Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Reisereporter Grenzenloser Genuss
Reisereporter Grenzenloser Genuss
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:11 25.11.2013
Von Michael Pohl
Die Stadt Luxemburg galt wegen seiner Festungsanlagen lange als „Gibraltar des Nordens“.
Die Stadt Luxemburg galt wegen seiner Festungsanlagen lange als „Gibraltar des Nordens“. Quelle: LCTO/Giorgetti
Anzeige
Hannover

Es wird nicht groß drum herumgeredet in Luxemburg: Ein „Kippchen“ sei hier im Alltag schon mal ganz gern gesehen, heißt es. Und auch ohne nennenswerte Kenntnisse der Luxemburger Sprache merken Außenstehende schnell, was damit gemeint sein könnte. Ein Kippchen ist ein Gläschen, und zwar ein mit Champagner oder Crémant gefülltes – eine besondere Art des Genusses, weit entfernt vom schnöden Betrinken. Und vor allem nicht zu verwechseln mit den „Knippchen“, wie die Luxemburger ihre Pralinen nennen.

Sterneköchin Léa Linster lebt in Luxemburg

Léa Linster kennt sich in diesem Metier bestens aus. Die aus dem deutschen Fernsehen bekannte Spitzenköchin ist auch in ihrer Heimat Luxemburg eine echte Ikone. In Frisange, kurz vor der französischen Grenze, nur knapp 15 Kilometer von der Stadt Luxemburg entfernt, betreibt sie ihr Restaurant – und ist dafür bereits seit 27 Jahren mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet, außerdem mit dem begehrten Bocuse d`Or. „Am liebsten würde ich überall in Luxemburg individuelle Restaurants eröffnen“, sagt Léa Linster, bekleidet mit einer weißen Kochjacke, die so sauber und freundlich wirkt wie ihr ganzes Restaurant. „Einfach, damit die Leute gut essen können.“

Ein gehöriges Maß an Gemütlichkeit

Es lässt sich nicht leugnen: Hier im Großherzogtum zwischen Deutschland, Frankreich und Belgien wird das Leben genossen. Die Mosel mit ihren Weinbergen im Südosten, die malerischen Ardennen im Norden – Luxemburg strahlt schon durch seine idyllische Lage ein gehöriges Maß an Gemütlichkeit und Sympathie aus. Selbst wenn es den einen oder anderen in erster Linie wegen der niedrigen Benzin-, Kaffee- und Zigarettenpreise hierherzieht: Am Ende ist es doch eigentlich die Landschaft, die diese Gegend Europas auszeichnet. Und es sind die Menschen, die schon mit ihrer landestypischen Begrüßung „Moien“ eine Art von Gelassenheit ausstrahlen, wie man sie mitunter erst wieder in ländlichen Regionen Norddeutschlands vorfindet.

Traditionelle Sprachpflege

Bis heute wird die luxemburgische Sprache gepflegt. Zwar spricht fast jeder Bewohner auch Deutsch, die meisten zudem Französisch und weitere Sprachen – doch im Gespräch untereinander nutzen die Einwohner das Lëtzebuergische. Eigentlich handelt es sich dabei um einen moselfränkischen Dialekt, doch das hört mancher hier nicht so gern: „Es ist meine Sprache“, betont Renée Noesen, die in der Hauptstadt Luxemburg Besucher durch die engen Gassen und über die französisch anmutenden Plätze mit ihren zahlreichen Cafés und Restaurants führt. „Nicht bloß irgendein Dialekt.“

„Gibraltar des Nordens“

Über Jahrhunderte galt die auf mehreren Plateaus erbaute Hauptstadt des Landes wegen ihrer Festungsanlagen als das „Gibraltar des Nordens“. Geblieben ist davon nicht mehr viel – im Wesentlichen einige Kilometer in Felsen gehauene Fluchtgänge, die inzwischen ein beliebtes Touristenziel geworden sind. Oben auf dem Bockfelsen entstand Ende des 19. Jahrhunderts nach dem Abriss der Festungsanlagen ein neues Stadtzentrum, das im Ensemble mit dem Bahnhofsviertel und den beiden eher dörflichen Stadtteilen Clausen und Grund tief unten im Tal der Alzette seinesgleichen suchen dürfte. Das sah offenbar auch die Unesco so, die den historischen Kern sowie die verbliebenen Festungsbauten 1994 in die Liste des Welterbes aufnahm.

Eine Brücke aus rotem Stahl verbindet die Altstadt mit dem Kirchberg-Plateau, das seit den sechziger Jahren zum Europa- und Kunstviertel der Stadt ausgebaut wurde. Die Brücke ist eine Reminiszenz an die industriellen Wurzeln Luxemburgs: Lange Zeit war die Stahlindustrie der wichtigste Gewerbezweig des Landes. Mehrmals im Jahr tagt der Rat der EU auf dem Kirchberg. Zudem haben der Europäische Gerichtshof, der Europäische Rechnungshof sowie die Europäische Investitionsbank hier ihren Sitz. Luxemburg ist neben Malta der zweitkleinste Staat der EU – doch er dürfte einer der europäischsten sein. Was auch in der geografischen Lage begründet ist: Durch die Nähe zu Deutschland, Frankreich und Belgien kommen täglich rund 150.000 Pendler aus den Nachbarstaaten nur zum Arbeiten in das Großherzogtum. Was sich angesichts der Größe des Landes bemerkbar macht: Nur rund 530.000 Einwohner leben im ganzen Land, gerade einmal 100.000 in der Hauptstadt.

Eine multikulturelle Kleinstadt

„Luxemburg ist zwar im Prinzip eine Kleinstadt“, sagt Juniorforscherin Thekla Cordes, „aber eine multikulturelle“. Sie ist aus Lüneburg an die Mosel gereist, um hier in der Systembiomedizin zu forschen. Erst 2003 hat das Großherzogtum eine Universität gegründet, um langfristig nicht mehr nur vom Wirtschaftsfaktor Finanzen abhängig zu sein. Das hat auch Anna Heintz-Buschart aus Hannover hierher verschlagen. Mit Lebenshaltungskosten von wenigstens 900 bis 1.000 Euro monatlich sei der Alltag hier zwar nicht besonders preiswert. Doch das Umfeld wiege das auf. „Hier an der Uni ist man keine Nummer, sondern man kennt sich mit Namen“, betont Heintz-Buschart. „So wie im ganzen Land.“

Hin und weg

Anreise

Luxair fliegt ab Hamburg und Berlin nach Luxemburg-Findel, ab Leipzig und Dresden mit Zwischenstopp in Frankfurt bzw. München. Mit der Bahn ab Hannover via Köln, mit dem Auto via Köln.

Unterkunft

  • Le Royal, 12 Boulevard Royal: Fünf-Sterne-Haus direkt im Stadtzentrum von Luxemburg, sehr zentral. (www.leroyal.com/luxembourg)
  • Double Tree, 12 Rue Jean Engling: Modernes Vier-Sterne-Hotel außerhalb der Stadt -- sehr ruhig (http://doubletree.hilton.de)
  • Luxembourg City-Hostel, 2 Rue du Fort Olisy: Moderne Jugendherberge (Teil des internationalen HI-Netzes). (http://youthhostels.lu)

Restaurants

  • Restaurant Léa Linster, 17 Route de Luxembourg, Frisange: Sterne-Restaurant der aus dem Fernsehen bekannten Köchin.
  • Brasserie Mansfeld, 3 Rue de la Tour Jacob, Luxemburg: Ein Haus mit Geschichte im Luxemburger Stadtteil Clausen.
  • Mudam Café, 3 Park Dräi Eechelen, Luxemburg: Durchgestyltes Bistro im Kunstmuseum Mudam auf dem Kirchberg.

Museen

  • CNA Wasserturm, 1 Rue du Centenaire, Dudelange: Fotografieausstellung in einem früheren Wasserturm. Musée Dräi Eechelen, 5 Park Dräi Eechelen, Luxemburg: Historisches Museum über die früheren Festungsanlagen.
  • Mudam, 3 Park Dräi Eechelen, Luxemburg: Museum für zeitgenössische Kunst.

Tipp

Mit der Luxemburg Card hat man nicht nur freien Eintritt zu 50 Museen im ganzen Land – es kann damit auch der öffentliche Nahverkehr im ganzen Land kostenlos genutzt werden. Die Karte gibt es für ein bis drei Tage (11 bis 27 Euro).

www.visitluxembourg.com/de/luxembourg-card

Weitere Informationen

www.visitluxembourg.com/de

Michael Pohl

Michael Pohl 18.11.2013
Stefan Stosch 11.11.2013