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Reisereporter Sanfter Riese mit Geschmack
Reisereporter Sanfter Riese mit Geschmack
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11:55 28.10.2013
Von Jens Burmeister
Der 360-Einwohner-Ort Torla markiert den Eingang zum Ordesa-Nationalpark. Quelle: Burmeister
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San Sebastian

Grandiose Naturkulissen brauchen keinen Dramaturgen oder Regisseur. Ihr Schauspiel kommt ohne Darsteller und Leuchtmeister aus. Vor allem dann, wenn sie ein Geheimtipp sind. Und das ist der Ordesa-Nationalpark um den 3.355 Meter hohen Monte Perdido in den spanischen Pyrenäen auf alle Fälle. Vom Dörfchen Torla aus bietet sich ein imposanter Blick auf die bis zu 1.000 Meter hohen Kalksteinwände des Massivs, die im Abendlicht ockerfarben glühen und Lust auf eine Wanderung in den 1918 geschaffenen Nationalpark machen.

„Ins Herz der Pyrenäen

Am nächsten Tag geht es los. Mitten ins Herz der Pyrenäen, vorbei an urigen Steinhäusern und verlassenen Weilern, die von der Landflucht künden, hinein in das Hochtal des Rio Ordesa. „Schaut!“, ruft Reiseleiter Patrick Herzog plötzlich und zeigt nach oben. Wie in Zeitlupe kreisen über uns Gänsegeier, die Könige der Lüfte in den Pyrenäen. Mit Flügelspannweiten von 2,50 Metern gehören sie zu den beeindruckendsten Tieren dieser Bergwelt.

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Die rund 200 Dreitausender des mächtigen Gebirgszuges zwischen Spanien und Frankreich, in denen sich auch noch der Zwergstaat Andorra versteckt, entzückten in den zwanziger Jahren schon Kurt Tucholsky. „Ihre Linien sind sanft geschwungen, der scharfe Grat ist hier selten. Es ist wie erstarrte Musik in diesen Höhenzügen“, schrieb er.

Und tatsächlich. Das Monte-Perdido-Massiv wirkt kolossal, wie von Gigantenhand geschaffen – aber dennoch wie ein sanfter Riese. Am Ende des Tals lässt er Flusswasser am Cola de Caballo – dem Pferdeschwanz-Wasserfall – in malerischen Kaskaden herunterrauschen. Für ein Picknick gibt es wohl keinen besseren Ort.

Der Cirque de Gavernie

Oder doch? Denn gleich hinter dem Perdido-Massiv gibt es ein weiteres Naturschauspiel auf der französischen Pyrenäenseite zu bewundern – den Cirque de Gavernie. Der gigantische, etwa zehn Kilometer lange Talkessel gleicht einem riesigen Amphitheater. Fast senkrecht ragen die fast 1.500 Meter hohen Steinwände in den Himmel. Wir kommen uns vor wie Zwerge inmitten dieser Felsen, an dessen Ende die Grande Cascade liegt, mit 422 Metern einer der höchsten Wasserfälle Europas. Hier stürzt Wasser aus einem unterirdischem Gletschersee in die Tiefe.

Doch die Pyrenäen bieten weit mehr als spektakuläre Naturwunder und verwunschene Wanderwege. Schon Tucholsky schwärmte oder amüsierte sich in seinem „Pyrenäenbuch“ über fromme Wallfahrtsorte wie Lourdes, baskische Sportarten wie das Ballspiel Pelota, trutzige Burgen und verschlafene Orte.

Ausgangspunkt: San Sebastián

Ausgeschlafen zeigt sich das baskische San Sebastián an der Atlantikküste, ein idealer Ausgangspunkt für jede Pyrenäentour. Das hat mehrere Gründe: Einerseits ist das Gebirge von hier nah. Andererseits sollte sich jeder Wanderer erst stärken. Und dafür ist das einst royale Seebad genau richtig, denn hier werden die besten Tapas Spaniens angeboten, die im Baskenland Pintxos heißen. In den Bars, die sich in der Altstadt von San Sebastián wie an einer Perlenkette aneinanderreihen, biegen sich die Tresen unter der Last der Servierplatten voller kleiner Weißbrotscheiben – belegt mit iberischem Schinken, Käsesorten jeden Geschmacks, gefüllten Oliven, Sardellen, Lachs, Omeletts oder Morcilla, einer spanischen Blutwurst. Dazu gibt es Txakoli, einen baskischen Weißwein, der in hohem Bogen in die Gläser ausgeschenkt wird, damit er ordentlich perlt. Nach diesem Pintxos-Erlebnis ist eines klar: Die Basken haben zwei Zuhause – ihre Familie und ihre Bar, die sich am frühen Abend in ein Schlaraffenland verwandelt.

Besonderer Bergkäse

Berühmt sind die Pyrenäen vor allem für den Bergkäse, der hier entsteht. Und wie der hergestellt wird, das weiß kaum einer besser als José Antonio Tarrau, der im 63-Seelen-Ort Bagergue im idyllischen Aran-Tal einen Familienbetrieb führt. Dort, wo der Blick frei wird auf den vergletscherten Gipfel des Aneto, dem mit 3.404 Metern höchsten Punkt der Pyrenäen, wo man noch Aranesisch spricht und wo es so schöne romanische Kirchen wie kaum anderswo gibt, formt José wöchentlich fast 300 Käselaiber. Das Geheimnis seines Erfolgs? Eine fein austarierte Mischung aus Essig, Olivenöl und Armangnac, in die der Käse gebadet wird. „Anschließend muss er ein paar Monate reifen – in aller Seelenruhe. Dann schmeckt er köstlich“, verrät Tarrau und schnalzt dabei mit der Zunge. Wir können es nur bestätigen.

Anreise

Direkte Verbindungen von deutschen Flughäfen bestehen zu den Städten in relativer Nähe zu den Pyrenäen: Bilbao, Barcelona oder Toulouse

Mit dem Auto sind die Pyrenäen für Norddeutsche am bequemsten über Paris auf der A 10 in Richtung Bayonne oder Tarbes zu erreichen. Alternativ über Lyon in Richtung Mittelmeer. Spanische und französische Autobahnen sind gebührenpflichtig.

Angebote

Studiosus bietet eine Wanderreise inklusive Aufenthalten in Bilbao und Barcelona an. 15 Tage sind ab 2.695 Euro buchbar, Näheres unter Telefon: (0 08 00) 24 02 24 02.

Weitere Informationen

Spanisches Fremdenverkehrsamt, Telefon: (030) 8 82 65 43

www.spain.info

www.studiosus.com

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