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Reisereporter Mit der Muttergottes gegen den Mehltau
Reisereporter Mit der Muttergottes gegen den Mehltau
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00:15 15.10.2011
Urlaub am idyllischen Rebhang: Die Region Beaujolais – wie der kleine Ort Theizé – ist nicht nur für Weinkenner ein lohnenswertes Ziel. Quelle: iStockphoto/Volfoni
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Mâcon

Wer strahlende Augen sehen will, der muss ins Weinland Beaujolais fahren und nach dem Jahrgang 2009 fragen. Olivier Bérerd im kleinen Le Perréon etwa beteuert, dass sein Großvater Jean-Baptist sich an keinen vergleichbaren Jahrgang erinnern könne – und der ist immerhin 82 Jahre alt. Ihre Domaine de la Madone, die auf das 16. Jahrhundert zurückgeht, ist die älteste Kellerei vor Ort.

Wer allerdings weniger glückliche Gesichter erleben will, der muss nur das Stichwort Beaujolais Primeur erwähnen. Dieser junge und jung zu trinkende Rotwein war einer der spektakulärsten Marketingerfolge der siebziger und achtziger Jahre und brachte den einstigen Haustrunk Pariser Bistros in die Schickimicki-Bars der großen weiten Welt. Noch heute landet ein reichliches Drittel aller Gamay-Trauben im Primeur, aber zugleich hat diese Massenware das Image der Beaujolais-Weine ziemlich ramponiert. Die gibt es als Beaujolais, als Beaujolais-Villages und eben als Zehn-Lagen-Weine, von denen jeder seinen ganz eigenen Charakter hat. Ältere Weinfreunde erinnern sich noch, welchen Wohlklang Namen wie Fleurie, Morgon, Moulin à Vent oder Saint-Amour einst hatten.

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Den wollen die Beaujolais-Winzer jetzt zurückerobern. Unter anderem, indem sie den Weintourismus fördern. Beaujolais, das zwischen Lyon im Süden und Mâcon im Norden liegt, wirkt tatsächlich ein bisschen wie eine grüne Toskana. Nicht nur der Wein lockt, hier wird auch gut bis deftig gegessen, schließlich ist der Hügel über den Weingärten die Heimat der Ziegen, die für Käse sorgen. Und gleich hinter den Bergen werden die Charolais-Rinder groß, deren Entrecotes in Beaujolais-Bistros aber nicht immer angemessen zart gebraten werden. Man kann hier Natur erwandern und mit dem Rad erfahren und trifft dann schon mal auf Hasen oder Rebhühner mit Nachwuchs.

Zwei Stichworte helfen den Winzern bei ihrem Rehabilitierungsversuch

Terroir und autochthone Reben. Damit sind Weinsorten gemeint, die (fast) nur hier zu Hause sind. Und tatsächlich steht die Gamay-Traube für die Region Beaujolais – und umgekehrt. Weil aber die Gamay-Traube auf unterschiedlichen Böden höchst unterschiedlichen Charakter entwickeln kann, ist der Vergleich so spannend.

Wer die Bandbreite des Beaujolais, seiner Weine und seiner Winzer erfahren will, der macht sich auf ins hügelige Gelände. Entdeckungen gibt es viele zu machen: So unterschiedlich sind die Weine und die Winzer. Da gibt es die großen, traditionsreichen Weingüter und die jungen, aufmüpfigen Winzer. Das Châteaux de la Chaize etwa ist das größte und berühmteste Weingut im Süden Burgunds. Der Bauherr des Schlosses war der Bruder des Père la Chaize, der uns heute allerdings weniger als Beichtvater Ludwigs XIV., sondern als Namensgeber des berühmten Pariser Friedhofs Père Lachaise ein Begriff ist. Hier zeigt sich, wie sich Tradition mit neuer Technik und umweltbewusstem Handeln verbinden lässt.

Eher alternativ geht es bei jungen Winzern wie Richard Rottiers zu, der schon mal einen Schlauch im Obergeschoss quer über die enge Straße legt, um seinen Wein von der kleinen Garage in den kleinen Keller zu pumpen. Aber alternatives Denken findet man auch in großen Häusern wie dem Château des Jacques, das zwar zum großen burgundischen Weingut Louis Jadot gehört, aber eigenständig geführt wird. Hier nennt sich der Chef nicht „Winemaker“, sondern „Winefather“ und vergleicht schon mal seinen 2005er mit Antonio Salieri und seinen 2009er mit Wolfgang Amadeus Mozart. 2009, da sind sich eben alle einig, ist hier im Beaujolais doch etwas ganz Besonderes.

Rainer Wagner

Weitere Informationen
www.franceguide.com

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