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Reisereporter Wintersport in Südtirol, Abfahrt mit „heißer Oma“
Reisereporter Wintersport in Südtirol, Abfahrt mit „heißer Oma“
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00:35 19.02.2011
Hochgenuss auf der Höhe: Hier lassen sich Pfunde leichter anfuttern als abtrainieren.
Hochgenuss auf der Höhe: Hier lassen sich Pfunde leichter anfuttern als abtrainieren. Quelle: valgardena.it
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Warum nicht mal das Büfett im Hotel sausen lassen und auf dem Berg frühstücken? Klar, es kostet Überwindung, mit knurrendem Magen in die Skistiefel zu steigen und die Bretter zu schultern. Aber wer dann auf der Raschötzer Alm auf 2163 Metern Höhe in der Sonne sitzt, den Blick auf die eindrucksvolle Bergkulisse in der Ferne richtet und in das frisch gebackene Zopfbrot beißt, bereut keinen nüchtern zurückgelegten Höhenmeter.

Bis vor ein paar Monaten wäre der Weg auf diese Alm noch beschwerlicher gewesen. Denn bis zum vergangenen September fuhr in St. Ulrich noch ein Einzer-Sessellift aus Großmutters Zeiten, den einst Bergsteigerlegende Luis Trenker mit erbaut hat. Heute ersetzt eine moderne Standseilbahn das nostalgische Gefährt – statt 25 Minuten dauert die Auffahrt über 818 Meter nur noch acht Minuten. „Das ist natürlich bei Minusgraden ein großer Vorteil“, sagt der Wirt, der seither zehnmal so viele Gäste bewirtet wie zuvor.

300 Tage im Jahr Sonne

Noch bis Mitte April dauert die Wintersaison in Gröden in Südtirol. Im Nordwesten der Dolomiten scheint die Sonne 300 Tage im Jahr, sind 175 bestens präparierte Pistenkilometer befahrbar, die sich von den drei Talorten St. Ulrich, St. Christina und Wolkenstein leicht erreichen lassen. Zwar wird unter den Einheimischen vor allem die rätoromanische Sprache Ladinisch gesprochen, die es nur in Gröden gibt. Doch nicht nur seine werbewirksame Bezeichnung Val Gardena verleiht dem Tal italienisches Flair. Der Skizirkus ist vor allem etwas für Feinschmecker, die beim Einkehrschwung nicht wie üblich Gulaschkanone und Speckbrett suchen.

Auf der „Skitour Gröden WM 1970“ mit der berühmt-berüchtigten Abfahrt „Saslong“, der Damenabfahrtsstrecke „Cir“ und der Herrenriesenslalomstrecke „3“ lassen einen gut 30 Hütten vom Pistenweg abkommen. „Es gibt hier keine Massenbüfetts. Jeder Hüttenbetreiber hat sich etwas Besonderes ausgedacht – dafür sind wir bekannt“, erklärt Irene Delazzer von Gröden-Marketing. Also auf zum Hütten-Hopping!

Auf 2410 Metern glänzen Sektkühler in der Sonne. Wer auf der Sofie-Hütte am Fuß des Seceda anstößt, hält kein Hefeweizen in der Hand, sondern ein feineres Glas. „Hier haben meine Großeltern früher Heu gemacht“, sagt Hüttenherr Markus Prinoth. Aus der einstigen Scheune ist ein Gourmetrestaurant mit Weinkeller geworden, der seinesgleichen in den Skirefugien sucht: 6000 Flaschen lagern in dem Keller, den Prinoth in den Felsen gegraben hat. 300 unterschiedliche Etiketten stehen auf seiner Karte. Seine Schätze? Der Château Mouton Rothschild. Den gibt es je nach Jahreszahl pro Flasche von 290 bis 1250 Euro. Wir begnügen uns mit dem fruchtig-frischen Rosésekt „Arunda“, während Prinoth Scampispieße als „Knabberei“ serviert.

Rustikaler geht es bei der nächsten Einkehr zu, beim zweiten Frühstück vor der Daniel Hütte. Sie wird aus gutem Grund auch die „Knödelhütte“ genannt: Knödel gibt es hier in allen Variationen, mit Speck, Fisch, Nutella oder Erdbeeren. Da hilft uns dann nur der aus den Zapfen der Zirbelkiefer gewonnene Zirben-Schnaps – für die Gegend bekannt ist –, wieder auf die Bretter zu kommen.

In den nächsten zwei Stunden erwarten uns eine „heiße Oma“ (Eierlikör, Eigelb, Sahne, Muskat) vor der Trojer-Hütte auf der Seceda Alm mit herrlichem Blick auf die Dolomiten. Und für den bayerischen Hunger zwischendurch kosten wir die Weißwürste auf der Vallongia-Hütte – im Liegestuhl mit Blick auf den zerklüfteten Hausberg Langkofel, der uns auf der Skitour gewissenhaft die Orientierung gibt.

Austern und Fischteigtaschen

Nun kneift zwar schon die Skihose. Doch eine Stunde später sitzen wir bereits in der Comici-Hütte, essen Antipasti, Austern, Fischteigtaschen, Hummer-Fettuccine, Dorade in Salzkruste und solche Sachen. Die ausgefallenen Fisch- und Krustentierspezialitäten werden von den drei Marzola-Brüder zubereitet, die die Gourmethütte bewirtschaften.

Irgendwann ist es dann aber genug mit dem Kulinarikzirkus – das Essen will schließlich verdient sein. Mitten im Unesco-Weltnaturerbe der Dolomiten lockt der größte Skizirkus der Welt, der Dolomiti-Superski-Verbund mit 1200 Pistenkilometern. Und der Grödener Skiort Wolkenstein bietet einen Direkteinstieg zur berühmten „Sella Ronda“. 40 Pistenkilometer am Stück liegen vor uns. Rund um das Bergmassiv Sellastock geht die Skitour rechts- oder auch linksherum. Wir fahren rechts, passieren vier Pässe, vier Täler und drei italienische Provinzen und bewundern die Ausblicke auf das Grödner Joch, das Sella Joch und den Langkofel. Trotz der vielen Sonne und verhältnismäßig warmen Temperaturen sind die Pisten gut befahrbar, weil teilweise beschneit und in der Nacht gut präpariert.

Drei Stunden brauchen wir für die Tour, in der wir auch über Straßen wandern und ein paarmal skaten müssen, um dann erschöpft unserem Laster zu frönen: dem Einkehrschwung. Diesmal geht’s auf die große Sonnenterrasse der Salei Hütte im Skigebiet Col Rodella. Wir essen Hirschgulasch, genießen einmal mehr den Blick auf das Panorama der Dolomiten – und freuen uns schon auf den nächsten Skitag. Vielleicht lassen wir ihn noch einmal mit einem Frühstück auf dem Berg beginnen. Sonne ist angesagt – wie eigentlich immer in Gröden.

Sonja Fröhlich

Skigebiet Gröden
In Gröden gibt es 175 Kilometer Abfahrten und 98 Kilometer Langlaufloipen. Der Ort gehören zu „Dolomiti Superski“ mit mehr als 450 Liftanlagen und mehr als 1200 Kilometer Pisten. Dass Gröden unter den Sportlern einen zugkräftigen Namen hat, verdankt die Region ihren Giganten: der Bergsteigerlegende Luis Trenker und dem markanten Langkofel (3181 Meter).

Weitere Informationen
Val Gardena/Gröden Marketing, Südtirol, Tel. (00 39/04 71) 77 77 77.
www.valgardena.it