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Reisereporter Strandurlaub in der Dominikanischen Republik
Reisereporter Strandurlaub in der Dominikanischen Republik
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00:50 07.07.2012
Abseits der Touristenhochburgen der Dominikanischen Republik gibt es noch einsame Traumstrände. Quelle: godominicanrepublic.com
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Santo Domingo

Der erste Europäer auf dieser paradiesischen Insel konnte kaum prominenter sein: Es war immerhin Christoph Kolumbus, der das heutige Gebiet der Dominikanischen Republik Ende des 15. Jahrhunderts betrat. Von Urlauberhochburg konnte damals freilich keine Rede sein - doch man kann erahnen, dass die Schönheit der Karibik auch damals schon umwerfend gewesen sein muss. Sie ist es bis heute geblieben.

Auf Kolumbus geht auch die Gründung der Hauptstadt Santo Domingo zurück. Der berühmte Entdecker soll 1496 den Startschuss für den Bau einer Siedlung gegeben haben. Die eigentliche Stadtgründung erfolgte jedoch erst zwei Jahre später durch Kolumbus’ Bruder Bartolomeo. Als „La Nueva Isabela“ war sie damit die erste von Europäern gegründete Stadt auf amerikanischem Boden.

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Die damals eher unscheinbare Siedlung sollte jedoch nur kurz bestehen - ein schwerer Hurrikan und eine Ameisenplage ließen die ersten Bewohner entnervt aufgeben. Im Jahr 1502 ließ der damalige spanische Inselchef Nicolás de Ovando das Städtchen deshalb kurzerhand am Westufer des Flusses Ozama neu errichten. Und er wollte dabei nichts dem Zufall überlassen. Emsige Vermesser gingen ans Werk, um die künftige Metropole auf dem Grundriss einer Idealstadt zu errichten. Sie wurde schließlich zum Vorbild für die neu gegründeten Städte Lateinamerikas, die alle demselben Muster folgen: rechtwinklig angelegte Straßen, die auf einen zentralen Platz führen.

Das koloniale Erbe Santo Domingos ist auch heute noch allgegenwärtig. Sichtbar wird dies vor allem in der Altstadt Zona Colonial, die Touristen bequem zu Fuß oder auch mit dem urigen Zug „Chu Chu Colonial“ entdecken können. Die Touristenbahn beginnt ihre rund 45 Minuten dauernden Touren auf der innerstädtischen Flaniermeile Calle Isabel La Católica gegenüber dem Columbus Park. Zwischen 9 und 17 Uhr zuckelt die Bahn durch die Straßen. Und dabei geht es oft mitten durchs pralle Leben. So lassen sich beispielsweise auch dominikanische Männer bei einer ihrer liebsten Beschäftigungen beobachten: In der Fußgängerzone Calle Conde wird mitten auf der Straße Schach gespielt - gut erkennbar an den Menschentrauben, die das Geschehen mit großem Interesse verfolgen.

Eines der eindrucksvollsten Bauwerke in der Altstadt ist der Alcázar de Colón, in dem Diego Colón, der Sohn von Christoph Kolumbus, residierte. Die Residenz des Vizekönigs war rund 60 Jahre Sitz der spanischen Kolonialregierung der Neuen Welt, von hier aus wurde ein ganzer Kontinent erobert. Hinter den dicken Mauern des auch „Haus des Prinzen“ genannten Gebäudes planten die Spanier die Eroberung von Guatemala, Kuba, Peru, Mexiko, Florida, Puerto Rico, Kolumbien und Jamaika. Vor einem halben Jahrhundert wurde es umfassend restauriert und beherbergt heute das Vizekönigliche Museum. Historische Superlative finden sich in Santo Domingo fast an jeder Ecke.

Mit der Calle de las Damas gibt es die älteste Steinstraße der Neuen Welt, die Mauern von San Nicolás de Bari beherbergten das erste Krankenhaus, und schließlich ist Santa Maria de la Encarnación die erste erzbischöfliche Kathedrale der Neuen Welt. Ihr Bau erzählt auf ganz eigene Weise von der Jagd nach Gold und Abenteuern.

Architekt Alonso de Rodriguez erhielt am 25. Mai 1510 den königlichen Auftrag, im damaligen Santo Domingo de Guzmán eine Kathedrale zu errichten. Der Bau ging zügig voran, doch die Nachrichten von der Eroberung neuer Länder verbreiteten sich in Windeseile. In den Steinmetzen erwachte die Abenteuerlust - sie kündigten kurzerhand und ließen das Gotteshaus unvollendet. Rodriguez schnappte sich seine Baupläne und errichtete schließlich im heutigen Mexiko-Stadt eine Kathedrale. Das Gotteshaus in Santo Domingo blieb eine Bauruine, bis 1521 der neue Grundstein gelegt wurde. Im Jahr 1540 wurde der Bau für beendet erklärt, obwohl er es genau genommen gar nicht war - denn bis heute blieb der Glockenturm unvollendet.

Vom 27. bis 29. Juli wird es in diesem Jahr erstmals ein Kolonialfestival rund um die zum Weltkulturerbe zählende Altstadt geben. Alle Museen haben dann bis Mitternacht geöffnet, zahlreiche kulturelle Veranstaltungen und prachtvolle Kostüme prägen das Stadtbild. „Wir wollen künftig in jedem Jahr so ein Festival organisieren“, verrät Petra Cruz-Deyerling, Direktorin des Fremdenverkehrsamtes der Dominikanischen Republik in Frankfurt. Zu Kostümen hat Santo Domingo eine besondere Beziehung: In der historischen Altstadt wurden bereits mehr als zwei Dutzend Spielfilme gedreht, am bekanntesten sind dabei Klassiker wie „Der Pate II“ mit Al Pacino und „Havanna“ mit Robert Redford.

Doch die Touristen kommen nicht nur wegen der Vielfalt historischer Relikte in die Dominikanische Republik - Zugpferde sind auch die traumhaften Strände, Palmen und Wassersport. Als Kolumbus im Jahre 1492 zum ersten Mal einen Fuß auf die Insel Hispaniola setzte, soll er gemeint haben, sie sei „das Schönste, was das menschliche Auge je gesehen hat“. Dabei gab es den Klassiker „weißer Strand mit Palmen“ damals noch gar nicht. Denn die heute die Insel prägenden Kokospalmen gelangten erst nach dem Eintreffen der spanischen Eroberer in die Karibik.

Ein überaus empfehlenswertes Reiseziel ist die Halbinsel Samaná. Sie verfügt über malerische Fels- und Sandbuchten, idyllische Strände und markante Riffe. Die paradiesischen Ausblicke zogen auch die Werbeindustrie an, mehrere Werbefilme für weltbekannte Markenprodukte entstanden an den Stränden von Samaná.

Ganz besondere Gäste steuern zwischen Januar und März die Bucht an: Buckelwale. Die gigantischen Meeressäuger kommen aus den arktischen Gewässern hierher, um nach Partnern Ausschau zu halten und schließlich für Nachwuchs zu sorgen. Jahr für Jahr kommen mehrere Hundert der maximal 40 Tonnen schweren Tiere in die Region. Sie sind gewissermaßen die treuesten Besucher der Karibikinsel. Das warme Wasser in der Bucht bietet ideale Bedingungen für die Geburt junger Wale.

Touristen können sich die rund 15 Meter langen Elterntiere auf eigens organisierten Bootstouren aus der Nähe anschauen. Wer den Walen noch näher kommen und mehr von den grauen Riesen sehen will, kann sich als Walflüsterer engagieren. In jedem Jahr können sich Interessenten von August an unter der Internetseite www.walfluesterer.de für den Traumjob bewerben. Während eines vierwöchigen Arbeitsaufenthaltes unternimmt die oder der Auserwählte die unterschiedlichsten Aufgaben, von der Begleitung von Waltouristen aufs Meer über Büroarbeiten bis hin zum Schreiben eines Walflüsterer-Blogs. Keine Frage, dass es reichlich Fotomotive und einzigartige Begegnungen mit den Giganten der Meere geben wird. Das Ganze kostet keinen Cent, gewohnt wird im Luxushotel.

Bert Endruszeit

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Bernd Haase 23.06.2012