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Teutoburger Wald Spaziergang bis zur Spinnerei
Reisereporter Ausflüge Teutoburger Wald Spaziergang bis zur Spinnerei
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08:00 06.03.2006
Die ehemalige Ravensberger Spinnerei ist heute Sitz der Bielefelder Volkshochschule. Quelle: Bernd Althammer
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Mitten in der ostwestfälischen Metropole war die Industrie zu Hause: In der Spinnerei ratterten die Webstühle; nur ein paar hundert Meter weiter entstand ein bedeutendes Nähmaschinenwerk. Heute ist von dieser Entwicklung, die der Stadt im 19. Jahrhundert einen enormen Zulauf an Arbeitskräften und deren Familien bescherte, nicht mehr viel zu sehen: Die Spinnerei ist zur grünen Oase mit sehenswert restaurierten Bauwerken geworden. Und auf dem Gelände von „Dürkopp“, das nach Nähmaschinen später sogar Autos produzierte, ist ein attraktives Wohnviertel entstanden.

Eine Stippvisite in Bielefeld wird leicht gemacht. Denn mit dem Heft „Via Cultura“ der örtlichen Tourist-Information – anzufordern unter Telefon (05 21) 51 69 98, www.bielefeld.de – lässt sich ganz nach persönlichen Neigungen eine Route zur Selbsterkundung auswählen. Detaillierte Skizzen und Erläuterungen machen die Sache zum Kinderspiel, auch wenn im Straßennetz selbst keine weiteren Markierungen auftauchen.

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Zweieinhalb Kilometer lang ist zum Beispiel die kleine Tour zur städtischen Industriegeschichte. Direkt am Rathaus geht der Rundkurs los, der schon bald eine Überraschung birgt: Auf einem kleinen Friedhof befinden sich etliche aufwendig gestaltete Grabmale prominenter Bürger. Anrührend ist eine Ruhestätte für vier Geschwister, die im Kindesalter kurz hintereinander beigesetzt werden mussten.

Im Ravensberger Park, dem ehemaligen Spinnereigelände, dominiert immer noch das frühere Industriegebäude mit seinem hohen Schornstein. Hier befindet sich heute eine „Denkfabrik“: Die Volkshochschule der Stadt bietet zahlreiche Kurse an. Wer sich mehr für Stadt- und Industriegeschichte interessiert, findet in der ehemaligen Werghechelei viel Sehenswertes, weil dort das Historische Museum untergebracht ist. Kunstinteressierten bietet die ehemalige Villa Huelsmann eine Alternative. Zu allen Jahreszeiten aber verdient der ganze Park Aufmerksamkeit: An Fassadenresten und dem alten Wasserturm wuchert der Efeu. Und wer genau hinschaut, entdeckt sogar noch Gleise und Viadukt einer Schmalspurbahn, die Rohware oder fertige Stoffe transportierte.

Wer sonntags unterwegs ist, sollte sich in einem Hinterhof zwischen Viktoria- und Teutoburger Straße das Museum Wäschefabrik nicht entgehen lassen. Zwischen Maschinen und Möbeln sieht es so aus, als seien die Näherinnen gerade nur zur Mittagspause gegangen. Dabei ist die Produktion schon seit über 25 Jahren eingestellt.

Nur ein paar Schritte weiter befindet sich „Dürkopp Tor 6“: Den Platz alter Fabrikhallen teilen sich heute Wohnblocks, Begegnungsstätten und Bereiche für Lernen und Arbeiten. Das Zentrum der ehemaligen Dürkopp-Werke aber wurde im Original erhalten und sorgfältig restauriert: Immer noch verbinden Brückentrakte hoch über der Straße die Gebäude, in denen heute Firmen und Behörden ihren Sitz haben. Den Gesamtanblick beherrschen die ehemaligen Wassertürme.

Wer dann am Rathaus wieder angekommen ist, kann gleich die nächste Runde drehen. Vielleicht die 2,7 Kilometer lange „Via Historica“ durch die Altstadt, wo man allerdings schon ganz genau hinggucken muss, um historische Relikte zu finden. Aber dank des kleinen gedruckten Stadtführers ist eben auch der Vergleich zum Heute erlaubt. Das neue Bielefeld lässt sich auf zwei Kilometern als „Via Moderna“ erschließen und mit einem Einkaufsbummel verbinden. Einige bekannte Textilmarken sind in der Region zu Hause: Seidensticker und Trigema zum Beispiel im Raum Bielefeld, Brax und Bugatti im nahen Herford.

Wer sich Bielefeld aus der Vogelperspektive anschauen möchte, sollte zunächst zur Sparrenburg hinaufsteigen, weil der Weg mit Einkaufstaschen etwas mühsam wäre. Nur gut 2,5 Kilometer ist es aus der Stadtmitte zum ehemaligen Ravensberger Grafensitz. Sehr schnell wird deutlich, warum dieses Anwesen mit seinen mächtigen Mauern und Schießscharten nie erstürmt oder erobert wurde. Reizvoll ist ein Besuch der unterirdischen Gänge, in denen sich einst Vorratslager, Unterkünfte, Werkstätten und sogar eine Bäckerei befanden. Als Höhepunkt aber gilt eine Turmbesteigung, von der aus sich die Hufeisenform der Bielefelder Altstadt gut erkennen lässt.

Aber nur von April bis Oktober dürfen Zweibeiner Besitz von der Sparrenburg ergreifen. Im Winterhalbjahr machen sich Fledermäuse in den alten Mauern breit.

von Bernd Althammer

öffentliche Verkehrsmittel

Bielefeld lässt sich von Hannover aus am einfachsten mit der Bahn erreichen. Zu Fuß sind es nur wenige Minuten vom Bahnhof ins Zentrum. In den Rückweg lässt sich die „Via Moderna“ gut einbinden.

mit dem Auto

Über die A 2 (Abfahrt Bielefeld-Zentrum) und weiter über die B 66. Zentrales Parkhaus ist die Tiefgarage Neues Rathaus, erreichbar über das Parkleitsystem.