedene Wind- und Wassermühlen gibt es im Raum Minden/Lübbecke, der sich stolz „Mühlenkreis“ nennt. Ganze zwei davon aber sind einst nicht von den Elementen Luft oder Wasser bewegt worden, sondern von Muskelkraft: Im südlich des Wiehengebirges gelegenen Dorfes Oberbauerschaft liefen Pferde in einer Scheune stets im Kreis. Und in Rahden befindet sich eben das Beispiel für eine Rossmühle, bei der die Tiere im Freien den Antrieb bildeten.

Das kann man am besten am Sonntag, 17. Mai, nachvollziehen: Dann nämlich ist ab 13 Uhr zu jeder vollen Stunde die Mühle wie in alten Zeiten in Betrieb: Zwei Rösser drehen den Schwengel wie eine überdimensionale Kaffeemühle um das Fachwerkhaus. Natürlich wird das Mehl in einem historischen Steinbackofen alsbald zu Brot und Kuchen.

Außerdem ist allerlei altes Handwerk zu sehen: Es kommen Besenbinder und Korbflechter, Mollenhauer und Spinnerinnen, Stuhlflechter und Schmied. Und weil der Tag unter dem Motto „Kieken un metmaken“ steht, dürfen sich Zuschauer hier und da selbst versuchen. Im großen Garten hinter dem Haupthaus liegen schon Berge von Weidenruten bereit. Alle sollen mit anpacken, um einen neuen Zaun zu flechten. Ganz kleine Hände haben es da leichter: Sie lassen aus Binsen Behälter und Wandschmuck entstehen. Wer den genannten Termin verpassen sollte, kann den Betrieb der Rossmühle noch zu anderen Terminen erleben: am Pfingstmontag, 1. Juni, beim Imker- und Waschtag, am Sonntag, 23. August, beim Kreismühlentag, oder am Sonntag, 12. September, beim Erntefest ebenfalls ab 13 Uhr. Besucher, die sich in aller Ruhe ohne die genannten Aktionen informieren wollen, sind bis Oktober täglich außer montags von 9 bis 17 Uhr willkommen.

Nicht verpassen sollte man ein noch älteres Gemäuer in unmittelbarer Nähe. Die Rahdener Burg hat schon im 14. Jahrhundert den Menschen Sicherheit gegeben, bis sie erstürmt, durch List zurückgewonnen, erneut erstürmt und schließlich 1519 niedergebrannt wurde. Zuletzt blieb von der mächtigen Anlage nur das Haupthaus, „Schloss“ genannt, übrig. Doch auch dieses fiel vor 120 Jahren einem Großfeuer zum Opfer. Dessen Außenmauern bilden die heute sichtbare Ruine.

von Bernd Althammer

ffentliche Verkehrsmittel

Mit der Bahn über Minden oder Herford nach Rahden und weiter mit Bus 630.

mit dem Auto

Mit dem Auto über die A 2 (Abfahrt Bad Eilsen-West) und weiter über die Bundesstraßen 65, 482 und 770 nach Rahden. Die Zufahrt zum Museumshof ist ausgeschildert.