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Reisereporter So werden Wanderer im Harz zum Kaiser
Reisereporter So werden Wanderer im Harz zum Kaiser
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11:31 12.07.2013
Begehrtes Souvenir: Ein Stempel der Harzer Wandernadel an der Stempelstelle 136 Eckersprung. Quelle: dpa
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Goslar

"Wissen Sie, wo hier der Stempelkasten ist?", fragt das Ehepaar aus Hannover, das bei Walkenried im Südharz durch den Wald wandert. Die Mittvierziger "arbeiten" an der Harzer Wandernadel und wollen ihr Stempelheft komplettieren. Knapp 300 Meter entfernt wartet, geschützt in einer speziellen Kiste, Stempel 167 "Ellrichblick". Wanderpass raus, Stempel rein, erst er, dann sie. Geschafft. Erst jetzt haben die Wanderer Muße, um den Blick unweit der früheren innerdeutschen Grenze über die Südharzer Berge schweifen zu lassen.

"Die Harzer Wandernadel boomt", sagt Andreas Lehmberg vom Tourismusverband HTV. "Die Leute sind wie verrückt hinter den Stempeln her." Genau 222 Stempelstellen gibt es im Harz: Mitten im Wald, auf Berghöhen, an Waldgaststätten, Schutzhütten, Aussichtspunkten, geologischen Besonderheiten oder historischen Stätten stecken die Stempel in witterungsbeständigen dunkelgrünen Kästen. "Das höchste Ziel der wandernden Sammler ist es, alle Stationen zu erwandern und sämtliche 222 Stempel im Wanderpass zu haben", sagt HTV-Sprecherin Eva Ronkainen. Schon in den ersten Jahren nach Start des Projektes 2006 wurden jeweils mehr als 10.000 Pässe ausgegeben.

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Die Tendenz ist steigend. "Das Konzept ist ideal", findet Tourismus-Unternehmer Thomas Havermann, der im Harz Wanderungen ohne Gepäck organisiert. "Viele Leute suchen sich die Touren nach den Stempelstellen aus." Probleme bereite es allerdings, dass die Stempel oft gestohlen werden, bedauert Friedhart Knolle vom Nationalpark Harz. "Das passiert ständig." Er vermute allerdings, dass die Täter nicht unter den passionierten Wanderern zu suchen sind. "Das sind eher reine Souvenirjäger." Wer vor einem leeren Stempelkasten steht, dem hilft ein Blanko-Notfallstempel, der sich im Onlineshop der Harzer Wandernadel ordern lässt. Dort gibt es – ebenso wie in vielen Harzer Tourismus-Einrichtungen – auch den Wanderpass (www.harzer-wandernadel.de) . Als Lohn für das Stempel-Sammeln winken diverse Auszeichnungen. Es beginnt mit der Wandernadel in Bronze für acht Stempel. Wer "Wanderkönig" werden will, braucht 50, der "Harzer Steiger 111 und der Wanderkaiser alle 222 Stempel.

Kinder können Wanderprinz oder -Prinzessin werden, wenn sie mindestens elf Stempel beisammen haben. Dabei gilt für das Sammeln ein beliebiger Zeitraum. Obwohl es ein großer Aufwand sei, alle Stempel zusammen zu bekommen, steigt die Zahl der Wanderkaiser nach Angaben des Harzer Tourismusverbandes von Jahr zu Jahr. 2012 gab es fast 400 neue "Kaiser". Für Wander-Unternehmer Havermann, der selbst begeistert Stempel sammelt, wird es mit der höchsten Auszeichnung allerdings so schnell nichts werden. Er hat seinen Wanderpass, in dem sich schon rund 170 Stempel befanden, aus Versehen maschinell reingewaschen.

dpa

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