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Gastkommentar Stets erreichbar – und trotzdem entspannt
Sonntag Gastkommentar Stets erreichbar – und trotzdem entspannt
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20:01 07.10.2016
Die Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben werden immer durchlässiger: Wie kann gewährleistet werden, dass Mitarbeiter trotzdem mit ihrer Work-Life-Balance zufrieden sind? Quelle: Montage: RND, Fotos: iStock, Fotolia

Mobile Kommunikationstechnologien und soziale Medien verändern die Arbeitswelt. Wir können an jedem Ort und jederzeit mobil arbeiten, aber auch für private Kontakte während der Arbeitszeit erreichbar sein. Soziale Medien bieten neue Möglichkeiten des beruflichen Austauschs und der Ideengenerierung. Dennoch werden derzeit insbesondere negative Effekte der mobilen Kommunikation diskutiert – etwa Dauerstress durch ständige Erreichbarkeit oder die Weitergabe vertraulicher Informationen über digitale Kanäle.

Die sozialen Medien haben jedoch auch positive Effekte: für die Life Balance, aber auch für die Innovativität von Mitarbeitern. Ergebnisse der Mobile-Life-Balance-Studie der TU Darmstadt zeigen, dass die Definition von Work-Life-Balance überholt ist. Denn neben dem Arbeits- und dem Privatleben gibt es eine dritte, wichtige Komponente: die Me-Time. Rollen wie die der fürsorglichen Eltern oder des kompetenten Mitarbeiters zu erfüllen, genügt nicht für eine gute Life-Balance. Menschen brauchen Zeiten, in denen sie frei von den Erwartungen anderer sind.

Die Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben werden immer durchlässiger gestaltet: Da ist die Abstimmung mit den Handwerkern während des Meetings, der Anruf des Kollegen nach dem Abendessen oder die SMS der Tochter auf der Arbeit. Diese Flexibilität, ermöglicht durch mobile Kommunikation, wird von vielen Befragten als äußerst positiv für die Life-Balance bewertet. Leerlaufzeiten können effizient genutzt und Arbeit und Privatleben besser in Einklang gebracht werden.

Soziale Medien erhöhen die Innovation

Mobile Kommunikationstechnologien sind folglich nicht per se gut oder schlecht – wichtig sind die Rahmenbedingungen, unter denen sie genutzt werden. Ein weiterer interessanter Befund: Nicht das Ausmaß der Erreichbarkeit an sich ist entscheidend für die Life-Balance, sondern die persönliche Zufriedenheit mit der Erreichbarkeit. Daher muss eine hohe Erreichbarkeit nicht zwangsläufig problematisch sein.
Warum nutzen Menschen ihre mobilen Kommunikationstechnologien nicht immer so, dass sie mit ihrer Erreichbarkeit zufrieden sind?

Die Ursache für diese Diskrepanz zwischen gewünschter und tatsächlicher Erreichbarkeit könnte ein unzureichendes Erwartungsmanagement sein. Unsere Studienergebnisse zeigen, dass viele Befragte die Erwartungen ihres Teams an ihre Erreichbarkeit außerhalb der Arbeit falsch einschätzen – offenbar, weil die Mehrheit der Befragten weder mit ihrer Führungskraft noch mit Kollegen Absprachen zur Erreichbarkeit außerhalb der Arbeitszeiten getroffen hat.

Auch im Hinblick auf die arbeitsbezogene Nutzung sozialer Medien besteht Kommunikationsbedarf. Denn obwohl viele Unternehmen laut aktueller Zukunftsstudie der TU Darmstadt soziale Medien als wichtigen Innovationsfaktor sehen, machen sie kaum von ihnen Gebrauch und lassen sich dadurch wertvolle Potenziale entgehen. Denn die Nutzung sozialer Medien erhöht die Innovativität von Beschäftigten, sie bringen mehr Ideen in ihren Arbeitsalltag ein und setzen sich stärker für deren Umsetzung ein.

Datensicherheit muss gewährleistet sein

Drei Faktoren sind im Umgang mit sozialen Medien entscheidend, um die Life-Balance zu unterstützen und Innovativität zu fördern:

  • Es muss ein Umdenken in Unternehmen stattfinden. Mobile Kommunikationstechnologien und soziale Medien bieten viele Vorteile. Unternehmen sollten sie stärker nutzen und kommunizieren.
  • Pauschale Lösungen wie das Abschalten von E-Mail-Servern nach Dienstschluss sind nicht zielführend. Es kommt auf individuelle Präferenzen an. Unternehmen sollten daher transparente Absprachen zur Erreichbarkeit ihrer Mitarbeiter unterstützen.
  • Um die Innovativität zu steigern, sollten Unternehmen die Nutzungsbereitschaft sozialer Medien fördern. Haben Beschäftigte auch nur geringste Zweifel an der Datensicherheit, stellt dies eine große Barriere der Social-Media-Nutzung dar. Folglich sollten Unternehmen in bestmögliche Datensicherheit investieren.

Langfristig gilt: Unternehmen müssen die Veränderungen der Arbeitswelt annehmen und entsprechende Rahmenbedingungen für die Nutzung mobiler Kommunikationstechnologien und sozialer Medien schaffen. Es lohnt sich.

Zur Person

Ruth Stock-Homburg Quelle: privat

Prof. Dr. Ruth Stock-Homburg leitet seit 2006 das Fachgebiet Marketing und Personalmanagement an der Technischen Universität Darmstadt. 2013 gründete sie das Work-Life-Research Center leap in time, ein Spin-off der TU Darmstadt.

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