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Reisereporter Blaues vor Curaçao
Reisereporter Blaues vor Curaçao
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00:30 22.01.2011
Typisch Curaçao: Bonbonfarbene Häuserzeilen im niederländischen Kolonialstil. 1997 setzte die Unesco die Innenstadt von Willemstad auf die Liste der Weltkulturgüter. Quelle: Fröhlich
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Ein kurzer Blick auf den grellorangefarbenen Eigenbau reicht für klaustrophobische Symptome. Flaues Gefühl im Magen, Schweiß auf der Stirn, Bluthochdruck. Dort hinein? Niemals!

Die Neugier siegt. Eine halbe Stunde später haben wir uns durch die enge Luke des Mini-U-Boots gepresst und tauchen ab in die Unterwasserwelt vor Curaçao. Schwärme bunt schillernder Fische ziehen an der riesigen Glasscheibe vor uns vorbei – ohne Notiz zu nehmen von unserem eigentümlichen Gefährt, das mit seinen Turbinen und Greifarmen aussieht, als hätte Daniel Düsentrieb es zusammengeschraubt.

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Hinter der Kapsel steckt ausgefeilte Technik. Vier Millionen Dollar hat Investor Aadrian Dutch-Schrier in Boot und Station investiert. Ingenieure benötigten 17.000 Stunden für die Konstruktion. Die „Substation“ entspreche allen Sicherheitsrichtlinien für den U-Boot-Verkehr, betont Dutch-Schrier. Der aus den Niederlanden stammende Geschäftsmann hat sich mit seinem Mini-U-Boot einen Traum erfüllt – und für die Insel eine neue Touristenattraktion geschaffen. Bis zu 312 Meter tief bringt das U-Boot interessierte Urlauber, denen so ein Tiefgang 615 Dollar wert ist. Platz ist für vier Gäste und den Piloten.

Die Station in Bapor Kibra ist nur zehn Minuten mit dem Auto von Curaçaos Hauptstadt Willemstad entfernt. Im Zentrum der größten der ABC-Inseln (Aruba, Bonaire, Curaçao), 60 Kilometer von der Küste Venezuelas entfernt, bestimmt Lebensfreude den Rhythmus. Kein Wunder bei beständigen 30 Grad, dem glasklaren Wasser und der Gewissheit, nicht zu den Hurrikanzentren der Karibik zu gehören. In Willemstad herrscht ein munteres Gewimmel. Entlang dem Hafen zieht sich die berühmte bunte Häuserzeile im niederländischen Kolonialstil, eine malerische Kulisse, die es schon 1997 zum Unesco-Weltkulturerbe gebracht hat.

Eine Katze heißt „pushi“

Die 120.000 Einwohner setzen sich aus 60 Nationen zusammen, und ebenso einnehmend wie ihre Fröhlichkeit ist ihre Kreolsprache Papiamentu – eine Mischung aus Niederländisch, Spanisch und Portugiesisch. Herzlich willkommen heißt „bon bini“, und Danke „danki“. Eine Katze heißt „pushi“, und wenn sie süß ist, dann ist es eine „dushi pushi“.

Auf dem „schwimmenden Markt“ in der Altstadt verkaufen Händler, die mit Booten aus Venezuela übergesetzt sind, Avocados, die so groß sind wie Melonen. Salsamusik strömt aus den Lautsprechern der Bars, amerikanische Schlitten sind zur Schaufahrt auf der Promenade unterwegs. Man trägt bunt, man lebt bunt. Und wer denkt, der berühmte einheimische Likör „Blue Curaçao“ sei ausschließlich Blau, wird hier schnell eines Besseren belehrt: Ihn gibt es auch in Gelb, Rot und Grün.

So farbenfroh geht es im Rausch der Tiefe nicht mehr zu. Schon bald haben wir Fische und spektakuläre Korallen hinter uns gelassen und sinken ins Zwielicht. Als unser U-Boot 80 Meter erreicht, ist es nachtschwarz. Wir sehen: nichts. Kapitän Michiel van der Hues funkt mit der Bodenstation, jede Viertelstunde prüft er den Druck, die Instrumente, die Klimaanlage. „Wie fühlt ihr euch?“, fragt er. „Ist wie Busfahren – nur enger“, sagt ein Passagier, der gebeugt auf der hinteren Bank sitzt. Die anderen halten erfolglos nach den seltsamen Tiefseekreaturen Ausschau, von denen die Rede war.

Das Touristenangebot mit dem U-Boot ist nur ein Nebenschauplatz von Investor Dutch-Schrier und seinem sechsköpfigen Team. Unser Pilot erklärt, dass er Mediziner sei und hinter dem Projekt ein ehrgeiziges Ziel steckt: Mit der „Substation“ will das Team die 60 Millionen Jahre alte Unterwasserwelt Curaçaos für neue Entwicklungen in der Pharmaindustrie erforschen. Wissenschaftler und Laboratorien sollen dafür ins Boot geholt werden. „Wir sind Fanatiker“, sagt der 33-jährige Niederländer euphorisch. „Wir haben alle denselben Traum: dass das Projekt erfolgreich wird.“

Wir sinken tiefer und tiefer, in 124 Metern Tiefe knipst unser Pilot die Scheinwerfer an. Vor uns liegt ein Schiffswrack, das Ende der achtziger Jahre von Drogenschmugglern versenkt wurde. Die Piloten der „Substation“ kennen jeden Winkel des 90 Meter langen Wracks, das durch die Fischaugenperspektive der Scheibe nur halb so groß erscheint. Dutch-Schrier ist für seine tiefer gehenden Projekte bekannt. Wenige Meter von der U-Boot-Station entfernt hat der 65-Jährige bereits einen Delfinpark geschaffen, der nicht nur dem Vergnügen dient. Im „Seaquarium“ gibt es 500 Fischarten der Karibik und lustige Shows mit Flipper und Co. zu sehen.

Nebenan im Dolphin Therapie & Research Center werden Therapien mit Delfinen für behinderte Kinder angeboten. Auf der anderen Seite der Lagune bietet das Domizil Lions Dive weißen Sandstrand, Segeltörns und Exkursionen für Scuba-Taucher, die länger etwas von der spektakulären Unterwasserwelt sehen wollen als die Passagiere im U-Boot.

Immerhin braucht es an Bord weder Sauerstoffflasche noch Druckausgleich. Zurück an der Oberfläche werden wir empfangen wie nach einer Mondlandung. Wir seien die ersten Deutschen, die je mit seinem U-Boot abgetaucht seien, sagt Investor Dutch-Schrier. Uns freut eine andere Tatsache noch viel mehr: dass wir auch wieder aufgetaucht sind.

Sonja Fröhlich

Anreise
Mit KLM und Martinair dauert der Flug von Frankfurt über Amsterdam nach Curaçao gut zehn Stunden.
www.martinair.com
www.klm.com

Weitere Informationen
Curaçao bildet seit dem Oktober vergangenen Jahres ein autonomes Land im Königreich der Niederlande.
Fremdenverkehrsamt Curaçao,
Bayernstraße 16a, 80335 München,
Tel. (0 89) 51 70 32 98.
www.curacao.de

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