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Weserbergland Mit dem Raddampfer unterwegs
Reisereporter Ausflüge Weserbergland Mit dem Raddampfer unterwegs
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11:37 17.08.2009
Schaufelraddampfer Wappen von Minden
Schaufelraddampfer Wappen von Minden Quelle: Claudia Brebach
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Wenn die Leinen an der „Schlagde“ in Minden gelöst werden, begeben sich bis zu 250 Menschen flussauf- oder -abwärts auf eine landschaftlich reizvolle Fahrt. Dabei ist nicht allein die beschauliche, kleine Reise ein Erlebnis: Fast mehr noch fasziniert die Technik im dicken Schiffsbauch.

Dabei schien das 60 Jahre alte Schiff, die ehemalige „Labe“, bereits dem Verfall preisgegeben: Rost fraß ein Loch in den Rumpf und ließ das einst stolze Schiff schmählich in der Elbe versinken. Vergessen waren die grandiosen Zeiten, in denen es auf den 500 Kilometern zwischen Prag und Magdeburg als letzter kohlengefeuerter Raddampfer pendelte. Doch dann besann sich die Mindener Entwicklungs- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft (MEW) mit ihren schiffsbegeisterten Managern auf den Oldtimer und ließ ihn im Rahmen einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme mit Fachkräften und Jugendlichen restaurieren. Jetzt dreht der 160 PS starke Motor wieder die beiden Schaufelräder: Fahrgäste haben einen ungehinderten Blick auf Kolbenbewegungen und die Handgriffe von Maschinist Chirstoph Gruca, der unter anderem mit dem Ölkännchen für eine stets ausreichende Schmierung der beweglichen Teile sorgen muss. „Schulklassen erleben hier praxisnahen Physikunterricht“, schwärmt MEW-Geschäftsführer Hans-Jürgen Hansch.

Mehrmals in der Woche steuert Schiffsführer Heiko Neeb die schwimmende Attraktion nach einem festen Fahrplan. Dann gibt es Rundfahrten, zum Teil mit Schleusungen am Wasserstraßenkreuz von Weser und Mittellandkanal. In den nordrhein-westfälischen und niedersächsischen Schulferien ist dies zum Beispiel immer donnerstags um 10 und 15 Uhr der Fall.

An manchen Sonntagen drehen sich die Schaufelräder sogar auf längerer Route - nach Hille, Petershagen, Bückeburg oder Vlotho. Beim Besuch Vlothos könnte man die Schiffstour mit einer Rückfahrt per Museumseisenbahn nach Minden kombinieren - und hätte so das Erlebnis des Dampfantriebs auch auf der Schiene. In Hille wäre Zeit für den Besuch einer alten Kornbrennerei, in Petershagen unter anderem für das dortige Storchenmuseum. Beim Tagesausflug nach Bückeburg bringt ein Bus die Passagiere vom Rusbender Schiffsanleger in die Residenzstadt. Den detaillierten Fahrplan gibt es bei der Minden-Marketing, Domstraße 3, 32423 Minden (geöffnet werktags von 9 bis 18 Uhr, sonnabends nur von 10 bis 13 Uhr), Telefon (05 71) 8 29 06 59, www.raddampfer-minden.de.

Telefonisch oder per Internet wird bis zu 48 Stunden vorher informiert, ob das Schiff auch wirklich die Leinen löst. Denn für alle Fahrten gilt: Mindestens 25 Personen müssen ein Ticket erwerben, damit die Betriebskosten für den 54 Meter langen Dampfer halbwegs gedeckt sind. Sollte das Schiff mangels Passagieren nicht ablegen, kann es aber wenigstens besichtigt oder als Bistro genutzt werden. Zudem ist es vom Liegeplatz nicht weit in die Mindener City mit Dom und Domschatzkammer (geöffnet Di., Do., Sbd., Stg. von 10 bis 12 Uhr, Mi. und Fr. von 15 bis 17 Uhr), zum Mindener Museum (Di. bis Stg. von 11 bis 17 Uhr) oder zum Preußenmuseum (Mo. und Fr. geschlossen). Am Abend aber sollte man vielleicht noch einmal an die „Schlagde“ zurückkommen. Dann leuchten unzählige Lämpchen rund um den Dampfer - vom Schornstein bis zu den Radkästen.

von Bernd Althammer

öffentliche Verkehrsmittel

mit der Bahn bis Minden-Hauptbahnhof und zu Fuß in etwa zehn Minuten über die Weserbrücke zur „Schlagde“

mit dem Auto

auf der A 2 (Abfahrt Bad Eilsen-West) und auf B 83 und B 65 nach Minden, dem Parkleitsystem zu den Parkplätzen „Kanzlers Weide“ (kostenfrei) oder „Schlagde“ (kostenfrei nur sonntags) folgen