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Reisereporter Die Freude am Traurigsein
Reisereporter Die Freude am Traurigsein
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14:05 03.02.2014
Von Heidi Senska
Wer hier studiert, ist stolz darauf: Portugals älteste Universität in Coimbra. Quelle: Heidi Senska
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Coimbra

Mit Portugal und Spanien ist das so eine Sache. Historisch bedingt, aber auch heute noch merklich, ist die Beziehung zu den Nachbarn mitunter hart, aber herzlich. Spürbar wird dies besonders deutlich an dem Ort, an dem sich die Liebesgeschichte von Inês und Pedro zutrug – in Coimbra, im Zentrum des Landes.  „Inês de Castro war eine Spanierin – deshalb musste sie sterben“ – so geht die Kurzfassung der historischen Erläuterung über die Quinta das Lagrimas, das Landhaus der Tränen.

Im 13. Jahrhundert spielte sich hier, wenn man so will, die portugiesische Fassung von Romeo und Julia ab. Heute steht an der Stelle ein Vier-Sterne-Hotel im vornehmen Landhaus-Stil. In dessen weitläufigem botanischem Garten begeben wir uns auf die Spuren von Inês und Pedro. Hier fließt unter riesigen Bäumen noch immer die „Fonte das Lagrimas“ – die Quelle der Tränen. Sie war der heimliche Treffpunkt vom Sohn des portugiesischen Königs Alfons IV. und der jungen spanischen Hofdame. Von hier aus sendete er ihr kleine Botschaften über den Wasserweg. Und nicht weit von der Quelle, so sagt es die Überlieferung weiter, klebt noch immer Blut am Boden der Stelle, an der Inês im Auftrag ihres Schwiegervaters erstochen wurde. 

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Liebesdramen, Fado und Studenten in schwarzen Umhängen: Das Zentrum Portugals ist eine noch unentdeckte Perle des Landes.

Die Quinta das Lagrimas ist unser Ausgangspunkt für die Entdeckung Coimbras. Sie liegt auf der linken Seite des Mondegos, der die Stadt in zwei Hälften teilt. Unweit des Landhauses lohnt sich ein Besuch des Klosters Santa Clara-a-Velha. Königin Isabel ließ das Kloster zu Beginn des 13. Jahrhunderts erbauen. Es ist mehrfach vom Hochwasser des Mondegos geflutet worden. Mit der Zeit hob man den Boden an, um die Gebäude vor Wasser zu schützen. Heute sind Archäologen am Werk und legen nach und nach weitere Teile der gotischen Klosteranlage frei.  Wir überqueren den Fluss und vor uns erhebt sich der Berg Coimbras Altstadt, auf dessen Spitze sich die älteste Universität Portugals befindet. Sie wurde 1290 in Lissabon gegründet und zog 1537 nach Coimbra in den Königspalast um. Seit Juni dieses Jahres gehört sie zum Weltkulturerbe der Unesco.

Wer hier studiert, ist stolz darauf. Überall in der Stadt trifft man junge Menschen in schwarzen Anzügen und langen schwarzen Umhängen. Gelebte Tradition, mit modernen Brüchen. Den schweren Stoff schmücken heutzutage Aufnäher von Vereinen, Bands oder Comichelden wie den Simpsons.  Wie die Umhänge gehört auch der Fado eng zur Kultur der Universität. Anders als in Lissabon wird er hier traditionell nur von Männern gesungen und hat wenig mit der Seefahrergeschichte Portugals zu tun. Unsere Begleiter können es daher kaum fassen, als bei einem Fadokonzert in der Kapelle „Á capela“ plötzlich eine Frau die Bühne betritt. „Das ist als würde man ein Flamenco-Konzert mit einer E-Gitarre besetzen“, erläutert Alexandre Pais da Silva. Der Portugiese empfiehlt einen Besuch im Fadomuseum in Lissabon. Der lohnt sich tatsächlich, wenn man tiefer in die Geschichte der mit Portugals Seele so eng verwobenen Musik eintauchen will. Wer den Zugang zu ihr finden möchte, darf sich vor Melancholie nicht verschließen. „Saudade“ heißt das Wort, das viele Lieder dominiert und die portugiesische Sehnsucht wie kein anderes beschreibt. Manuela Alves übersetzt es mit „die Freude am Traurigsein“. Also, keine Schwermut, bitte. 

Mit den „Moliceiros“ durch Aveiro

Gut 100 Kilometer weiter nördlich in der Küstenstadt Aveiro gleiten die Holzboote durch die Kanäle. Mit den „Moliceiros“ holten die Bauern Aveiros früher den Seetang zum Düngen ihrer Felder ein. Später wurde er auch für die Pharmaindustrie benutzt, erzählt Pinto Monteiro. Seit drei Jahren schippert der 59-Jährige Touristen auf den bunt bemalten Booten durch die Stadt. Seine Hauptaufgabe ist es, für die Sicherheit an Bord zu sorgen und so springt er zwischen seinen Kommentaren immer wieder auf, bläst in sein Signalhorn und gibt dem Steuermann gestenreich zu verstehen, wo es lang geht. Jeder Bootsbesitzer ist hier stolz auf die Bemalung seines Bootes. Die besticht mit leuchtenden Farben, aber auch mit der Chuzpe ihrer Maler. Während am Bug religiöse Motive das Boot zieren, geht es am Heck mit derben Sprüchen weltlich zu. „Immer gut mit Gott, aber ein bisschen Spaß muss auch sein“, sagt Monteiro augenzwinkernd.  

Nach der Bootstour stoppen wir in einem der zahlreichen Cafés und probieren „Ovos Moles“. Eine portugiesische Süßigkeit, die nach alten Klosterrezepten vorwiegend aus Eigelb und Zucker hergestellt wird. Die „weichen Eier“ werden in Oblaten gefüllt, die die Form von Fischen und Meeresfrüchten haben – oder gleich pur in bemalten Holzfässchen verschiedener Größen verkauft. Am besten genießt man das Zuckerwerk mit einem starken portugiesischen Café. Wer es herzhafter mag, der kauft hübsch verzierte Fischkonserven mit Sardinen oder – typisch für Aveiro mit Aguillas, einer heimischen Aalsorte. Überhaupt reihen sich rings um den Fischmarkt im Uferviertel zahlreiche Restaurants. Im „Bairro“ etwa bekommt man traditionelle portugiesische Küche – modern zubereitet. Der Bacalhau à bras – ein einfaches Kabeljaugericht mit Zwiebeln, Eiern und Kartoffeln – kommt hier mit einem Nest aus frittierten Kartoffelfäden. 

Wer sich für die Geschichte des Fischfangs und insbesondere des Kabeljaufangs interessiert, findet im Seefahrtsmuseum in Ílhavo wenige Kilometer nördlich von Aveiro zahlreiche Informationen. In einem mehrstöckigen Aquarium schwimmen die Fische – so sehen sie also aus, bevor sie auf dem Teller liegen – während der Besucher wenige Räume weiter die Arbeits- und Lebenswelt auf einem Schleppfang-Schiff aus der Flotte der Kabeljaufischerei nachempfinden kann.  Der Museumsbesuch macht Lust auf einen Ausflug an den Atlantik. Besonders hübsch ist es an der Costa Nova, mit ihren bunt gestreiften Fischerhäusern, den Palheiros. Und spätestens jetzt, beim Blick auf den Atlantik und die vorbeisegelnden Schiffe am Horizont, mit so viel portugiesischer Geschichte im Gepäck, einer Brise um die Nase um Kabeljau im Magen fällt es nicht schwer, die portugiesische Sehnsucht zu spüren.

Hin und Weg

Reiseempfehlung
Die Reise beginnt idealerweise in Lissabon. Von dort aus fährt man am besten mit dem Mietwagen gen Norden. Nach Coimbra gibt es auch gute Bus- und Bahnverbindungen. Sehenswerte Städte sind neben Coimbra, Viseu und Aveiro.
Entlang der Küste gibt es viele Strände zum Beispiel entlang der Costa Nova. Auch Surfer kommen hier auf ihre Kosten. Im Hinterland empfiehlt sich ein Ausflug in die Serra da Estrela (1991 ü.N.)  und in das Weinanbaugebiet Dão.
Beste Reisezeit
Ganzjährig. Besonders angenehm ist das Klima von März bis Juni und von September bis Oktober. Im Hochsommer kann es vor allem im Landesinneren bis zu 34° Celsius heiß werden. Im Winter ist das Klima im Landesinneren eher feucht. In der Serra da Estrela (1991 ü.N.) schneit es.
Anreise
Direktflüge nach Lissabon bietet unter anderem die TAP ab Frankfurt an. Ab Juli startet die Airline viermal wöchentlich nonstop von Hannover.
Unterkünfte
Die Auswahl an Unterkünften ist groß. Gehoben mit historischem Flair ist in Coimbra beispielsweise das Vier-Sterne-Hotel Quinta das Lagrimas mit Golfplatz und Spa. In Penacova do Castelo nahe Viseu lockt beispielsweise das Fünf-Sterne-Haus Casa da Insua mit eigenem Weinanbau und Käseproduktion.
Weitere Infos
www.flytap.com
www.visitcentro.com/de
www.visitportugal.com

Jens Burmeister 20.01.2014
13.01.2014
Anja Schmiedeke 04.01.2014