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Reisereporter Muskelkater inklusive
Reisereporter Muskelkater inklusive
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13:51 09.02.2011
Urlaub mit Hanteln und Pulsmesser: Fitness und Wellness sind in der Millionenstadt Miami längst zu einer ernsthaften Angelegenheit geworden.
Urlaub mit Hanteln und Pulsmesser: Fitness und Wellness sind in der Millionenstadt Miami längst zu einer ernsthaften Angelegenheit geworden. Quelle: istockphoto
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Der Himmel über Miami erscheint zu dieser Jahreszeit, wenn es in Deutschland eher grau ist, noch ein bisschen blauer; die Sonne ist noch ein bisschen strahlender, der Rasen noch ein bisschen grüner. Und der Ton ist noch ein bisschen rauer. Die Gruppe schwitzender Freizeitsportler im Hotelgarten lässt sich jedenfalls schwer übersehen.

Holzschwerter klappern unbeholfen aufeinander, acht Frauen und Männer sind sichtlich um Körperbeherrschung bemüht, als sie sich bereitwillig über den Rasen scheuchen lassen. Und vorn steht Lois Forte und gibt die Richtung vor. „Links! Rechts! Schlag!“, ruft sie, und nur wenig später liegt ihr die Gruppe keuchender Sportler auf Kommando zu Füßen: Liegestütze. Jungshin ist eine Mischung aus asiatischem Schwertkampf und Ausdauertraining, Forte gibt dabei den Drillmaster und ruft ihre Kommandos in energischem Ton über den Rasen. Das hier ist keine Spaßveranstaltung, hier geht es um Fitness. Und Lois Forte, daran lässt die drahtige Frau keinen Zweifel aufkommen, nimmt Fitness sehr ernst.

Fitness und Wellness sind längst zu einer ernsthaften Angelegenheit geworden in Miami. Viele sehen vor allem Kalifornien als Trendsetter in Sachen Fitness, doch die Ostküste der USA steht dem Westen in dieser Hinsicht in nichts nach. In Miami wird nicht weniger geschwitzt und getrimmt als in Los Angeles; immer mehr Einwohner sind in den zahllosen Fitness-Studios der Stadt unterwegs, und auch die Touristen haben die Vorzüge Miamis entdeckt, wenn es darum geht, sich in Form zu bringen: Die Stadt wirbt mit 360 Sonnentagen im Jahr; Winter, Frühjahr oder Herbst sind hier am Atlantik die perfekte Jahreszeit, um unter freiem Himmel an der Fitness zu feilen und sich dabei ein bisschen das Hirn durchpusten zu lassen. Denn das ist ja das Schöne am Sport: Es lässt sich so herrlich dabei abschalten.

In Shorts und Badelatschen

Miamis Wellness-Tempel haben Hochkonjunktur; das Canyon Ranch, eines der exklusivsten Hotels in Miami Beach, direkt am Atlantik, stellt das Wohlfühlprogramm in den Mittelpunkt seiner Philosophie. Fünf Sterne, aber an der Bar oder im Restaurant ist der Gast auch in Shorts und Badelatschen gern gesehen. Das Ganze wirkt wie ein gepimptes Luxus-Fitness-Studio à la Aspria oder Holmes Place. Der Reisende bucht gleich eine ganze Reihe voller Fitness-Angebote mit, zwischen 45 und 60 Kurse jeden Tag, aus denen er wählen kann, den Muskelkater gibt es gratis dazu.

Aber es muss ja nicht gleich das Bootcamp sein, zum Einstieg tun es auch die Ergometer im Fitnessstudio, Kinesis oder der Yoga-Kursus. Manager aus Städten entlang der ganzen amerikanischen Ostküste lassen sich im Canyon Ranch persönliche Fitness- und Trainingsprogramme erstellen, um den Stress des Büroalltags abzubauen.

Städte verkörpern immer ein bestimmtes Bild, und wenn Los Angeles die Freizeitstadt ist, in der die Leute stets in kurzen Hosen herumzulaufen scheinen, und New York die ernsthafte Finanzmetropole mit viel Schlips und Kragen, dann ist Miami der Partylöwe. Die knallbunten Neonreklamen der Nachtklubs und Bars im Art-déco-Viertel von South Beach haben das Image der Stadt über Jahrzehnte geprägt, jetzt möchte Miami gern ein neues Bild pflegen, das auch viel mit Farbe zu tun hat, aber nur wenig mit Neon: Miami entdeckt die grüne Ader.

Im Mai 2008 kürte das US-Magazin „Forbes“ Miami wegen guter Wasserqualität, einer relativ geringen Luftverschmutzung und eines stadtweiten Recyclingprogramms zur saubersten Stadt der USA. Und das gestiegene Bewusstsein für den eigenen Körper ist ein Teil dieser grünen Welle. Gerade ist Deco Bike an den Start gegangen, und für eine amerikanische Metropole ist das Unternehmen fast schon eine Sensation: Mehr als 100 Fahrradstationen hat Deco Bike in Miami Beach aufgestellt, an denen sich stunden-, tage- oder auch monatsweise Fahrräder mieten lassen. Nicht nur von Einwohnern, auch von Touristen.

Solche sogenannten Bike-Sharing-Programme sind in Europa ein alter Hut, in vielen Großstädten der USA aber werden Radfahrer immer noch ungläubig angeschaut. Ob das Fahrrad das Auto ausgerechnet in einer Stadt zurückdrängt, in der für viele Besucher pink Cadillacs ebenso zum Straßenbild gehören wie Palmen, sei einmal dahingestellt. Dabei ist es ein Spaß, durch South Beach zu strampeln oder bei strahlendem Sonnenschein auf der Strandpromenade am azurblauen Atlantik – und das Rad irgendwann an der nächsten Selbstbedienungsstation wieder abzustellen.

Miamis grüne Ecken spielen auch im touristischen Bereich und beim Stadtmarketing eine immer wichtigere Rolle. Die Everglades zählen zu den spektakulärsten Nationalparks der Welt, aber manche Perlen liegen schon direkt vor der Küste von Miami Beach. Das Unternehmen Dragonfly Expeditions bietet Kajaktouren in der Biscayne Bucht an, und wer sich auf das Abenteuer in den schaukelnden Booten einlässt und dem Lärm der Großstadt davonpaddelt, der begibt sich in eine andere Welt: eine kleine Zeitreise in die Vergangenheit Miamis.

In dem glasklaren Wasser lassen sich Rochen beobachten, neugierige Pelikane kommen angeflogen, und in den Mangrovenwäldern bekommt man eine Vorstellung davon, wie es hier vor gut hundert Jahren ausgesehen haben muss. Denn das wird gern vergessen: Miami ist eine junge Stadt, die erst 1896 gegründet wurde und sich im Expresstempo zu einem Großraum mit heute rund 2,3 Millionen Einwohnern entwickelt hat.

Zurück geht es mit einem kurzen Abstecher über ein Sandbank, das Wasser ist an der Stelle warm wie in einer Badewanne, und während sich der nächste Muskelkater schon vorsichtig ankündigt, bleibt die Frage, was das nächste Ziel wohl ist. Das Hotel, um sich die müden Muskeln auf der Massagebank durchkneten zu lassen? Oder der Strand, um ein bisschen auszuspannen? Miami bleibt auch weiterhin die Stadt, in der die Menschen gern zeigen, was sie haben – und ein paar Trainingseinheiten mit Holzschwert oder Paddel verleihen einem zumindest das Gefühl, gegen die modellierten Muskelpakete an den weißen Stränden der Stadt nicht ganz abzufallen.

Stefan Knopf

Anreise
Air Berlin fliegt Miami täglich an, Lufthansa bietet über ihre Partner mehrere Verbindungen am Tag. Auch die großen US-Fluggesellschaften fliegen regelmäßig in die Stadt. Der Flug dauert rund zehn Stunden.

Reisezeit

Miami ist ein idealer Ort zum Überwintern, im Sommer kann es unerträglich heiß und schwül werden. Als beste Reisezeit gilt der Zeitraum zwischen Oktober und April, dann sind auch die Niederschläge am geringsten. Im November beginnt die Hochsaison. Die Hurrikansaison dauert offiziell vom 1. Juni bis zum 30. November, die Wahrscheinlichkeit, dass tatsächlich ein Wirbelsturm auf die Stadt trifft, ist zwischen Mitte August und Ende September am höchsten.

Tipp

Dragonfly Expeditions bietet halb-, ganz- und mehrtägige Touren in die nähere und weitere Umgebung von Miami an. Wer Disneyland-Ausflüge und Remmidemmi erwartet, ist hier allerdings falsch: Dragonfly setzt auf „grünen Tourismus“ und will den Besuchern die Kultur und Geschichte der Region näherbringen. Die Touren werden individuell vereinbart, deshalb ist eine vorherige Anmeldung zwingend. Am besten schon bei der Reiseplanung in Deutschland kontaktieren.

Weitere Informationen
Fremdenverkehrsamt der Stadt: Greater Miami Convention & Visitors Bureau,
701 Brickell Avenue, Suite 2700, Miami, FL 33131 USA
www.miamiandbeaches.com