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Reisereporter Mit künstlichen Fellen auf den Berg
Reisereporter Mit künstlichen Fellen auf den Berg
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16:30 20.01.2009
Nationalpark Kärnten
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Für sie war es nur ein Gag, für uns heute kann es ein großer Spaß sein: Jeden Sommer kamen Franz Klammer und Annemarie Moser-Pröll, die Stars des Skizirkus in den siebziger Jahren, auf den Mölltaler Gletscher, um den Saisonschluss mit einem Juxrennen zu feiern. Sie trugen ihre Ski noch selbst zum Start. Das müssen wir heute nicht mehr – wir könnten es aber, denn: Auf eine Skitour zu gehen wird immer beliebter.

Der leichtere und schnellere Weg ist der mit der Gondel, die einen gemütlich auf 3150 Meter Höhe bringt. Ohne lange in der Schlange stehen zu müssen, schaukeln wir der Sonne entgegen. Das Tal hat sich unter die Wolken gekuschelt, hier oben strahlt die Sonne vom blitzeblauen Himmel und lässt den Schnee glitzern. Österreichs höchster Berg, der Großglockner, grüßt freundlich herüber. Dem Himmel so nah ist es leicht zu vergessen, dass man in den vergangenen Jahren immer höher hinauf musste, um abwärts fahren zu können.

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Links vom Lift geht es auf die gut präparierte Piste. Aber auch, wer sich einmal im „Freeriding“ probieren will, kann das tun. Das Fahren abseits der Pisten ist „in“. Allein sein. Der Erste sein. In unberührten Schneedecken seine individuelle Skispur hinterlassen und nicht auf einer präparierten Piste mit zahlreichen anderen hinabwedeln. Das Gefühl zählt. Die Gefahr wird meist ausgeblendet.

Am Mölltaler Gletscher gibt es einen Kompromiss: Rechts vom Lift ist ein „Freeride“-Gelände abgesteckt. Markiert, aber nicht präpariert, lautet die Devise. Die Sicherheit steht an erster Stelle. Dennoch sollte, wer sich in dieses Gebiet wagt, sicher auf den Brettern stehen und Kondition haben. Denn Pulver-und Tiefschnee kosten Kraft.
Schnee hat es schon Anfang Dezember sehr viel gegeben. So viel, dass der Bürgermeister von Heiligenblut sogar den Eltern seiner Gemeinde an manchen Tagen empfohlen hat, ihr Kinder nicht zur Schule zu schicken. Über Nacht waren bis zu 150 Zentimeter Neuschnee gefallen. Einige Orte Kärntens waren von der Außenwelt abgeschnitten.
„Wir hatten drei Jahre lang nicht mehr so viel Schnee”, erinnert sich Kathrin, die in Heiligenblut wohnt. Als sie das sagt, schwingt ein etwas verwunderter Unterton mit, so, als sei die Kunst, Schnee zum Spaß werden zu lassen, fast schon natürlich geworden. Denn natürlich wurden auch in den vergangenen Wintern die Pisten im Skigebiet Kärnten beschneit. Der Gast im Gebiet rund um den Großglockner sollte sich als Schneekönig fühlen – egal, ob Frau Holle nun Lust hatte oder nicht, ihre Betten für ihn aufzuschütteln. Das übernahmen die Kärntner gern für ihn. Denn: Skifahrer bringen ihr Geld mit und lassen ihr schlechtes Gewissen häufig zu Hause. Prima Klima, oder etwa nicht?

Nicht mehr so ganz. Immer mehr Freunde des Wedelns geraten angesichts aktueller Klimadebatten ins Schwanken. Sie fragen sich: Skilaufen und Naturschutz – wie passt das zusammen? Antworten darauf versucht jetzt ein auf den ersten Blick ungewöhnlicher Zusammenschluss zu geben: Der Nationalpark Hohetauern macht mit der Initiative Ski Kärnten gemeinsame Sache.

„Die Tatsache, dass eine Nationalpark-Verwaltung, die sich normalerweise mit Schutzgebiets-Management beschäftigt, für touristisches Marketing zuständig ist, ist zweifellos ungewöhnlich“, gibt Andreas Kleinwächter zu, der den Nationalpark in Sachen Marketing vertritt. Die Kombination funktioniere aber – vor allem für den Gast: „Denn neben dem klassischen Skilauf werden vor allem Schneeschuhwanderungen und Skitouren im Nationalpark immer beliebter – bei uns finden Gäste die passenden Angebote.“

Besonders die Skitouren finden immer mehr Anhänger. „Allein in Österreich gibt es schon 700 000 Fans“, schätzt Kleinwächter. Während einst Franz Klammer und Annemarie Moser-Pröll mangels Möglichkeit ihre Ski den Berg hinauf schleppten, verzichten die heutigen Skitour-Fans freiwillig auf Lifte. Sie sehen sich als ökologisch bewusste, winterliche Wanderer. Sie schnallen sich zwar die Ski bereits beim Aufstieg unter und präparieren sie mit künstlichen Fellen, damit sie nicht gleich wieder den Berg hinunterrutschen, fahren dann aber wie „Freerider“ jenseits der Pisten hinab. Ihre Message: Ökologie kann cool sein.
„Da das jedoch nicht ganz ungefährlich ist, sollte man unbedingt einen erfahrenen Skitouren-Führer dabei haben“, betont Kleinwächter. Sonst wird aus der großen Gaudi ganz schnell eine Gefahr, wenn dann wieder einmal aus heiterem Himmel ganz natürlich viel Schnee fällt.

Skigebiet Kärnten
Dazu gehören die drei Skigebiete Heiligenblut/Großglockner, Mölltaler Gletscher und Mallnitz/Ankogel.
Großglockner/Heiligenblut
Tageskarte: Erwachsene zahlen 35 Euro, Kinder 17.50 Euro.
Mölltaler Gletscher
Tageskarte: Erwachsene zahlen 37 Euro, Kinder 18.50 Euro.
Mallnitz-Obervellach
Tageskarte Erwachsene zahlen 34,50 Euro, Kinder 17,50 Euro.
Weitere Informationen
Kärntner Nationalparkfond Hohe Tauern, Döllach 1, 9843 Großkirchheim, Österreich, Tel. (0043-48/252/ 0049.
www.ski-kärnten.at
www.nationalpark-hohetauern.at