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Reisereporter Im Slalom durch die Pulverberge Kanadas
Reisereporter Im Slalom durch die Pulverberge Kanadas
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00:10 05.01.2013
Spaß pur: Die Region in Alberta bietet gleich mehrere Weltklasse-Skigebiete. Quelle: srt, iStockphoto.com – Ben Blankenburg
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Calgary

Skilehrerin Zita Abächerli kennt sie alle: die versteckten Varianten in den Bäumen, die engen Passagen und die weiten Pulverhänge jenseits der Waldgrenze. Jetzt steht sie in 2690 Meter Höhe an der Bergstation von Kanadas höchster Sesselbahn im Skigebiet Sunshine Village bei Banff und erklärt die Möglichkeiten: „South Divide führt genau auf der Wasserscheide zwischen Atlantik und Pazifik entlang, ideal zum Warmfahren, tolle Aussicht bis zum Mount Assiniboine, das ist das kanadische Matterhorn. Wir können auch durch die Buckel und zwischen den Bäumen zum Tee Pee Town Lift abfahren.“

Am Vorabend hat sie uns, eine Gruppe von acht Tiefschneesuchern, am Flughafen Calgary aufgesammelt und ins Hotel nach Banff gefahren, einen Tisch bei Melissa’s reserviert und bei der Auswahl der Steaks beraten. Am nächsten Morgen nimmt sie uns beim Frühstück in Empfang, vertäut die Ski auf dem Dach des Vans, mit dem wir hinauf zum Skigebiet fahren, und teilt an der Talstation die Lifttickets aus. Zwischendurch hat sie sich noch um die Leihski gekümmert. So bleiben unsere Köpfe frei für die eine Sache, wegen der wir hier sind: die perfekte Linie in den perfekten Schnee zu ziehen.

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Zitas Welt sind die versteckten „Powder Stashes“ zwischen den Bäumen. Im Gegensatz zu vielen alpinen Gebieten kann man in Kanada innerhalb des erschlossenen Skiraums überall fahren - Grenzen setzt nur das eigene Leistungsvermögen. Zitas Begeisterung für den Slalom durch den Tannenwald wirkt sofort ansteckend. Vermutlich, weil sie immer da war, nur zwischenzeitlich von Maßregeln und Vorschriften verschüttet. Jetzt blitzt der Spieltrieb wieder auf, so wie in Kindertagen, als wir doch alle immer sofort in die Bäume abgebogen sind.

Das Skigebiet von Lake Louise, unserer nächsten Station, gilt als das landschaftlich schönste Nordamerikas. Uns bleibt der Blick von den Pisten zu den Gletschern des Mount Victoria wegen Nebel und Schneefall verwehrt. Dafür finden wir exzellente Bedingungen zwischen den Bäumen am Ptarmigan Lift. Für die steilen Rinnen in den Powderbowls auf der Rückseite des Mount Whitehorn ist die Sicht zu dürftig. Wir cruisen stattdessen über die breiten Pistenboulevards auf der Vorderseite, über die im November Weltcup-Abfahrtsrennen gehen.

Unser nächstes Ziel ist Kicking Horse, ein junges Skiresort oberhalb von Golden. Eine Gondelbahn führt hier über 1100 Höhenmeter hinauf zu Kanadas höchstgelegenem Bergrestaurant. Talwärts stehen mehr als 100 Varianten zur Auswahl, darunter nur eine leichte und zwei mittelschwere. Die Schneekorridore, die von den vier Graten North Ridge, South Ridge, CPR und Redemption Ridge hinunterstürzen, sind einfach durchnummeriert, Namensvorschläge ausdrücklich willkommen. Dumm nur, dass man immer bis zur Talstation abfahren muss: Während es oben heftig schneit, regnet es dort nämlich.

Also weiter - aber das ist leichter gesagt als getan. Der auf der Strecke nach Revelstoke gelegene Rogers Pass ist wegen Lawinengefahr gesperrt. Als Zita schon versucht, ein Quartier in Golden zu organisieren, kommt die Nachricht, dass es doch weitergeht. Knapp zwei Stunden später checken wir im Hillcrest Resort Hotel in Revelstoke ein. Das verfügt über alles, was man zwischen den Tagen am Berg so braucht: eine urgemütliche Lobby mit viel Holz, Naturstein und knisterndem Kaminfeuer, Massageabteilung, Whirlpool, Sauna und eine gut sortierte Bar.

Gebaut hat es der aus Wengen stammende Peter Schlunegger. Sein Urgroßvater arbeitete bereits 1899 als Bergführer am Rogers Pass. Schlunegger selbst ging als Heliskiguide nach Kanada und gründete 1978 Selkirk Tangiers Heliskiing. Dessen Skigebiet in den bis zu 3500 Meter hohen Selkirks und Monashee Mountains ist so groß wie Graubünden. Seit 2007 verfügt Revelstoke auch über ein durch Lifte erschlossenes Skigebiet. Den Heliskifahrern dient es als Ausweichmöglichkeit für die Tage, an denen wegen Schlechtwetter nicht geflogen werden kann.

So wie am nächsten Morgen. Die Wolken hängen tief, und es regnet in Strömen. Auf halber Fahrtstrecke geht der Regen in Schnee über, an der Bergstation schneit es in dicken Flocken. Die schlechte Sicht stört uns nicht, und so können wir den Neuschnee in vollen Zügen genießen. Genau 18,3 Meter fallen davon pro Winter auf die Hänge von Revelstoke - mehr als in jedem anderen kanadischen Skigebiet. Mit seinem Höhenunterschied von 1713 Metern ist Revelstoke sogar die Nummer eins in ganz Nordamerika.

Am kommenden Tag bessert sich das Wetter endlich. Beim Frühstück erfahren wir, dass es noch freie Plätze in einem Heli gibt. Das bedeutet: Jetzt oder nie, schließlich hat es in den Höhenlagen während der letzten 72 Stunden zwei Meter Neuschnee gegeben. Zwei Stunden und eine Sicherheitseinweisung später fliegen wir im knatternden Helikopter hinauf in die Monashees. Landung, aussteigen, ducken, warten, bis sich der maschinengemachte Schneesturm legt. Dann sehen wir ihn. Den perfekten Hang, dessen weiß glitzernder Schneedecke man ihre Leichtigkeit geradezu ansieht. Was folgt, ist eine traumhafte Abfahrt, die man nie wieder vergisst.

Anreise:
Air Canada fliegt täglich von Frankfurt in die ehemalige Olympiastadt Calgary, die niederländische Fluggesellschaft KLM bietet täglich Flüge via Amsterdam an. Von Calgary fährt ein Shuttle-Service nach Banff.

Skigebiete im Überblick:

  • Sunshine: 1660 bis 2690 Meter, 13 Lifte, 107 Abfahrten auf 88 Kilometer.
  • Lake Louise: 1646 bis 2637 Meter, 9 Lifte, 139 Abfahrten auf 80 Kilometer.
  • Kicking Horse: 1275 bis 2421 Meter, 5 Lifte, 106 Abfahrten auf 63 Kilometer.
  • Revelstoke: 512 bis 2225 Meter, 6 Lifte, 52 Abfahrten auf 84 Kilometer.
  • Sun Peaks: 1210 bis 2080 Meter, 11 Lifte, 124 Abfahrten auf 124 Kilometer.
  • Selkirk Tangiers Heliskiing: 800 bis 3000 Meter, 200 Abfahrten auf einer Fläche von 2000 Quadratkilometern.

Christoph Schrah

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