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Reisereporter Winterurlaub in den Dolomiten
Reisereporter Winterurlaub in den Dolomiten
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00:55 01.12.2012
Auf ihre Kosten kommen im Hochpustertal vor allem Langläufer und Wanderer. Quelle: H. Oberhofer
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Hochpustertal

Diese Gebirgsformation prägt die ganze Region: Im Hochpustertal, im südöstlichen Südtirol, stehen die Drei Zinnen, nach denen auch der gleichnamige Naturpark inmitten der Sextener Dolomiten benannt ist. Wie drei riesige, schrundige Zähne ragen die zerklüfteten Felsen aus einer schneebedeckten Halde. Nebelfetzen ziehen an den grauen Steilwänden vorbei, aus den tief hängenden Wolken rieseln ein paar Schneeflocken. Und dazu diese Stille!

In den Sommermonaten pilgerten noch Heerscharen von Touristen im Gänsemarsch auf dem Bergpfad zum bekanntesten Wahrzeichen der Dolomiten. Jetzt hat der Winterwanderer die einzigartige Gebirgswelt fast für sich allein. Allerdings ist der mittelschwere Aufstieg zu der 2438 Meter hoch gelegenen Dreizinnenhütte in dieser Jahreszeit nur mit Schneeschuhen zu bewältigen. Am Ziel wird der Besucher mit dem berühmten Blick auf die drei Felszacken belohnt. Das ist dann auch schon alles. Kein heißer Jagertee, keine zünftige Brotzeit. Der Hüttenwirt macht seit dem 1. Oktober Urlaub. Selbstverpflegung ist angesagt.

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Am besten mit regionalen Südtiroler Spezialitäten. In der Metzgerei in Moos kann sich der Wanderer vor seiner Tour mit Wildschweinsalami, Kamin-, Hirsch- und Gamswurzen eindecken. „Alles aus eigener Hausschlachtung“, versichert die Verkäuferin und packt zum Probieren noch eine dieser flach gedrückten, eckigen Landjäger in die Tüte.

Es ist Nachmittag, die Schatten in den Tälern werden länger. Viel zu spät, um noch zu einer weiteren ausgedehnten Wanderung aufzubrechen. Die ideale Zeit für einen Kaffee. Vom Dorfzentrum Moos sind es nur ein paar Gehminuten zu den Drei Zinnen. Selbst Hollywood logierte hier schon. Viele Jahre war der Regisseur und fünffacheOscar-Preisträger Fred Zinnemann („Zwölf Uhr mittags“, „Verdammt in alle Ewigkeit“) hier zu Gast. Im Hausbuch hat er auf einem Briefbogen der 20th Century Fox einen Gruß hinterlassen.

Hotelbesitzerin Waltraut Watschinger zögert erst ein wenig, Anekdoten preiszugeben, aber dann plaudert sie doch aus dem Nähkästchen: „Jetzt kann ich es ja erzählen, schließlich lebt Mr. Zinnemann schon eine Weile nicht mehr. Er hatte in Hollywood eine Freundin, die ihm sehr nahestand. Nach ihrem Tod hat er ihre Urne mit nach Europa genommen. Bei einem seiner letzten Besuche ist er mit einem Bergführer losgewandert und hat die Asche über den Gipfeln verstreut.“

Vielleicht fand Fred Zinnemann im Hochpustertal nach diesem Verlust auf ähnliche Weise seinen Frieden wie der kränkliche, von Schicksalsschlägen getroffene Gustav Mahler, der von 1908 bis 1910 in der Nähe von Toblach die Sommermonate verbrachte: „Hier ist es wunderherrlich und repariert ganz sicher Leib und Seele“, schrieb der Komponist noch voller Hoffnung.

Auch 100 Jahre später kommen Stressgeplagte in die schöne Gegend, um Kraft zu tanken. Bundeskanzlerin Angela Merkel zum Beispiel. Der Koch der Talschlusshütte hat die Politikerin und ihren Mann schon in aller Herrgottsfrühe bei einem strammen Morgenmarsch durch das malerische Fischleintal gesehen: „Um 6 Uhr, da war noch niemand unterwegs. Die wollte eben auch mal ihre Ruhe haben.“

Keine Schickeria à la Cortina, kein Skizirkus à la Sölden. Dass selbst die größeren Ortschaften Sexten, Innichen und Toblach bis heute ziemlich verschlafen wirken und es dort auch dementsprechend gemächlich zugeht, macht das Hochpustertal so angenehm unspektakulär. Weniger ist mehr. An den Skiliften herrscht lediglich an den Wochenenden etwas mehr Betrieb.

Anspruchsvolle Skifahrer fühlen sich in den Sextener Dolomiten ohnehin etwas unterfordert, denn nur 17 Prozent der Pisten zählen zu der Kategorie „schwierig“. Auf ihre Kosten kommen deshalb vor allem Langläufer und Wanderer. Kilometerweit führen die Loipen und Wege am Sextner Bach entlang bis hinein ins weite Tal, wo die Rienz und die Drau dahinrauschen.

„Die Sonne scheidet hinter dem Gebirge. In alle Täler steigt der Abend nieder. Mit seinen Schatten, die voll Kühlung sind. O sieh! Wie ein Silbertaler schwebt der Mond am blauen Himmelssee herauf.“ Es war sicherlich kein Zufall, dass Gustav Mahler 1909 die Verse des deutschen Lyrikers Hans Bethge ausgerechnet in einem bescheidenen Holzhäuschen im Hochpustertal in seinem Spätwerk „Das Lied von der Erde“ vertonte. „Die Erde atmet voll von Ruh und Schlaf. Alle Sehnsucht will nun träumen. Die müden Menschen gehen heimwärts.“ Vielleicht hat der große Komponist da bereits geahnt, dass er die Uraufführung seines Liederzyklus nicht mehr erleben würde.

Hin und weg

Anreise
Mit dem Auto erfolgt die Anreise über Fulda und München über die A12 bis Innsbruck, weiter über die Brennerautobahn A13, von dort auf die E 66 nach Bruneck/Brunico, weiter über die Straka Statale SS52 nach Toblach und Sexten.

Nächstgelegener Flughafen ist Innsbruck. Von dort geht es weiter mit dem Mietwagen. Mit dem Zug über München bis Franzensfeste, von dort mit dem Regionalzug. Haltestationen im Hochpustertal sind Felsberg, Niederdorf, Neutoblach und Innichen.

Weitere Informationen
Tourismusverband Hochpustertal, Dolomitenstr. 29, I - 39034 Toblach / Hochpustertal, Tel. (0039/0474) 913156.
www.hochpustertal.info

Jens Golombek und Katrin Schreiter

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