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Basalt, Bims und Benediktiner: Die Vulkanregion Laacher See

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04:04 29.04.2021
Von Deutsche Presse-Agentur dpa
Vulkanberge bei Maria Laach: Wie frühere Auswürfe hier die Landschaft geprägt haben, ist noch gut zu erkennen.
Vulkanberge bei Maria Laach: Wie frühere Auswürfe hier die Landschaft geprägt haben, ist noch gut zu erkennen. Quelle: Bernd F. Meier/dpa-tmn
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Maria Laach

"Vulkanexpress" steht auf dem Waggon des Zuges. Klingt großspurig. Doch die Schmalspurbahn zwischen Brohl und Oberzissen erreicht maximal 20 Stundenkilometer.

Gezogen wird sie mit einer Diesellok, auf manchen Fahrten mit einer Dampflok, Baujahr 1906. Von wegen Express. Der Touristenzug zuckelt auf der Bahntrasse durchs Brohltal eher gemütlich dahin.

Vor etwa 13.000 Jahren gab es hier in der östlichen Eifel einen gewaltigen Vulkanausbruch. Die Erde brach ein, so entstand ein riesiges Loch: der Laacher See. Das größte Gewässer in Rheinland-Pfalz ist zugleich der größte natürliche Mittelgebirgssee in Deutschland. Rund herum hat sich eine Ausflugsregion mit einem dichten Netz an Wander- und Radwegen entwickelt.

Wertvolles Gestein aus den Tiefen der Erde

Der Vulkanexpress ist nur eine Attraktion von vielen in der Vulkanregion. Um das Jahr 1100 siedelten sich Benediktinermönche am Laacher See an und gründeten ein Kloster, 1156 wurde die Abteikirche geweiht. Für die romanische Basilika mit den sechs Türmen verwendeten die Mönche mit Tuff und Basaltlava das Vulkangestein der Region.

Heute kommen manche zur Einkehr und für ein stilles Gebet in das Gotteshaus. Die meisten Urlauber in der Region wandern freilich auf dem sieben Kilometer langen Uferrundweg um den See.

Der Vulkansee ist das Revier von Ansgar Hehenkamp. Von den Mönchen hat der Berufsfischer die Fischrechte gepachtet. In Stellnetzen und Reusen zappeln saisonabhängig Felchen, Barsche und Aale. Die liefert Hehenkamp fangfrisch an den Laacher Hofladen und an Sterneköche.

Die Vulkanpark GmbH vermarktet mehr als 20 Sehenswürdigkeiten rund um den See. Dazu zählen ehemalige Grubenfelder bei Mayen, Höhlen im Vulkangestein des Brohltals, Lava-Dome und Lavakeller in Mendig, der höchste Kaltwassergeysir der Welt in Andernach. Und die mächtige Wingertsbergwand zwischen Mendig und See. Der Steilhang aus Bims und Tuffgestein ragt 60 Meter empor. Gut erkennbar sind die Ablagerungen der einzelnen Ausbruchsphasen. Sie erinnern ein wenig an die Schichten einer Schwarzwälder Kirschtorte.

Ein Lavakeller unter Tage

Eine Zeitreise ins Jahr 5 nach Christus bietet das Römerbergwerk Meurin in Kretz. Römische Legionäre förderten dort den hellgelben Tuffstein zu Tage, verfestigte vulkanische Asche. Treppen und Stege leiten in die einstige Unterwelt der Abbaustollen. Aber keine Angst, Grubenlampen und Schutzhelme werden nicht benötigt.

In die Unterwelt von Mendig wiederum führen 150 Treppenstufen oder ein Aufzug. 30 Meter unter der Erde öffnet sich mit Lava-Dome und Lavakeller eine einzigartige Untertagelandschaft. Die Hohlräume entstanden ab dem Jahr 1400, als die Menschen der Region den Basalt zu Tage förderten, das schwarze Gold der Eifel. Noch bis in die 1960er Jahre wurde das Gestein gefördert, meist in mühevoller Handarbeit, für die Verarbeitung zu Mühlsteinen.

Zwischen vier und neun Grad beträgt die Kellertemperatur. Bierbrauer nutzten sie im 19. Jahrhundert für die Gärung und Lagerung des Gerstensaftes. Damals gab es 28 Brauereien in Mendig, eine ist heute noch dort. Sie heißt natürlich Vulkanbrauerei.

Berufsfischer Ansgar Hehenkamp ist schon wieder zu seinen Netzen auf dem Laacher See unterwegs. Vorbei geht es an der Jägerspitze, wo aus der Tiefe blubbernde Blasen aufsteigen - giftiges Kohlendioxid. Der Vulkan schlummert nur. Bis zum nächsten Ausbruch.

© dpa-infocom, dpa:210428-99-388960/4

dpa

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