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Weserbergland Die Stadt der verfolgten Franzosen
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08:00 09.05.2007
Das Rathaus von Bad Karlshafen spiegelt sich im Hafenbecken ohne Schiffsverkehr. Quelle: Monika Ukermann
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Als gegen Ende des 17. Jahrhunderts im katholischen Frankreich protestantische Bürger als Ketzer verfolgt wurden, sorgte die Aufnahme der Flüchtlinge dafür, dass er seine Baulust so richtig ausleben konnte. Carls Plan, die so genannten Hugenotten nahe der Klosterburgstadt Helmarshausen in Nordhessen anzusiedeln, scheiterte indes am Widerstand der dortigen Bürger. Daraufhin beschloss der Landesherr, direkt an der Einmündung der Diemel in die Weser, eine moderne neue Handelsstadt in schlicht-bürgerlichem Barock für die vertriebenen Franzosen erbauen zu lassen. Und so geschah es.

Wer allerdings heute in Bad Karlshafen nach einem Hafen forscht, mit Schiffen, Kränen und Speicherhallen, der sucht vergebens. Mitten im Ort liegt das stille Hafenbecken, umgeben von dem repräsentativen Rathaus, einem Invaliden- und einem Zollhaus sowie der ehemaligen thurn- und taxisschen Posthalterei. Geplant war einst ein Kanal, der das von der Diemel gespeiste Hafenbecken mit Kassel verbinden sollte – er wurde nie fertiggestellt.

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Die Hugenotten, die ersten Karlshafener, verliehen der Stadt umgehend Glanz mit Handwerkskünsten, die in deutschen Landen bis dahin eher unbekannt waren. Dazu gehörten beispielsweise die Hut- und Handschuhmacher. Mehr über die Geschichte der Glaubensflüchtlinge erfährt man im Deutschen Hugenotten-Museum in der Hafenstraße 9 A, direkt gegenüber vom Rathaus (geöffnet dienstags bis freitags von 10 bis 12 und 14 bis18 Uhr, sonnabends, sonntags und an Feiertagen von 11 bis 18 Uhr).

Ein Hugenotte war es auch, ein Arzt namens Galland, der 1730 in Karlshafen die erste Solequelle entdeckte. Es dauerte noch etwa 100 Jahre, bis die Stadt das erste Badehaus errichtete, und noch 130 Jahre, bis der Ort zum „Bad“ geadelt wurde.

Nur ein paar Gehminuten sind es vom Hafen in der Stadt bis zur Kurpromenade direkt an der Weser. Auf der einen Seite die gepflegten Grünanlagen des Kurparks, auf der anderen Seite der Blick auf den Strom mit den weißen Schiffen der Weserflotte, die von hier aus ablegt zu mancherlei Tagesfahrten. Hier findet sich auch die Weserbergland-Therme, deren Soleheilwasser vornehmlich bei Atemwegsbeschwerden und rheumatischen Erkrankungen gute Ergebnisse erzielt.

Bad Karlshafen ist eine freundliche Kleinstadt mit netten Cafés und stilvollen, kleinen Läden, denen durchaus ein wenig französisches Flair zugeordnet werden kann.

Ringsherum lockt die Mittelgebirgslandschaft inmitten des Sollings zu weiteren Ausflügen. Ganz in der Nähe befindet sich Helmarshausen, das Tor zum Reinhardswald mit romanischer Kirchenburgruine, mittelalterlichen Fachwerkhäusern, Stadtturm und Wehranlagen.

von Monika Ukermann

öffentliche Verkehrsmittel

mit IC oder ICE bis Göttingen, umsteigen in die Regionalbahn nach Bad Karlshafen

mit dem Auto

auf der A 7 bis Nörten-Hardenberg, weiter auf der B 241 bis Bad Karlshafen

weitere Infos

Kur- und Tourismus-Information, Hafenstraße 8, 34385 Bad Karlshafen, Telefon (0 56 72) 99 99 22, www.bad-karlshafen.de