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Reisereporter Im Garten des Farbenmalers
Reisereporter Im Garten des Farbenmalers
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15:23 12.08.2013
Eingebettet in einem Meer aus Blumen liegt Monets Wohnhaus mit seiner rosafarbenen Fassade und den grün lackierten Fensterläden. Quelle: iStock
Giverny

Get away from botanical“ - „Lassen Sie doch bloß die Botanik aus dem Spiel!“ Energisch unterstreicht James Priest seine Worte mit einer wegwerfenden Handbewegung. Der drahtige Engländer, dem man ansieht, dass er sich viel und gerne an der frischen Luft bewegt, ist seit zwei Jahren Chefgärtner in Giverny. Er gibt dem berühmten Garten des impressionistischen Malers Claude Monet sein heutiges Gesicht. Davor war der 55-Jährige fast 17 Jahre lang für die Gärten des Barons de Rothschild in Chantilly verantwortlich.

Monets Ziergarten - „Clos Normand“ - ist ein großzügiges, rechteckiges Areal. Von der Hauptachse, die man direkt vom Wohnhaus über eine kleine Steintreppe erreicht, gehen rechts und links Wege ab, die in verschiedene Gartenräume führen. Obwohl streng geometrisch aufgeteilt, wirkt das Gelände einladend. Lässig, leicht. Doch jeder Zentimeter Garten ist akribisch genau gestaltet. Acht fest angestellte Gärtner und viele „volunteers“, freiwillige Helfer, formen von Hand diese inszenierte Natürlichkeit. Viele der Gärtner auf Zeit kommen aus Deutschland. „They fall in love with the garden“, freut sich James Priest über die jungen Leute, die sich in den Garten verliebt haben, um dort jetzt unentgeltlich unter seiner fachkundigen Anleitung zu arbeiten: Sie setzen Blumenzwiebeln, pflanzen Stauden, harken Beete, zupfen Unkraut und gießen.

600 000 Besucher aus aller Welt strömen von Frühjahr bis Herbst in den Künstlergarten in der Normandie. Sie tauchen ein in das Farbenmeer aus Rot-, Gelb- und Blautönen, das sich wie ein wogendes Leuchten vom üppigen satten Grün des Blattwerks der Blumen, Bäume, Büsche und Sträucher abhebt. Die Besucher können sich dem Sog dieses fast magischen Ortes nicht entziehen. So wie die deutsche Touristin, die immer wieder ihre Kamera zückt, um möglichst viele unwiederbringliche Momente festzuhalten - „Nein, dieses Licht, nein, diese Farben!“, seufzt sie glücklich.

Der Maler Claude Monet (1840-1926) zog mit seiner Familie 1883 nach Giverny und kaufte das gut ein Hektar große Gelände außerhalb des Dorfes, gelegen an einem Seitenarm der Seine. In der Nähe plätschert ein weiteres Flüsschen - die Epte. Das Haus, ein mehrfach umgebauter Bauernhof, bot Platz für die große, zusammengewürfelte Familie des Künstlers und seine zahlreichen Gäste - Malerkollegen, Kunstfreunde und Galeristen.

Aber Ausschlag für den Kauf des Grundstückes gab wohl der von Mauern umschlossene große Garten. Denn Monet liebte Blumen über alles. „Bis auf die Malerei und die Gärtnerarbeit tauge ich zu nichts“, soll er gesagt haben. An der rosafarbenen Fassade des Hauses ließ der Künstler Rosen emporklettern, in seinem Garten pflanzte er tausend verschiedene Blumenarten an.

Wer heute das Anwesen besichtigt, kann sich lebhaft vorstellen, wie der stattliche, vollbärtige Monet im hellen Anzug und mit Hut auf dem Kopf in seinem Garten spazieren ging. Den ganzen Sommer über malte er draußen. Eines seiner Lieblingsmotive war der Seerosenteich, den er als Erweiterung seines Ziergartens im 500-Seelen-Dorf Giverny anlegen ließ - gegen das anfängliche Misstrauen der Bauern. Sie befürchteten, die fremdartigen Pflanzen könnten das Wasser vergiften. Für seinen Teich, der die Seele seines Gartens werden sollte, kaufte er teure Wasserpflanzen und ließ sich eine japanische Brücke über den Teich bauen. Unter einem großen weißen Sonnenschirm saß der Künstler mit seiner Staffelei auf einem erhöhten Stuhl direkt am Ufer des Teichs. Stundenlang beobachtete er die Wasseroberfläche. Zu seinen Lieblingsmotiven gehörte auch die japanische Brücke. Heute fotografieren sich die Touristen gegenseitig auf dem hölzernen Bauwerk, über das sich idyllisch ein dichtes Dach aus Blauregen spannt.

Monets Teich- und Brückenbilder aus seinem Garten in Giverny wurden weltberühmt. Sie sind in Museen in Paris, London und Wien zu bewundern. Monets Garten ist „something living“ - „etwas Lebendiges“-, macht der Chefgärtner James Priest einer Besucherin klar. Diese fragt, welche Gestaltungskriterien er denn habe. „Monet wollte, dass alles ganz natürlich ist. Ihm war das Zusammenspiel der Farben wichtig, die Atmosphäre“, so Priest. Der Garten diente dem Künstler als Inspirationsquelle - er sollte ein Füllhorn sein! Monet liebte den Wechsel des Lichtes und die sich je nach Tages- und Jahreszeit verändernden Stimmungen.

Das wollte er in seinen Bildern festhalten. Deshalb lässt James Priest Details und botanische Genauigkeiten links liegen - eine wilde Mischung aus Rhododendren, Lupinen und Rosen für ein Beet ist für ihn völlig stimmig - und er ist überzeugt: Das ist in Monets Sinne. Souverän hat er sich darüber hinweggesetzt, was wissbegierige Besucher immer wieder bemängelt haben: Im gesamten Garten gebe es keine Schildchen mit den Bezeichnungen der jeweiligen Pflanzen! „Haben Sie auf einem von Monets Bildern irgendein Pflanzenetikett entdecken können?“, fragt er und grinst herausfordernd in die Besucherrunde.

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