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Reisereporter Der Traum vom Lone Star State
Reisereporter Der Traum vom Lone Star State
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00:42 01.02.2014
Von Toni Lieto
Quelle: OH
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Dallas

Ab und an schwebt der wenig aufdringliche, apfelig-süße Geruch von frischem Pferdefurz durch die heiße Luft. Aber Duncan mimt den Unbeteiligten. Er schaut lässig auf den Rio Grande und die bizarr-bergige Landschaft jenseits des mal mehr, mal weniger reißenden Flusses, der die natürliche Grenze zwischen den USA und Mexiko bildet. Duncan ist durch und durch Texaner, er beäugt das Idyll entspannt von der amerikanischen Seite aus. Einen typisch texanischen Hut trägt er nie, aber oft eine Frau, die einen trägt. Duncan ist braun und kräftig und trägt die Frau selbst in brütender Hitze tapfer durch die Schluchten und über die Felsen. Hetzen ist nicht, Duncan bevorzugt den langsamen Schritt durchs schroffe Gelände. „Ich liebe ihn“, sagt Linda Walker. „Ich habe ihn großgezogen.“

Duncan ist fünf Jahre alt, hat vier Beine, ist oft drei Stunden am Stück in unwegsamen Gegenden unterwegs, wackelt ständig mit seinen zwei Ohren und bekommt immer dann einen Sattel übergeworfen, wenn Linda auf seinem Rücken sitzend Kurzzeit-Cowboys durch den Big Bend führen soll. Das ist Lindas Beruf.

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Wo sie wohnt und arbeitet, herrscht weitgehend Stille. Die in weiten Teilen unberührte Natur in diesem südlichen Grenzgebiet der Vereinigten Staaten muss sie mit kaum jemandem teilen - wenn man einmal vom Ehemann, Hengst Duncan, ihren 49 anderen Pferden und von Kojoten, Pumas, Bären, Schlangen oder Stinktieren absieht. Und von eben- jenen Touristen, die einen sehr weiten Weg auf sich nehmen, weil sie bewusst Abenteuer und Abgeschiedenheit in atemberaubender Natur suchen. Statistisch gesehen wohnt in diesem spärlich besiedelten Teil der Erde nur alle fünf Meilen ein Mensch. „Einsam?“, fragt Linda, „ich fühle mich hier nicht einsam. In einer Großstadt wie Dallas, da fühle ich mich einsam. Es ist dort doch alles sehr unpersönlich.“

Texas ist zwar im Allgemeinen Lindas Zuhause, aber der Big Bend ist es im Besonderen. Hier hat sie ihren Lebensmittelpunkt. „In jedem Teil von Texas glauben die Menschen, dass sie in der schönsten Gegend leben. Der Unterschied zwischen ihnen und uns ist: Wir glauben es nicht, sondern wir wissen es“, sagt Linda lokalpatriotisch. Sie ist Sinnbild des Lone Star State. Die 58-Jährige war einst eine der besten Rodeoreiterinnen des Landes, preisgekrönt. Ihre Bluejeans ist um die Hüfte festgezurrt mit einem Gürtel, dessen Siegerschnalle so riesig ist wie Lindas komplette Handfläche. „I am a real cowgirl, yeah“, sagt sie und klackert mit ihren Westernstiefeln. „Ich bin ein echtes Cowgirl.“ Sie ist geradezu prädestiniert, gemeinsam mit Duncan die Touristen sicher durch die malerischen Täler und über die majestätischen Berge des Big Bend zu geleiten. Verirren unmöglich.

Duncans Artgenossen sind darauf getrimmt, ihre Sitzkundschaft nicht zu überfordern - auch Ungeübte brauchen keine Furcht vorm Pferderücken zu haben. Der Möchtegern-Cowboy kann sich gänzlich dem Genuss hingeben, diese filmreife Landschaft auf sich wirken zu lassen und dabei auf einem echten Westernpferd zu reiten - die Zügel cowboy- like nur in einer Hand haltend, was einfach unglaublich cool rüberkommt.

Fernab der drei größten texanischen Städte Houston, San Antonio und Dallas ist es so einsam, dass auf den schnurgeraden, schier unendlich langen United States Highways Hunderte von Insekten ihr Leben an der Frontscheibe des Vehikels lassen müssen, ehe die Insassen von einem Örtchen zum nächsten gelangen. Lajitas ist ein solches Idyll, das streng genommen nur aus dem gepflegten Golf Resort & Spa besteht. Terlingua ist da schon eine andere Hausnummer - ein charmantes, weil größtenteils ruiniertes Ministädtchen für Einheimische. Diese sitzen auf der Veranda, leben - so ist zumindest der Eindruck von außen - ein wenig in den Tag hinein. Gesellschaftlicher Mittelpunkt ist das Starlight Theatre, das einst ein Lichtspielhaus war und heute eine sehenswerte Bar mit Livemusik ist.

Linda wohnt in der Nähe, zumindest relativ, und kommt darum öfter ins Starlight Theatre. Jeder Gast scheint jeden zu kennen, viele Unterhaltungen über Gott und die Welt sind die Folge. Wenn Linda genug der persönlichen Worte gewechselt hat, wirft sie mit der für Texaner typischen Freundlichkeit ein knackiges „Bye“ in die Runde. Ihr Lächeln verrät dabei tiefe Glückseligkeit. Weil sie tagtäglich diesen Traum leben darf.

Hin und weg

Anreise

Zum weltweit achtgrößten Flughafen Dallas/Fort Worth geht’s beispielsweise ab Frankfurt täglich mit American Airlines. Wer in den Big-Bend-Nationalpark will, fliegt weiter nach El Paso (90 Minuten) in den Westen von Texas, von dort sind es etwa fünf Autostunden gen Süden. Die Kosten für An- und Abreise, Unterkunft, Mietwagen und Erlebnistouren betragen für eine Woche mindestens 1900 Euro pro Person.

Beste Reisezeit

In den Frühjahrs- und Herbstmonaten sind die Temperaturen fast überall in Texas angenehm mild. Die größte Tornadogefahr besteht von August bis Oktober.

Dallas und Big Bend

Geeigneter Ausgangspunkt für einen Besuch im Big Bend mit seinem tierreichen State Park und dem urzeitlichen Nationalpark ist Lajitas an der US-Grenze zu Mexiko. Im Big Bend kann man reiten, wandern oder auf dem Rio Grande paddeln. Verbinden lässt sich die Texas-Reise mit einer zweitägigen Städtetour durch Dallas. In den vergangenen Jahren wurde das Mekka für Kunstliebhaber und Sportfans durch milliardenschwere Projekte aufgepeppt. Ein Touristenmagnet ist aber nach wie vor die Elmstreet, auf der am 22. November vor genau 50 Jahren Präsident John F. Kennedy erschossen wurde.

Weitere Informationen

traveltex.com

visitbigbend.com

bigbendstables.com

lajitasgolfresort.com

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Jens Burmeister 20.01.2014
13.01.2014