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Mode & Stil Der Gentleman steckt im Detail
Sonntag Mode & Stil Der Gentleman steckt im Detail
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20:01 21.10.2016
Von Daniel Behrendt
Billige Schuhe, schlabberiges Sakko: Die klassische Businessuniform für Männer hält einige Fallstricke bereit – kann aber, richtig zusammengestellt, ein Investment in die berufliche Zukunft sein. Tipps & Tricks für den stilvollen Auftritt im Anzug. Quelle: Unsplash / Olu Eletu

Vermutlich ist es eine bloße Schutzbehauptung modefauler Männer, dass sie es in Kleidungsfragen einfacher hätten als Frauen. Vordergründig betrachtet stellt sich ihnen die Frage nach modischen Extravaganzen ja auch nicht: Während Frauen im Geschäftsleben zwischen klassischem Kostüm, Hosenanzug oder bürotauglichem Kleid wählen und dabei durchaus auch Farbe wagen können, gilt für Männer nach wie vor die Pinguin-Uniform als modischer Maßstab: dunkler Anzug, weißes Hemd, Schlips und schwarze Schuhe. Was soll da schon schiefgehen?

Jede Menge, meint die Stil- und Imageberaterin Stefanie Diller, Geschäftsführerin der in Hamburg ansässigen Stilberatung Diller-yourself. "Noch immer empfinden viele Männer den Kleidungskauf als notwendiges Übel und greifen dementsprechend zum nächstbesten Anzug, anstatt ihr Outfit als Statement zu betrachten."

Zwar sei der Dresscode gerade in konservativen Branchen oft recht streng und eng gefasst, "aber innerhalb dieses klar definierten Rahmens gibt es kreative Freiräume – aber auch etliche Fallstricke", sagt Diller.

Todsünde schlecht sitzender Anzug

Die modische Todsünde par excellence ist ein schlecht sitzender Anzug. "Er ist die Basis jedes Businessoutfits. Sitzt er nicht richtig, können es tolle Schuhe oder eine edle Krawatte auch nicht herausreißen", meint Diller und rät Männern mit weniger normgerechten Proportionen gleich zu Maßkonfektion.

Erste Wahl sind einreihige Anzüge mit Zweiknopfsakkos. Sportlichere Modelle mit nur einem Knopf sind hingegen eher auf Cocktailpartys als im Büro eine gute Wahl. Zweireiher, deren Comeback alle paar Jahre aufs Neue beschworen wird, bleiben in der Geschäftswelt nach wie vor ein Randphänomen: "Dabei können sie an schlanken Männern durchaus klassische Eleganz haben", findet Diller.

Das zweite weitverbreitete Übel sind nach Auffassung der Stilexpertin spießige oder billig wirkende Schuhe. "Dabei sind die Schuhe das Fundament des Auftritts. Entsprechend hochwertig und gepflegt sollten sie sein. Ein Paar schwarze und ein Paar braune rahmengenähte Derby- oder Oxford-Schuhe gehören in jeden Schuhschrank", empfiehlt Diller.

Edler Stoff, dezente Farbe, perfekte Passform: Für den optimalen Anzug gibt es einige wichtige Regeln. Quelle: Unsplash / Jeremy Beadle

Bei der Farbwahl halten sich stilbewusste Männer nach wie vor bedeckt, Anzüge haben idealerweise dunkle bis mittelhelle Blau- und Grautöne, dürfen gern auch in Anthrazit daherkommen – sollten aber nur in Ausnahmefällen in Schwarz, der Farbe der Macht und des Todes, gehalten sein. "Schwarz strahlt Autorität aus, wirkt aber auch hart und steht vielen Männern nicht sonderlich gut."

Farbakzente, durchaus auch offensivere, setzen bedachtsam ausgewählte Accessoires wie Krawatte und Einstecktuch – und erzielen dabei nicht nur modische, sondern auch psychologische Wirkung: "Kräftige Farben und Kontraste signalisieren Entschlossenheit und Kompetenz", sagt Diller. Was erklärt, warum es zumeist die Bosse sind, die sich knallige, den Blick auf sich ziehende Krawatten "zutrauen"– und die Azubis eher zu Bindern in unauffälligen Farben greifen.

Diese These bestätigt auch ein so machtbewusster, seine Dominanz offensiv zur Schau stellender Mann wie der republikanische US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump. Er greift vorzugsweise zu Schlipsen in aggressivem Zinnoberrot oder fürstlichem Royalblau.

Businessoutfit als Karrierebarometer

Um keine Fehlgriffe zu riskieren, rät Stefanie Diller zu einer aus klassischen und hochwertigen Stücken bestehenden Basiskollektion, einer sogenannten Capsule Wardrobe, in der möglichst alle Teile harmonisch miteinander kombinierbar sind. "Auf einer derart stringenten und qualitätsvollen Grundlage lassen sich schon durch wenige pfiffige Ergänzungen Looks mit starker Wirkung kreieren", sagt die Modeexpertin.

Im besten Fall ist die Geschäftskleidung mehr als nur eine Uniform. Sie ist ein Statement, das manches darüber verrät, wie ihr Träger sich selbst sieht – und welche Ambitionen er verfolgt. In gewisser Hinsicht ist ein gelungenes Businessoutfit also auch ein Karrierebarometer.

Entsprechend rät Stefanie Diller: "Wer beruflichen Erfolg anpeilt, sollte sich stets so kleiden, wie er es in der nächsthöheren Gehaltsklasse tun würde". So verstanden ist ein perfekt sitzender Zwirn also durchaus auch ein lohnendes Investment in die berufliche Zukunft.

Der Anzug

Nicht nur der Anzug selbst ist wichtig, sondern auch ein nicht zu weites Hemd und die zum Kragen passende Krawatte. Quelle: Unsplash / Ben Rosett

Der Anzug

Die Passform muss stimmen: Ein schlecht sitzender Anzug wirkt billig – egal wie teuer er war. Für die richtige Passform sind folgende Daumenregeln hilfreich: 1) Das Revers liegt an der Brust an, die Knöpfe lassen sich schließen, ohne den Bauch einziehen zu müssen. 2) Der Taillenknopf – bei Zweiknopfsakkos der obere – sitzt auf Höhe des Bauchnabels. 3) Die Rückenpartie wirft keine Falten. 4) Das Hosenbein liegt leicht auf dem Schuh auf, bei schmalem Schnitt ist auch ein bündiger Abschluss erlaubt.

Das Hemd

Bloß kein Schlabberlook: Gerade kräftigere Männer greifen gern zum großzügiger geschnittenen Hemd – mit der Folge, dass es unter dem Sakko unschöne Falten wirft. Ohne zu einer zweiten Haut zu werden, sollte ein Businesshemd körpernah geschnitten sein – und, zumal bei nicht ganz blickdichtem Stoff, ohne Unterhemd getragen werden. Der oberste Hemdknopf sollte ohne Beengungsgefühl schließen. Die Manschetten dürfen bei hängendem Arm einen Daumen breit unter dem Sakkoärmel hervorlugen.

Die Krawatte

Farbe erwünscht: Die Krawatte – obgleich in immer mehr Unternehmen längst keine Pflicht mehr – ist das wichtigste Accessoire des Businessoutfits. Sie darf eine kräftige Farbe haben, sollte aber allenfalls dezent gemustert sein. Für den Knoten gilt: Je weiter der Kragen sich spreizt, desto kräftiger darf er sein. Zu einem Haifischkragen passt etwa ein doppelter Windsorknoten. Schmale Krawatten verlangen nach schmalen Kragen – die wiederum am besten zu schmal geschnittenen Anzügen passen.

Solides Fundament: Rahmengenähte Schuhe sollten in keinem Schuhschrank fehlen, denn billige oder ungepflegte Schuhe entwerten jedes noch so edle Outfit. Quelle: Unsplash / Dương Trần Quốc

Das Einstecktuch

Überlegter Hingucker: Neben der Krawatte und dem Gürtel gibt es nur wenige überzeugende Möglichkeiten, das Businessoutfit zu individualisieren. Besonders beliebt ist derzeit wieder ein beinahe nostalgischer Eyecatcher: das Einstecktuch. Es solle farblich auf die Krawatte abgestimmt sein, ohne ihr Muster zu wiederholen. Denn: „Das wirkt ramschig und unpersönlich, wie aus einem Set“, meint Stilexpertin Stefanie Diller.

Der Gürtel

Geiz rächt sich: Anders als bei Jeansgürteln, die kaum breit und protzig genug sein können, gelten beim Anzuggürtel drei bis vier Zentimeter Breite als korrekt. Gespart werden sollte hier nicht, denn ein billiges oder zerschlissenes Exemplar springt gerade an einer hochwertigen Hose ins Auge. Der Gürtel sollte aus glattem Leder sein, die zierlich gehaltene Schnalle sollte glänzen. Schwarze Gürtel mit Silberschnalle passen fast immer – doch auch hier sind andersfarbige Akzente erlaubt. Gürtel und Schuhe sind idealerweise aus demselben Leder.

Die Schuhe

Gediegenes Fundament: Weil der erste Blick zumeist auf das Gesicht des Gegenübers fällt, meinen viele Männer, an den Schuhen sparen zu können. Doch billige oder ungepflegte Schuhe entwerten jedes noch so hochpreisige Outfit. Klassische rahmengenähte Schuhe in Oxford- oder Derby-Form sind nicht nur deutlich edler und robuster als nachlässig zusammengeleimtes Fußwerk, sondern über die Zeit gerechnet auch billiger: Werden sie regelmäßig gepflegt und nach dem Tragen stets auf einen Spanner gezogen, sind sie auch nach vielen Jahren noch schön.

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