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Reisereporter Wintersport in der Steiermark
Reisereporter Wintersport in der Steiermark
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16:16 23.01.2013
Der Berg ruft: Einsame Wanderungen mit Schneeschuhen, Skilanglauf oder Abfahrten – das Gesäuse ist für Wintersportler ein Traum. Quelle: TVB Alpenregion Nationalpark Gesäuse
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Wer es ruhiger mag oder nicht unbedingt in Schladming übernachten will, findet 70 Kilometer weiter östlich eine Alternative. Dort liegt der Nationalpark Gesäuse, der anders ist als andere Gebiete in den Alpen: abgelegener, schroff beim ersten Anblick, aber von einer eigenen Schönheit.

Die Frage, wie das Gesäuse mit dem Hauptort Admont an seinem Rand zu seinem Namen kam, muss Nationalpark-Geschäftsführer Thomas Drechsler häufig beantworten: „Es hat nichts mit Säuseln zu tun, das Gegenteil ist der Fall.“ Der Fluss Enns fließt ruhig durch die Steiermark dahin. Bevor es dann ins flachere Land geht, türmen sich im Gesäuse die Ostalpen zum letzten Mal auf. Die Felsen steigen hier steil vom Ufer an, der Fluss wird wilder. Sein Wasser tost an vielen Stellen, manchmal donnert es ein wenig, und wenn der Wind durch das enge Flusstal weht, dann macht auch er ein Geräusch. „Alles zusammen nennt der Steirer Gesäuse“, sagt Drechsler.

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Im Sommer ist die Region, deren höchster Berg, das Hochtor, es auf 2369 Meter bringt, ein Dorado für Kletterer und Wanderer. Es gibt durchaus gemütliche Steige und Wege, aber man kann sich von den schroffen Bergen auch richtig fordern lassen. Das taten früher gerne Wiener und übernahmen sich des Öfteren. Ihre Grabsteine stehen auf dem nach Angaben der Gemeinde weltweit einzigen Friedhof nur für Bergsteiger im kleinen Johnsbach.

Im Winter, der hier lange dauern kann, setzt man ruhigere Akzente. Der Mensch soll hier nicht die Natur zu allerlei Allotria nutzen, aber er kann stiller Betrachter und Genießer sein. Es gibt zwar Skigebiete für die Alpinen, aber insgesamt hat man sich im Gesäuse für einen naturverträglichen Tourismus entschieden. Es gibt Skilanglaufloipen, Angebote für Schneeschuh- und Skitourengeher; und wer einfach nur wandern will, der kommt auch zu seinem Recht. Statt Après-Ski, bis der Arzt kommt, oder Pistenparty mit Discjockey Huberhansi bieten die Veranstalter im Gesäuse etwa Fotoentdeckungsreisen durch den winterlichen Nationalpark. Man kann mit Hundeschlitten durch verschneite Landschaften fahren und am Ende ein Diplom als Schlittenführer erwerben. Einen Ruf hat das Gesäuse bei denen, die weiter nach oben gucken als nur zu den Bergspitzen. Die Gegend gehört zu den lichtschwächsten in West- und Mitteleuropa. Der Sternenhimmel, der sich deshalb vor allem in klaren Winternächten auftut, lässt einen die klirrende Kälte vergessen.

Und wenn man ganz großes Glück hat, dann ist gerade Hermann Härtel in seinem nur 150 Einwohner zählenden Heimatort Johnsbach zugegen und bringt einem „Hoppsholleradihitihi“ bei. Das ist nicht gaga, sondern ein Jodler, und der bärtige Mann, der als Professor für Volksmusik am Mozarteum in Wien arbeitet, gibt in seiner Heimat ab und an Jodelkurse. Wer einen absolviert hat, hört diese uralte Verständigungsform der Alpenbewohner mit anderen Ohren. „Das Gebrüll, das im Fernsehen oft als Jodeln verkauft wird, versaut den Ruf“, sagt Härtel. Für ihn ist Jodeln ein faszinierendes Spiel mit der Stimme, und er erzählt, dass Jodler, die diesen Namen verdienen, gerne mit Jazzmusikern zusammenarbeiten. Wenn Härtel anhebt, dann schließt er oft die Augen, steigert sich, gibt auf dem letzten Ton alles drauf und ermuntert die Kursusteilnehmer beim nächsten Anlauf zu ähnlicher Inbrunst. „Gogelgogelgogelgockelti“ lautet die Textzeile zum Misthaufenjodler. Hämisch gelacht hat darüber keiner.

HIN UND WEG

Anreise
Mit dem Auto Richtung Österreich und dort weiter auf den Autobahnen bis Admont. Mit der Bahn geht es nur bis Selzthal und dann weiter mit dem Bus oder dem Taxi.

Unterkunft
Etwas Eigenes hat Schloss Röthelstein, frühere Sommerresidenz der Äbte des Stifts Admont. Es ist ein Gästehaus, bietet aber einigen Komfort und eine gute Küche.

Ski Weltmeisterschaft
Vom 4. bis 17. Februar kämpfen die Ski-Asse aus aller Welt in Schladming um Gold, Silber und Bronze. Schladming ist für viele deutsche Wintersportler noch ein Geheimtipp. Die Alpine Ski-WM wird das Skigebiet in der Steiermark ins Rampenlicht rücken. Rund 400 Millionen Euro wurden investiert, um das Städtchen für Rennläufer und Urlauber herauszuputzen. Pisten wurden verbreitert, Lifte ausgebaut, die Beschneiungsanlagen komplettiert.

Weitere Informationen

Tourismusverband Alpenregion Nationalpark Gesäuse
Hauptstraße 35
A-8911 Admont, Telefon (00 43) 3 61 32 11 60 10
E-Mail: info@gesaeuse.at
www.gesaeuse.at
www.stiftadmont.at
www.schloss-roethelstein.at