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Reisereporter Von Bier zu Bier durch Franken
Reisereporter Von Bier zu Bier durch Franken
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13:40 13.04.2011
Wer den Touristenhorden in den historischen Innenstädten entgehen will, genießt sein Bier im Grünen.
Wer den Touristenhorden in den historischen Innenstädten entgehen will, genießt sein Bier im Grünen. Quelle: dpa/tmn
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Aufseß liegt streng genommen im Schatten der sehr viel bekannteren Festspielstadt Bayreuth – doch hat es der kleine Ort in der Fränkischen Schweiz schon vor Jahren zu einem Weltrekord geschafft: Vier Brauereien gibt es hier, und das bei nur knapp 1500 Einwohnern. So firmiert Aufseß im „Guinnessbuch“ als Gemeinde mit der größten Brauereidichte weltweit. Mit großem Anziehungspotenzial für Gäste aus aller Welt: Im Brauereigasthof Reichold und in der Brauerei Aufseß mit dem Gasthof Rothenbach haben schon Bierfreunde aus vielen Ländern genächtigt.

Reichold, Rothenbach, Stadter, Kathi-Bräu – die sogenannten Weltrekordbrauereien sind über einen rund 13 Kilometer langen Brauereiwanderweg durch wunderschöne Landschaft verbunden. Hat man alle vier der für diese Region typischen dunklen Biere probiert, folgt an der letzten Station die Ernennung zum Fränkischen Ehrenbiertrinker der Weltmeisterbrauereien.

Auch in Bamberg sind Hopfen und Malz längst nicht verloren: Im historischen Zentrum der alten Kaiser- und Bischofsstadt beginnt um 10.30 Uhr die Führung zum mittelalterlichen Dom, Altem Rathaus und Hafen. Und selbstverständlich gehört auch das „Schlenkerla“, in dem Rauchbier gebraut und aus Eichenholzfässern gezapft wird, zum Rundgang.

Im Internet werben immer mehr Seiten wie „Bamberg Beer Guide“, „The great Franconian beer tour“ oder „Breweries of Franconia“ international für Frankens Bierqualitäten. Mit Erfolg: Aus weiten Teilen der Welt kommen Besucher, um nicht nur die Schönheit der Architektur zu bewundern, sondern auch die örtlichen Brauereierzeugnisse zu probieren.

Noch ist es erst gegen 9 Uhr. Ein Ehepaar aus den Niederlanden und drei Radtouristen aus dem Rheinland verlassen gut gestärkt im Brauereigasthof Fässla das Frühstückszimmer. Bis ins Jahr 1649 reicht die Geschichte der Bamberger Brauerei zurück. In der Gassenschänke zwischen Wirtsstube und Gästezimmertrakt trinken Stammgäste gerade ihr erstes Seidla, einen halben Liter Bier. Juniorchef Roland Kalb lädt spontan zur Besichtigung der Brauerei ein, die gleich hinter dem Frühstücksraum beginnt. Fässla produziert nicht nur für den Eigenbedarf, sondern liefert auch in die Umgebung.

Die Obere Königstraße beherbergt auch die Brauerei Spezial, schon 1536 gegründet und gleich gegenüber vom Fässla. Hier sind die Szenen ähnlich. Urlauber mischen sich an Holztischen mit Bambergern. Auch hier wird Rauchbier produziert. Wie vor Jahrhunderten trocknet das Malz über offenem Buchenholzfeuer und erhält so das typische Aroma. Die Zeit vergeht mit Zuprosten, Anekdoten, gepökelten Schweinsknöchla und gesottener Ochsenbrust. Um 14.30 Uhr beginnt die nächste Stadtführung. Wer auch die verpasst, der kommt vielleicht abends zum Nachtwächterrundgang zur rechten Zeit.

„Der Dom mit dem Bamberger Reiter ist ein Muss für Touristen, eine Wanderung an Fluss und in Wäldern auch“, sagt Elisabeth Keesmann, Inhaberin der Brauerei Keesmann. „Aber unsere Brauereien und Gaststätten sind genauso gefragt.“ Sie begrüßt einen jungen Mann, der sich am Ausschankfenster ein Bier holt und in mitgebrachte Brezel und Räucherwurst beißt. Bäcker und Metzger sind direkt neben Wirtschaft und Brauerei. „BMW“ nennen Bamberger solch glückliche Fügung, Brot mit Wurst.

„Hier dürfen Sie Ihre Brotzeit gern mitbringen“, wirbt ein Schild am Brauhaus Neder in Forchheim. Zwei Häuser weiter steht die Brauerei Hebendanz mit eigener Wirtschaft im schmucken Fachwerkbau. Vor einem Brunnen vor Forchheims altem Rathaus lauschen Touristen einer Führerin. Auf dem Markt präsentieren Blumenfrauen üppige Blütenpracht. Forchheim, auch bekannt durch sein Annafest mit vielen Bierkellern, ist gut eine halbe Bahnstunde von Bamberg entfernt. Die Bayern-Karte der Bahn hilft, das Auto stehen zu lassen. Nicht unwichtig beim Probieren der Biersorten.

In Neustadt an der Aisch lockt Braumeister Lothar Hufnagel mit einer noch recht jungen Kleinbrauerei Gäste an. Im Jahr 2005 hat er aus einer baufälligen Getreidemühle Gasthof und Brauerei geschaffen, wo nun Landbier in Maßen fließt. Hufnagel mischt Modernes mit Historischem. Am Kachelofen im Restaurant hängt Omas Unterwäsche auf der Leine. Metzgerei und Frühstücksraum sind im Stil früherer Jahrzehnte gestaltet. Zwischen Braukesseln in der Scheune und im Biergarten sitzt man originell. „Modernes findet Anklang, wenn es an Traditionen knüpft“, sagt der findige Unternehmer.

Noch insgesamt neun Brauereien werden in Bamberg betrieben, etwa 340 im gesamten Frankenland, davon gut 180 in Oberfranken.

Die „Alte fränkische Bierstraße“ führt von Bayreuth über Kulmbach, Lichtenfels, Bamberg und Forchheim bis zur Aischgründer Bierstraße. Entlang dieser Route haben sich gleich neun Brauereien zusammengetan. Sie liegt zwischen Frankenhöhe und Steigerwald. Bierseminare und Planwagenfahrten sind ebenfalls im Angebot. Der Bierradweg dieses Gebietes führt von Bad Windsheim in Mittelfranken über Lenkersheim, Burg Hoheneck nach Neustadt an der Aisch. Genau genommen kann sich in Franken jeder seine eigene Bierstraße schaffen.

dpa/tmn