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Reisereporter Mittendrin im Dschungelbuch
Reisereporter Mittendrin im Dschungelbuch
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17:07 17.12.2013
Badezeit: In Pinnawela erfrischen sich die Dickhäuter im Ma Oya Lake. Quelle: Wulf
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Pinnawela

Erst ist es nur ein dumpfes Grollen in der Ferne. Wie bei einem Gewitter. Dazu passt es, dass die Ladenbesitzer an der Karandupona-Rambukkana-Road hektisch Tische, Stühle und Auslagen zurück in ihre Geschäfte räumen. Die graue Wand, die mit steigendem Lärmpegel am Ende der Straße auftaucht, hat dann aber so gar nichts mit einem Unwetter zu tun. Rund 80 Asiatische Elefanten stürmen in Richtung Ma Oya Lake. Badezeit im Dickhäuter-Waisenhaus Pinnawela in Sri Lanka.

Ein Waisenhaus für Elefanten

„Man kann die Uhr danach stellen“, sagt Guide Indica, der seit Jahren Touristen durch das Land führt. Zweimal pro Tag werden die Riesentiere in Richtung Wasser geführt. Jeweils zwei Stunden planschen sie in den Fluten. Zuschauer sind dabei ausdrücklich erwünscht. Im Jahr 1971 wurde das Waisenhaus einst mit vier Elefanten gegründet. Jungelefanten, die manchmal halb tot von der eigenen Herde in Schlammlöchern zurückgelassen wurden, werden nach Pinnawela gebracht. Mittlerweile sind hier bereits auch 22 Tiere geboren. Dreimal täglich bekommen die „Kleinen“ knapp 14 Liter Milch zu trinken. Wer von den Besuchern mag, kann bei der Fütterung helfen.

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Der Elefant als Nationalsymbol

Der Elefant ist neben dem Löwen das Nationalsymbol Sri Lankas. „Es war einst das Fortbewegungsmittel der Könige“, erklärt Indica. Und auch heute würden Mitglieder der höheren Kasten immer noch einen Dickhäuter haben wollen. Als Statussymbol. Umgerechnet 30.000 Euro muss man für einen jungen Elefanten in Sri Lanka auf den Tisch legen, wenn man ihn kaufen möchte. Das ist in Asien durchaus möglich. Auch eine in Sri Lanka lebende Frau aus Süddeutschland soll sich ein Tier zugelegt haben, will Guide Indica wissen.

Gefährliche Begegnung mit den Wildelefanten

Insgesamt leben mehr als 3.000 Wildelefanten auf der Insel, die nicht einmal so groß wie Bayern ist. Das kann manchmal zu kleineren Problemen führen (Wildwechsel nachts auf den Highways) oder auch zu größeren: Jedes Jahr werden Menschen von Elefanten, die in der Trockenzeit auf Wassersuche sind, totgetrampelt. Vor allem für die Veddas, die als die Ureinwohner Sri Lankas gelten und noch heute in Lehmhütten im Dschungel der Insel leben, können die Wildelefanten gefährlich werden. Den Ureinwohnern kann in ihrem kleinen Dorf ein Besuch abgestattet werden. Nur mit einem Lendenschutz bekleidet demonstrieren die Dorfältesten beispielsweise, wie man binnen weniger Sekunden mit zwei Steinen und etwas trockenem Gras Feuer machen kann. Doch die Verständigung mit den Veddas fällt selbst der einheimischen Bevölkerung Sri Lankas schwer. Die knapp 300 Familien des indigenen Volks sprechen eine alte, andere Sprache. Besonders laut wird es, wenn ein Elefant dem Dorf zu nahe kommt. Dann tanzen und schreien die Veddas sich in Trance, um gegen die grauen Riesen zu kämpfen – sicherheitshalber haben sie doch auch noch Pfeil und Bogen dabei.

Die Mahuts in Pinnawela brauchen keine Waffen. Mit kurzen, klaren Kommandos führen die Elefantenführer die großen Tiere über das Gelände, von den Futter- zu den Wasserstellen. Die Elefanten kennen das Prozedere, lassen sich scheinbar mühelos lotsen. Kinder, die das Schauspiel beobachten, imitieren die Elefantenführer. Wer von ihnen später einmal kein Cricketstar werden möchte, gibt Mahut als Berufswunsch an.

„Hier fühlt man sich wie mittendrin im Dschungelbuch

Besondere Pflege von den Mahuts benötigt die Elefantenkuh Sama. Sie hat nur noch drei Beine. Sama war als Jungtier auf eine Landmine getreten – Hinterlassenschaft des Bürgerkriegs im Land, der seit 2009 vorbei ist. Nach dem Ende des Sezessionskriegs zwischen den Tamilen im Norden und den Singhalesen in Sri Lanka zieht der Tourismus an. Überall, ob an den kilometerlangen weißen Stränden an den Küsten oder auch mitten im Urwald, entstehen neue Resorts nach westlichen Komfort-Standards. „Die üppige Tier- und Pflanzenwelt ist die vielleicht größte Gabe, die unser Land geschenkt bekommen hat“, sagt Indica. Den besten Eindruck davon bekommt man auf dem Sigiriya – dem „Löwenfelsen“. Wie aus dem Nichts taucht der rotbraune Klotz in der Landschaft auf. 200 Meter ist das Unesco-Weltkulturerbe hoch. Etliche Stufen auf schmalen Treppen führen bis ganz nach oben. Ein atemberaubender Panoramablick über die Dschungellandschaft Sri Lankas entschädigt für die schweißtreibende Mühe. In der alten Festungsanlage rund um den Felsen turnen Affen auf den Ruinen – hier fühlt man sich wie mittendrin im Dschungelbuch.

Beeindruckende Artenvielfalt

Leoparden, Wasserbüffel, Krokodile, Warane, Papageien: Die Artenvielfalt auf dem Inselstaat ist beeindruckend. „Wenn man mit der nötigen Geduld in unser Land kommt, kann man sie fast alle sehen“, sagt Indica nicht ohne Stolz. Und immer mehr Gäste aus dem Ausland kommen, um in die bunte Tierwelt einzutauchen. Die meisten wollen vor allem tatsächlich Elefanten sehen. Die Dickhäuter sind für Sri Lanka mittlerweile ein wichtiger Wirtschaftsfaktor geworden. Und die Ladenbesitzer der Karandupona-Rambukkana-Road machen auch aus deren Mist noch Geld. Für einige Rupien gibt es große Papierbögen zu kaufen. Zu 100 Prozent aus Elefantenkot.

Hin und weg

Anreise

SriLankan Airlines fliegt als einzige Airline aus Deutschland nonstop von Frankfurt am Main nach Colombo. Die Flugzeit beträgt rund zehn Stunden.

Beste Reisezeit

Empfehlenswert sind die Monate von Dezember bis März. Die Zeit ist regenarm, und es ist nicht zu heiß. Normalerweise regnet es zwischen Mai und Juni sowie im Oktober und November am meisten.

Prophylaxe

Es wird eine Impfung gegen Hepatitis A empfohlen. Außerdem empfiehlt sich ausreichender Moskitoschutz wegen des Malaria- und Dengue-Fieber-Riskos.

Visum

Ein Visum muss vor der Abreise online beantragt werden und kostet 30 US-Dollar.

Reisebeispiel

SKR Reisen bietet verschiedene Rundreisen durch Sri Lanka an. Eine 16-Tage-Reise kostet ab 2.069 Euro pro Person.

Weitere Informationen

SKR Reisen, Venloer Straße 47- 53

Jan Wulf

Stephan Fuhrer 22.04.2014
Michael Pohl 25.11.2013
Michael Pohl 18.11.2013