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Reisereporter Die Felsenburg am Ende der Welt
Reisereporter Die Felsenburg am Ende der Welt
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15:24 20.01.2014
Von Jens Burmeister
Das Felsenlabyrinth und die bizarre Bergwelt des chilenischen Nationalparks Torres del Paine.
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Punta Arenas

Kaum hat das Flugzeug der LAN Airlines auf der Betonpiste in Punta Arenas aufgesetzt, wird es von einer steifen Windbö durchgeschüttelt. Wer im tiefen Süden Chiles unterwegs ist, spürt nicht nur die Weite des Landes, sondern auch, wie unbarmherzig das Wetter sein kann. Man hat uns gewarnt: Innerhalb von Minuten sind hier alle vier Jahreszeiten erlebbar, wird herrlicher Sonnenschein von bitterkalten Hagelschauern abgelöst.

Mit Böen von Tempo 100 und mehr fegt der Wind die Wolken davon, hinweg über verkrüppelte Bäume und trockene Grasbüschel, zwischen denen Schafe und Guanakos weiden, als seien sie nicht von dieser Welt. Die Fahrt geht von Punta Arenas nach Puerto Natales und über schotterartige Pisten weiter durch das westliche Patagonien zum weltberühmten Nationalpark Torres del Paine.

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„Türme des blauen Himmels“

Und wie aus dem Nichts tauchen sie plötzlich auf: die „Türme des blauen Himmels“, wie sie übersetzt heißen, die nadelartigen Granitberge, die 2.800 Meter fast senkrecht aus der chilenischen Pampa in den Himmel wachsen. „Es gibt einen Platz auf Erden, an dem du dem Schöpfer die Hand reichen könntest, wenn du noch eine Winzigkeit näher wärst“ – mit diesem Spruch unter dem Abbild dieser mystischen Felsenburg warb Chiles Tourismusbehörde jahrelang. In diesem Moment wissen wir warum.

Hier, nahe am Ende der Welt, wo Kap Hoorn nicht weit und der Hauch des südpolaren Eismeeres bereits deutlich zu spüren ist, in der braunen patagonischen Steppe, wo einen die Winde wie Faustschläge treffen können, führt die Natur noch einmal ein großes Schauspiel auf. Umgeben von azurblauen Seen, durchzogen von grünen Wäldern, kalbenden Gletschern und unzähligen Wanderwegen ist der 1959 entstandene Torres-Nationalpark ein Muss für alle Chile-Besucher. Quasi der „Chilimandscharo“ im westlichen Patagonien. Jedes Jahr kommen inzwischen rund 200.000 Touristen in den Süden des Landes, um sich an seinem atemberaubenden Panorama sattzusehen oder gar als Trekkingtourist die bizarre Bergwelt zu durchstreifen.

Die Zeit drängt. Wir wollen Menschen kennenlernen, die in dieser so schönen wie abweisenden Region leben, die sich schon fast prophetisch „Ultima Esperanza“ – übersetzt „letzte Hoffnung“ – nennt.

Berühmtheit: Hermann Eberhard

Nur wenige Kilometer entfernt von Puerto Natales treffen wir den deutschstämmigen Farmer Erik Eberhard (32). Sein Ururgroßvater ist in ganz Chile ein Begriff. Hermann Eberhard, ein ehemaliger Kapitän mit schlesischen Wurzeln, gründete 1893 die erste Siedlung in Westpatagonien und beanspruchte damit weitgehend unbesiedeltes Land im Namen des jungen Staates Chile gegenüber fremden Mächten wie Großbritannien oder Argentinien. Zwei Jahre später fand der ehemalige Auswanderer und neue Schafbaron dann in einer Höhle die Reste eines vor 10.000 Jahren ausgestorbenen Riesenfaultiers – eines über vier Meter großen Pflanzenfressers mit dem Gewicht eines Elefanten.

„Er war schon ein verrückter Abenteurer“, sagt Erik schmunzelnd über seinen berühmten Vorfahren, dem er auf seiner Estancia bald ein Museum widmen will. Auf die Frage, ob sich der Deutschchilene im immer noch dünn besiedelten Patagonien als Pionier wie einst Hermann Eberhard fühle, schüttelt er den Kopf. „Das waren früher unvergleichlich härtere Herausforderungen. Dennoch sehe ich mich als Teil der chilenischen Geschichte“, sagt Erik bescheiden. Seine Heimat, die ist hier – auf der historischen Eberhard-Ranch, wo nicht nur glückliche Rinder weiden, sondern auch urlaubsreife Großstädter zum Angeln, Kajakfahren oder Reiten einkehren.

Auf dem Rücken der Pferde durch Chile

Über die freut sich auch Luis Caiuquel. Der 55-Jährige ist ein Gaucho, wie er im Buche steht: Lederstiefel, schwarze Reithose und rotes Hemd mit dem Konterfei von Gauchito Gil auf dem Rücken – einem argentinischen Robin Hood des 19. Jahrhunderts, der später zum Volksheiligen der südamerikanischen Gauchos avancierte. Schon mit elf Jahren trieb Luis Viehherden über die Pampa. Heute züchtet er Pferde und zeigt Touristen vom Sattel aus seine schöne wie raue Heimat. Auch wir schwingen uns aufs Pferd und staunen über die grenzenlose Trittsicherheit und unendliche Geduld der chilenischen Pferde. Auf einer Anhöhe satteln wir ab und lassen die Tiere grasen. Hier erzählt Luis, dass er es der Liebe wegen auch mal fünf Jahre im weit entfernten Santiago aushielt. Doch in der Großstadt fühlte er sich nicht wohl. Er wollte zurück zu seinen Pferden. Weniger mit Menschen, sondern mit ihnen wollte er „sprechen“. „Und sie verstehen mich“, sagt Luis vollkommen ernst. Wir glauben ihm, dem wortkargen „Pferdeflüsterer“, der inzwischen ein Lagerfeuer entzündet hat und erfrischenden Matetee herumreicht. Und in diesem Augenblick fühlen wir uns eins mit Chile, mit Patagonien und seinen Menschen.

Hin und weg

Anreise

LAN fliegt täglich von Frankfurt über Madrid nach Santiago und weiter nach Punta Arenas. Die Airline hat 2012 mit TAM (Brasilien) die LATAM Airlines Group gegründet, die 135 Destinationen in 22 Ländern bedient.

Die Flugzeit nach Chile beträgt rund 16 Stunden. Deutsche Staatsangehörige brauchen kein Visum, Pass muss noch sechs Monate gültig sein. Impfungen nicht vorgeschrieben.

Klima

Die Jahreszeiten sind den europäischen entgegengesetzt. Die beste Reisezeit für den eher kühlen Süden ist die Zeit von November bis April.

Auto

Nationaler Führerschein plus gültiger internationaler Führerschein nötig. Tempo 100 auf Autobahnen und Landstraßen, innerorts Tempo 50. In Chile herrscht Rechtsverkehr.

Währung

Chilenischer Peso (CLP), 1 Euro sind etwa 660 Peso, Euro-Mastercard oder Kreditkarte empfehlenswert.

Weitere informationen

www.chile.travel

www.granpatagonia.com

www.lan.com

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