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Reisereporter Einmal Hogwarts und zurück
Reisereporter Einmal Hogwarts und zurück
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00:32 20.12.2014
Von Michael Pohl
In den Kulissen der Harry-Potter-Filme können nun Besucher wandeln. Quelle: Michael Pohl
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Leavesden

Er hat dieses Leuchten in den Augen, das man sonst eher bei Kindern sieht: Wenn Dan Quirke von Harry Potter erzählt, dann strahlt er aus vollem Herzen - obwohl der junge Mann dem Kindesalter mit Anfang 20 nun eigentlich entwachsen ist. Quirke ist durch und durch Fan dieser bekannten Zauber- figur. Und daraus macht er kein Geheimnis: Einmal habe er mit seiner Schwester bereits in der Tiefkühlabteilung des Supermarktes noch vor dem Kauf begonnen, den neuesten Band der Jugendbuchreihe um die Wette zu lesen. Sie sei schneller gewesen und habe ihm schnell das Ende zugerufen. Er stockt und reißt die Augenbrauen hoch: „Das macht mich heute noch so wütend, wenn ich nur daran denke.“

Quirke ist Mitarbeiter in den Warner Brothers Studios in Leavesden bei London. Insofern hat er für sich so etwas wie den idealen Job gefunden: In den Originalkulissen der Filmreihe steht er Tag für Tag, um den Besuchern bereitwillig Fragen zu beantworten und sie durch die Hallen zu führen. Und er verbindet damit etwas ganz Besonderes: In den letzten drei Filmen der Reihe hat er selbst mitgespielt - als Statist. Quirke stammt aus der Umgebung und war als Kind Teil einer Theatergruppe. Diese hatte sich irgendwann kollektiv zur Mitarbeit in den Studios angeboten und wurde prompt eingeladen. „Ich wollte schon immer hinter diesen Studiozaun“, sagt der junge Mann und hat schon wieder dieses Leuchten in den Augen. Irgendwann durfte er dann tatsächlich regelmäßig durch das weite Tor des Studiogeländes gehen. Ein Glückstag für ihn: „Ich hätte sogar kostenlos mitgemacht, so ein Fan war ich.“

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Harry Potter in der ehemaligen Rolls-Royce-Fabrik

Inzwischen aber dürfen auch andere Besucher einen Blick hinter den Zaun werfen: Seit 2012 lädt die Filmproduktionsfirma Warner Brothers hier in einer ehemaligen Rolls-Royce-Flugzeugteile-Fabrik ein zum „Making of Harry Potter“. Nachdem 2011 der letzte Teil der Reihe gedreht war, fragten sich die Verantwortlichen, was sie mit all den aufwendigen Kulissen der insgesamt acht Filme anstellen sollten. Alle Romanvorlagen waren verfilmt, im Grunde gab es keinen Bedarf mehr für die tatsächlich riesige „Große Halle“ von Hogwarts, für das Büro von Professor Dumbledore, den „Knight Bus“ und viele Hundert weiterer Utensilien. Joanne K. Rowling, die Autorin der Buchreihe, hatte deutlich gemacht, dass die Geschichte nun vollständig erzählt sei. Aus, Ende!

So entschieden sich die Verantwortlichen, alles in einer Ausstellung auf dem Studiogelände zu vereinen und den Fans zugänglich zu machen. Ein Erfolg ähnlich wie die Bücher und Filme, wie sich schnell herausstellte: Wer die Warner Bros. Studio Tour sehen möchte, muss sich auf lange Wartezeiten einstellen. Denn damit es nicht zu voll wird, können maximal 5000 Besucher pro Tag auf das Gelände. Karten müssen vorab im Internet für eine festgelegte Zeit gebucht werden, damit niemand den weiten Weg nach Leavesden vergebens unternimmt. „Wir sind derzeit sechs Wochen im Voraus ausgebucht“, verdeutlicht PR-Managerin Rachel Parsons.

Immer wieder bewegt sich ein Zauberlöffel

„The Making of Harry Potter“ ist alles andere als ein schlichtes Museum. Zwar sind die Hallen der Studio Tour nicht jene, in denen die Filme wirklich gedreht wurden - diese befinden sich nebenan -, doch hat man versucht, die Atmosphäre der Originalstudios auch hier in diesen Hallen aufzufangen. Besucher können gleich zu Beginn durch die „Große Halle“ spazieren. Sie sehen, wie Harry Potter auf einem Besen fliegen konnte, und können dies vor einer Greenscreen-Wand sogar selbst tun - auf einen grünen Hintergrund werden elektronisch vorab gedrehte Hintergrundszenen projiziert. Sie erfahren, wie aufwendig das Maskieren mancher Schauspieler gewesen ist, und laufen an den Originalkostümen vorbei. Immer wieder dreht sich etwas, bewegt sich ein Zauberlöffel im Topf, wird auf Monitoren gezeigt, wo die entsprechende Requisite im Film auftauchte. Und zwischendurch kann man sogar das „Butterbeer“ probieren, das die kleinen Magier im Film einst in Hogwarts zu sich nahmen. Und wenn die Besucher schließlich zu jenem riesigen Modell kommen, an dem alle Außenansichten von Hogwarts gedreht wurden, verstummen die meisten. So eindrucksvoll ist hier auch dieses Utensil mit Licht und Toneffekten in Szene gesetzt worden.

Die Studios verzaubern die Besucher - egal, ob sie nun eingefleischte Harry-Potter-Fans sind oder nicht. Manche bleiben fasziniert vor den aufwendigen Fassaden der Winkelgasse (Diagon Alley) stehen, durch die Potter-Darsteller Daniel Radcliffe einst marschiert ist, und ziehen dann nach einem Rundumblick weiter. Andere fotografieren jeden Winkel der Ausstellung - und sich selbst gleich dazu. „Der Rekord bei der Besuchszeit liegt bei über zwölf Stunden“, sagt Dominic Wong, Marketing und Communications Director der Studio Tour.

Auch Pierre Bohanna ist nach wie vor fasziniert von den Kulissen der Tour. Dabei kennt er sie nur zu gut - er war für sämtliche Requisiten in allen Harry-Potter-Filmen verantwortlich. „Wenn ich durch diese Ausstellung gehe, kommen Erinnerungen zurück“, sagt er. „Üblicherweise gestaltet man Kulissen, baut sie, Kameraleute filmen alles, und fertig“, erläutert er. Bei Harry Potter sei es anders gewesen. Mehr als zehn Jahre seines Lebens habe er in die Filmreihe investiert. „Das war eine fantastische Zeit.“ Die Ausstellung selbst sei ein unglaubliches Kompliment für die Arbeit von ihm und seinen Kollegen.

Nebenan entstand zuletzt ein Sherlock-Holmes-Film

Noch immer werden in den Studios nebenan aufwendige Filme gedreht. Zuletzt entstanden hier „Sherlock Holmes - Spiel im Schatten“, „300 - Rise of an Empire“ und „Edge of Tomorrow“. Ein Ende ist nicht absehbar. Auch Dan Quirke ist als Statist dabeigeblieben, erzählt er stolz. So wie bei Harry Potter sei es jedoch nie wieder gewesen, sagt er. „Wir waren damals eine große Familie.“

Das London Harry Potters

Überall in der britischen Hauptstadt wurden Außenaufnahmen für die Filmreihe gedreht. Die bekanntesten Orte im Überblick:

Reptilienhaus im Londoner Zoo: Hier stieß Harry Potter in „Der Stein der Weisen“ auf eine Schlange, die anschließend flüchtete. Das entsprechende Terrarium befindet sich gleich am Eingang. Das Reptilienhaus aus dem Jahr 1849 ist eines der zahlreichen alten Gebäude des Zoos.

King’s Cross Station: An diesem Bahnhof startet in den Filmen der Zug nach Hogwarts – wenngleich es einen Bahnsteig 9 3/4 eigentlich nicht gibt. Gedreht wurde zwischen den Bahnsteigen 4 und 5. Ein Schild sowie ein in der Wand endender Gepäckwagen erinnern heute an Bahnsteig 9 an die Dreharbeiten.

St. Pancras Station: Die wunderschöne neugotische Fassade dieses Bahnhofs direkt neben King’s Cross diente als Außenansicht für den Hogwarts-Express-Bahnhof. Von hier aus startete auch Weasleys verzauberter Ford Anglia in „Die Kammer des Schreckens“. St. Pancras ist eigentlich Endstation des Eurostars, der London mit Paris und Brüssel verbindet.

Leadenhall Market: In diesem prachtvollen alten Marktgebäude in der Londoner City befinden sich im „Stein der Weisen“ Teile der Winkelgasse – unter anderem der Zauberpub „Zum tropfenden Kessel“.

Millennium Bridge: Die Londoner nennen sie Wackelbrücke, weil sie nach der Fertigstellung so sehr gewackelt hat, dass erst noch Stoßdämpfer eingebaut werden mussten. Der britische Stararchitekt Norman Foster hat das Bauwerk entworfen. Harry Potter ist hier im „Halbblutprinz“ zu sehen.

Australia House: Die Innenansichten der Bank Gringott im Film „Stein der Weisen“ wurden hier gedreht. Das denkmalgeschützte Gebäude aus dem Jahr 1918 beinhaltet eigentlich die australische Botschaft.

Piccadilly Circus: Der Klassiker für jeden London-Besucher – dieser zentrale Platz zwischen der Regent Street und dem Leicester Square ist bekannt für seine bunte Leuchtwerbung und den immerwährenden Verkehrsstau. Harry, Hermine und Ron rennen hier im ersten Teil der „Heiligtümer des Todes“ durch das Londoner West End.

Hin und weg

Anreise: Mit British Airways oder Germanwings ab Hannover, Hamburg, Berlin oder Dresden nach London. Der nächstgelegene Flughafen ist Heathrow. Mit dem Auto über Calais oder Dünkirchen nach Dover oder ab Paris oder Brüssel mit dem Eurostar nach London. Leavesden bei Watford ist vom Bahnhof London-Euston aus in wenigen Minuten zu erreichen. Vom Haltepunkt aus fährt ein Pendelbus zum Studio. Eine direkte Busverbindung gibt es ab Victoria Station.

Eintritt: Erwachsene (ab 16 Jahre) 31 Pfund, Kinder (fünf bis 15 Jahre) 23,50 Pfund, Kinder unter vier Jahren frei, Familienticket 93 Pfund. Wichtig: Eintrittskarten können nicht vor Ort gekauft werden, man muss sie rechtzeitig via Internet vorbestellen. Die Karten sind oft Wochen im Voraus ausverkauft!

Weitere Informationen: Warner Bros. Studio Tour London Studio Tour Drive Leavesden WD25 7LR Telefon +44 (0)8450840900, www.wbstudiotour.co.uk/de

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