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Mode & Stil Glimmer geht immer
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20:01 14.10.2016
"Unorthodoxer Glamour": Diesen Winter ist dramatisches Augen- und Lippen-Make-up mit viel Rot und Glitzer angesagt. Quelle: Getty Images

Frauen verlangt es derzeit nach "unorthodoxem Glamour", behauptet Pat McGrath. Und was die laut Vogue "einflussreichste Visagistin der Welt" sagt, ist nun mal Gesetz. Zumindest im Kosmetikuniversum. McGrath, Lieblings-Make-up-Artist sämtlicher Luxusdesigner von Armani bis Prada und darüber hinaus Kreativdirektorin des Kosmetik-Bereichs von Procter & Gamble, ruft jedoch nicht nur Trends aus, sondern entwickelt Produkte und Techniken, mit denen man sie auch abseits vom Laufsteg voll ausleben kann.

Ihr jüngster Coup ist der Lippenstift "Lust 004". Schon das Verpackungsset in Form einer mit schimmernden Pailletten befüllten Plastikhülle verspricht tatsächlich "unorthodoxen Glamour". Mit dem Austesten des "Lust 004 Lipstick Kit" ist es mittlerweile allerdings schwierig. Denn kaum kam der aus Goldstaub, Lipgloss und Glitzerpartikeln zusammngesetzte Sechzig-Dollar-Lippenstift im August auf den Markt, war er auch schon ausverkauft.

Dass er aus einem Mund ein "metaphysisches Kunstwerk" macht, wie es in der Produktbeschreibung heißt, dürfte letztlich jedoch sowieso nur auf solch überirdisch schöne Wesen wie Naomi Campbell zutreffen, die mit dem funkelnden Lippenrot bei der Verleihung der diesjährigen MTV Video Music Awards Aufsehen erregte. Normalsterbliche dagegen laufen Gefahr, mit "Lust 004" wie Teilzeit-Tinkerbells auszusehen, die vergeblich darauf warten, dass ihnen das Leben noch Flügel verleiht. Wie also dann das Bedürfnis nach "unorthodoxem Glamour" befriedigen?

Unorthodoxer Glamour: Rote Lippen in Glitzer mit "Lust 004" (Titelbild) oder einfach nur Glanz bei Pat McGrath. Quelle: Pat McGrath

McGrath' deutscher Kollege, der Beauty-Experte Boris Entrup, rät zu Glitzer- und Glitter-Highlights beim Augen-Make-up und empfiehlt dunkle, matte Lippenstifte. "Ochsenblutrot" sei beispielsweise eine der Trendfarben dieser Saison. Ein Ton, der an den barocken König der Königsmaler am spanischen Hof erinnert, womit schon wieder Pat McGrath ins Spiel kommt, die vom "New York Magazine" bereits zum "weiblichen Vélazquez der Schönheitsindustrie" gekürt wurde.

Jetzt gibt es Gelegenheit, der Britin in künstlerischer Hinsicht nachzueifern, denn Schminken hat diesen Herbst und Winter tatsächlich viel mit Malen und Modellieren zu tun. So werden Wimpern zu "Spider Lashes" zusammengeklebt und grafische Lidstriche, wie sie bei den Modenschauen zu sehen waren, bedürfen eines gewissen Talents zur feinen Pinselführung. Darüber hinaus rät McGrath selbst jedoch auch zu einer "abstrakten, formfreien Nutzung von Farben" in Finger-Painting-Manier. Weniger Diego Velázquez also als vielmehr Jackson Pollock.

Der Erfinder des Action Painting könnte durchaus Pate für den großzügig bis unter die Augenbrauen und auf die Schläfen verteilten und farbintensiven Lidschatten-Look gestanden haben, der die jüngsten Fashion-Schauen bestimmte. Bunter Kajal in Paradiesvogeltönen unterstreicht die neue Farbenpracht im Gesicht. Dennoch bleibt auch der Nude-Look angesagt. Doch ungeschminkt auszusehen erfordert oftmals mehr Aufwand als das Austoben mit Farbtöpfen, kommt es doch vor allem auf eine möglichst natürlich aussehende Grundierung an.

Contouring bleibt angesagt

Wer nach gefühlt 500 Youtube-Klicks endlich den Dreh für perfektes Contouring raushat, braucht sich nicht zu grämen, unverhältnismäßig viel Zeit vor dem Spiegel vergeudet zu haben, denn "diese einfache und natürliche Optimierung der Gesichtsform wird noch lange angesagt bleiben", versichert Boris Entrup. Für den Hair- und Make-up-Artist, der seit seinen Auftritten in der TV-Show "Germany's Next Topmodel" einem größeren Publikum auch außerhalb des Modezirkus' bekannt ist, gehört das Schattieren mit zwei oder gar drei Make-up-Nuancen bereits zu den Basics beim Schminken.

Das Mischen von hellen und dunklen Texturen für sogenannte Darklights und Highlights verschmälert, verkürzt oder begradigt Gesichtsformen und -partien zugunsten eines harmonischeren Gesamtbilds. Wem dieser kosmetische Lagenlook zu viel ist, hat mit dem Strobing eine Alternative: Hierbei werden für Wangenknochen, Nasenrücken, Schläfen und Lippenherz reflektierende und aufhellende Farben eingesetzt, die das Gesicht zum Strahlen bringen sollen. Je blasser der natürliche Teint sei, umso kühler müssten die Strobing-Farben ausfallen, rät Entrup und empfiehlt für Winterhaut einen silbrigen Ton.

Action-Painting oder Augenwischerei? Bunter Lidstrich wie bei diesem Fendi-Model ist jetzt angesagt. Quelle: afp

Schimmernde Highlights auf Wangen und Lider zu setzen oder die Wimpern zu "Spider Lashes" zurechtzuzupfen, ist nach Entrups Ansicht auch durchaus alltagstauglich. Beim ochsenblutroten Lippenstift wird es allerdings schon komplizierter: "Je dunkler ein Lippenstift ist, desto präziser muss er aufgetragen werden und desto mehr Aufmerksamkeit braucht er im Verlauf des Tages", gibt Entrup zu bedenken. Ohne regelmäßigen Blick in den Spiegel und kontinuierliches Nachziehen fällt also selbst ein "metaphysisches Kunstwerk" schnell in sich zusammen.

Für all jene, die es mit Präzision nicht so haben und denen im Alltag keine Zeit für Kunsthandwerk vor dem Spiegel bleibt, kündigt sich für 2017 ein praktischer Trend an: Beim "Slept-in"-Effekt trägt man mehrere Schichten Mascara auf und verwischt anschließend die Farbe auf den Wimpernspitzen leicht, sodass es aussieht, als hätte man sich nach dem Aufwachen die noch geschminkten Augen gerieben. Man kann natürlich auch gleich mit "Spider Lashes" schlafen gehen und sich das Tuschen am nächsten Morgen sparen. Bringt zehn Minuten länger Schlaf und hat auch was von "unorthodoxem Glamour".

Von Kerstin Hergt

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