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Wandern unter Windrädern im Dreiländereck Iselk

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11:53 04.10.2019
Von Deutsche Presse-Agentur dpa
Im Herbst zeigen sich die Wälder im Dreiländereck von ihrer schönsten Seite. Foto: Bernd F. Meier
Arzfeld

An der Königslei im Ourtal legt Dieter Thommes eine Pause ein. "Die Felsen sind vor 400 Millionen Jahren im Devonzeitalter entstanden", erklärt der 62-jährige Guide seinen Mitwanderern.

Bis zu 25 Meter ragt das Grauwackegestein empor über dem Our-Fluss, der hier die Grenze zwischen Deutschland und Luxemburg markiert.

13 Kilometer lang ist der Rundweg, der die Wanderer zur Kalborner Mühle auf der Luxemburger Uferseite leitet. Aus dem Jahr 1728 stammt die Kornmühle. Das schmucke Mühlenhaus wurde zum Wassererlebniszentrum, in dem Naturexperten über die vom Aussterben bedrohte heimische Pflanzen- und Tierwelt unterrichten.

"Das Ourtal ist eines der artenreichsten Gebiete in Luxemburg. Hier leben noch Bachneunaugen, Smaragdlibellen, Schwarzstörche, Eisvögel, Fledermäuse und Fischotter", so Biologe Frankie Thielen. Besonderer Schwerpunkt ist die Nachzucht der Flussperl- und der Bachmuschel in der Muschelzuchtstation.

Dreiländereck in Westeuropa

Enger wird das Tal der Our, tief hat sich der kurvenreiche Fluss ins Gebirge eingegraben. Kleine Kornfelder und Kuhweiden säumen die Ufer nahe dem Ausgangspunkt der Wanderung, dem Drei-Länder-Eck mit dem Europa-Denkmal: Die Staatsgrenzen von Belgien, Deutschland und Luxemburg treffen hier im Gewässer zusammen.

Das Dreiländereck liegt mitten in Westeuropa und mitten im

Islek. Dessen raue Landschaft reicht von Prüm aus westlich über 50 Kilometer in den Norden von Luxemburg und den Südosten von Belgien.

Karg und steinig sind die Äcker, dunkle Wälder ziehen sich hinunter in die tiefen Flusstäler von Irsen, Our und Sauer. Lebensader der Region ist die B 410, von der schmale Landstraßen in winzige Dörfer führen. Die Winter können hier hart sein. Dutzende Windräder prägen das Gesicht der Landschaft, Stürme fegen über die weiten Hochflächen.

Landschaft hat spröden Charakter

Der Islek - kein Land, das die Reisenden sofort begeistern mag. Doch wer im Spätsommer zum Wandern anreist, der hat Erholung pur im Farbenrausch der Eichen- und Buchenwälder: Indian Summer im Islek. Die Wanderrouten sind gut gekennzeichnet.

Fit und ausdauernd sollte man allerdings sein, bei so manch einer Wanderung geht es bergauf und bergab - bis zu 500 Höhenmeter sind zu überwinden. Rucksackverpflegung ist angesagt, denn in den stillen Orten hat die einzige Dorfkneipe schon lange zu. So gibt es denn auch im Islek nur wenige Hotels, Pensionen und Ferienwohnungen.

An der Grenze zu Luxemburg und Belgien träumte die Region Jahrzehnte lang vor sich hin. Erst durch das Schengen-Abkommen verschwanden ab 1985 nach und nach die Schlagbäume. Grenzschützer und Zöllner zogen auch an der Our ab. "Bis dahin wurde streng kontrolliert", erinnert sich Leonie Simons an die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, der Deutsche, Luxemburger und Belgier im Islek mit Tod und Elend über lange Zeit voneinander entfernt hatte.

Wartehäuschen ist jetzt kleine Kunsthalle

Welchenhausen an der Our hat 25 Einwohner, ein Schulkind und eine winzige Wartehalle, wo morgens der Schulbus stoppt. Kein gewöhnliches Wartehäuschen, sondern ein Hort der Kunst auf nur acht Quadratmetern. "Die kleinste Kunstgalerie in Deutschland", vermutet die 62-jährige Leonie Simons. Die ehemalige Bürgermeisterin von Lützenkampen gestaltete das Häuschen 2002 mit einigen Mitstreitern zum Museum um.

An die 70 Wechselausstellungen mit Werken von Künstlern ausschließlich aus Belgien, Deutschland und Luxemburg wurden bislang in dem

Wartehäuschen präsentiert. Der rührigen Museumsverein will mit den Kunstaktionen ein deutliches Zeichen der Zusammenarbeit über die Grenzen hinweg setzen. Und wer genauer hinschaut - im Wort Wartehalle steckt das Wort Art (Kunst) ohnehin drin.

Privates Kreuz-Museum zeigt alte Exemplare

Ortswechsel ins Dörfchen Eschfeld, in die bunte Kirche Sankt Luzia: 15 Jahre lang, bis 1921, wurde das Kirchlein von Pfarrer Christoph März mit biblischen Motiven ausgemalt. Apostel und Evangelisten, Engel und Heilige schauen von den Kirchenmauern herab; Malerpastor März hat der Nachwelt ein überdimensionales Bilderbuch hinterlassen.

Um die Hinterlassenschaft ehemaliger Klöster und säkularisierter Kirchen sorgen sich Anita und Rainer Propson (60) in Lünebach mit ihrem Kreuz-Museum: Heiligenfiguren, aber vor allem Kreuze haben sie in Jahrzehnten gesammelt. 2000 sollen es wohl insgesamt sein, das Älteste ist aus Russland und stammt aus dem 16. Jahrhundert.

In dieses Jahrhundert entführen Gert Cox (57) und Dieter Thommes ihre Gäste, wenn sie bei einer erlebnisreichen Wanderung den Alltag der Postreiter nachspielen: Die Geschichte des Briefboten, der um das Jahr 1561 im wilden Islek unter die Räuber fiel.

"Damals führte die

Postreiterroute zwischen Mechelen, Brüssel und Innsbruck durch den Islek", erzählt Gert Cox. Wild und rau war der Islek damals, das Raue und die Einsamkeit sind bis heute geblieben. Wer das mag, ist als Urlauber im Islek in der richtigen Region.

dpa

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