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Schaumburger Land Malerischer Ausflug zur Maschmühle bei Rodenberg
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17:25 25.06.2018
Maschmühle bei Rodenberg
Reizvolles Idyll: Die Maschmühle bei Rodenberg Quelle: Althammer
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Die kleine Stadt Rodenberg im Schaumburger Land hat ihren Namen gleich mehrfach ausgeliehen. Die Rodenberger Aue ist nach ihr benannt. Auch die Anhöhe, auf der früher eine Windmühle stand, trägt ihren Namen. Und dann gab es da noch einen Berliner Literaten, der aus Liebe zum Geburtsort seine Veröffentlichungen nicht mit Julius Levy, sondern mit „Julius Rodenberg“ kennzeichnete. Sein Liedtext „Nun bricht aus allen Zweigen“ könnte glatt eine Liebeserklärung ans Deistervorland sein.

Nicht in Versform, dafür mit netten Texten und hübschen Illustrationen hat eine Gruppe von Einwohnern ihrer Heimatstadt in unseren Tagen Reverenz erwiesen. Das 24-Seiten-Heft mit Wegskizzen für einen Bummel zu den innerörtlichen Sehenswürdigkeiten und für einen kleinen Ausflug in den Deister eignet sich bestens für Entdeckertouren auf eigene Faust. Es ist kostenlos erhältlich im Rathaus, Amtsstraße 5, Telefon (0 57 23) 70 50, www.rodenberg.de.

Ein kurzer Rundgang beginnt auf dem Amtsplatz am Kinkeldeybrunnen, der an einen Braumeister erinnert, und führt zunächst zum Heimatmuseum (geöffnet an Wochenenden von 15 bis 17 Uhr) und zu den benachbarten Ausgrabungen des ehemaligen Schlosses. Das Museum verrät viel über Trachten und den Dichter. Draußen weisen Tafeln auf Details der früheren Burganlage hin, die zum Teil europaweit einmalig sind. Von hier ist es nicht weit zur St.-Jacobi-Kirche, deren Südwand schon fast ein Jahrtausend überstanden hat.

Ein längerer Spaziergang, der gut und gerne zwei Stunden dauert, könnte an dem mit Glockenspiel versehenen Ratskeller und der ehemaligen Posthalterei „Zur Krone“ vorbei in die Aueniederung führen. Unterwegs zeigt sich Rodenbergs geradezu weltstädtisches Flair: Ein „Wasserstraßenkreuz“ formt sich aus Mühlen- und Steinaue. Später kommt man auf dem Weg von der malerisch gelegenen Maschmühle hinauf zur Windmühle am „Dreiländerblick“ vorbei, denn von der Sitzbank aus schaut man auf ehemalige Gebiete des Königreichs Hannover, des Großherzogtums Hessen-Kassel und des Fürstentums Schaumburg-Lippe. Die Windmühle offenbart ihre Geheimnisse an jedem ersten Sonntag im Monat ab 15 Uhr. Auf dem Rückweg zur Stadtmitte wird der ehemalige Judenfriedhof passiert. Im Herbst bietet sich ein Abstecher ins Siedlungsgebiet Steinriesen an: Der dortige Lehrpfad wird von den Bäumen von 15 historischen Fruchtsorten gesäumt. Kostproben sind in der Reifezeit inbegriffen.

Ganz in der Nähe befindet sich der „Kleine Brunnen“. Vor fast 450 Jahren sprudelte hier schon Heilwasser. 1804 war der Traum vom Kurort geplatzt: Die Quelle versiegte. Zwar wurde noch ein paar Jahre Solewasser aus dem nahen Soldorf nach Rodenberg gepumpt. Doch der Landesherr setzte längst auf das aufstrebende Nenndorf. Die Rohre wurden nach dort verlegt, um die Leiden der Kurgäste außer durch Schlamm und Schwefel auch auf diese Weise zu lindern. Rodenberg hatte das Nachsehen.

Mit der Bahn bis Haste und weiter mit dem Bus nach Rodenberg (Haltestelle Hotel Stockholm). Von dort in wenigen Minuten durch die Lange Straße zum Amtsplatz. Mit dem Auto über A 2 (Abfahrt Bad Nenndorf) sowie B 65 und B 442 nach Rodenberg. Parkplätze direkt am Amtsplatz.

Bernd Althammer