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Teutoburger Wald Die Störche bleiben auch im Winter
Reisereporter Ausflüge Teutoburger Wald Die Störche bleiben auch im Winter
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08:00 07.11.2008
Störche von Elbrinxen 
Störche von Elbrinxen  Quelle: Bernd Althammer
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Damit meinen sie nicht allein die jetzt in herbstlichem Gold gehaltene Laubwaldkulisse, sondern auch ihre Erfolge im bundesweiten Wettstreit um die schönste ländliche Kommune. Mehrfach haben sie kritische Jurys überzeugen können, weil sie eine Menge Ideen in die Tat umgesetzt haben, die auswärtige Besucher verblüffen. Ein Ausflug in das zwischen Schwalenberger Wald und Ottensteiner Hochebene gelegene Gebiet lohnt.

Ausdauernde Wanderer finden markierte Routen, die sie bis hinüber ins schmucke Schwalenberg (hin und zurück 15 Kilometer) oder ins beschauliche Falkenhagen zum dortigen früheren Kloster (20 Kilometer) bringen. Wer nur die unmittelbare Umgebung kennen lernen möchte, ist in Elbrinxen ebenfalls gut aufgehoben. Wo sonst kann man auf gerade mal zweieinhalb Kilometern Schweinedenkmal und Storchenstation, eine 900 Jahre alte Kirche und eine über tausend Jahre alte Linde finden? Ein Umweg von weiteren drei Kilometern macht bekannt mit 58 Vogelarten. Wenn die nicht gerade selbst in den Zweigen zwitschern, verraten wenigstens Schilder etwas von Lebensweise und Aussehen.

Die Tourist-Information in 32676 Lügde, Am Markt 1, Telefon (052 81) 77 08 70, www.luegde.de, und das Elbrinxer Hotel Lutter, Obere Dorfstraße 28, Telefon (052 83) 695, halten ein Faltblatt bereit, mit dem sich herrlich die nahe Gegend erkunden lässt. Für Fernwanderer empfiehlt sich indes die im Handel erhältliche Wanderkarte Bad Pyrmont und Umgebung (Publicpress-Verlag).

Der Ortsspaziergang beginnt am besten auf dem ausgeschilderten Wanderparkplatz „Pappmühle“ am östlichen Ortseingang. Dort nämlich fängt der fünf Kilometer lange Vogellehrpfad an, der einmal um das gesamte nördliche Dorf herumführt und in Teilen mit dem nur halb so langen Dorfspaziergang identisch ist. In jedem Fall gelangt man gleich zur Storchenstation. Seit vielen Jahren kümmert sich ein Verein liebevoll um Meister Adebar. Allein in diesem Sommer (2008) wurden 25 Jungtiere registriert. Inzwischen gibt es etliche internationale Kontakte: Elbrinxer Störche leben sogar in einem spanischen Zoo.

Das ganze Jahr über bleiben die Flugkünstler mittlerweile in der Storchenstation. Sie müssen nicht mehr die weite Reise in den Süden antreten, weil sie hier genug Nahrung finden oder artgerechtes Futter bekommen. Und so lassen sich die Vögel auch im Winter beobachten, wenn sie von ihrem Nest in luftiger Höhe zum Rundflug starten oder keck auf der örtlichen Feuersirene landen. Durch den Rosensiek führt der Vogellehrpfad weiter zum Waldrand. Wer diesen nicht in ganzer Länge erleben möchte, zweigt am Postweg ab und steht dafür bald staunend vor einem tausend Jahre alten Baum: Die Wittekind-Linde auf dem Friedhof wird mit einer Höhe von 21 Metern und einem Stammumfang von etwa zehn Metern bereits im Guinness-Buch der Rekorde erwähnt.

Eine ähnliche Notiz verdient die benachbarte romanische Kirche, die täglich ab 10 Uhr bis mindestens 16 Uhr geöffnet ist (Gottesdienst an Sonntagen um 10 Uhr). Als wertvoll gilt die Kanzel von 1562 mit Schnitzkunst und alten volkstümlichen Sprüchen. Im Gotteshaus soll vor fast 220 Jahren heimlich eine Ehe geschlossen worden sein – zwischen dem späteren englischen König William IV. und einer preußischen Generalstochter. Aber das weiß man nicht mehr so genau.

Die Elbrinxer Realität wird besonders schön im alten Ortskern deutlich. Dazu folgt man einfach weiter dem Postweg, biegt in den Kohlgarten ab und sucht sich jenseits der Oberen Dorfstraße den Zugang zur Straße Am Mühlengraben. Dort sprudelt eine Wasserkaskade. Noch schöner freilich ist ein schmaler Pfad, der hinter den Häusern entlangführt. Kleine Brückchen öffnen hier und da neue Einblicke. Am Mühlenweg erinnern Mühlrad und die ehemalige Wasserentnahmestelle Stekinken-Born an alte Zeiten. Und im Schmiedeweg lässt sich das wohl kurioseste Denkmal der ganzen Region entdecken. Zwar fehlen ihm schon einige Buchstaben. Aber unübersehbar erinnert der Sockel samt Rüsseltier darauf an legendäre „Schweinerennen“, die Elbrinxen 1980 und 1982 zu enormer Bekanntheit verhalfen. Da wurden die an Freigehege gewohnten Grunzer auf eine markierte Strecke getrieben, um den Schnellsten von ihnen zu ermitteln.

von Bernd Althammer

öffentliche Verkehrsmittel

mit der Bahn bis Lügde, mit Bus 761, Anreise nur bis Sonnabendmittag möglich

mit dem Auto

über B 217 und B 83, weiter über Bad Pyrmont und Lügde, Wanderparkplatz hinter dem Ortseingang

weitere Infos

Auskünfte unter (0 18 01) 33 99 33 und www.dersechser.de