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Tipps To Beatle or not to Beatle?
Sonntag Tipps & Kritik Tipps To Beatle or not to Beatle?
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20:00 25.03.2016
Können die Beatles 50 Jahre nach ihrer Trennung endgültig abgehakt werden? Eine neue Bühnenshow, Netflix-Produktionen und Streaming-Rekorde sprechen eine erstaunlich andere Sprache. Quelle: Shutterstock

Einen Liverpooler Jung wirft nichts so leicht um. Jedenfalls nicht gleich. Mit einem Grinsen, so wurde berichtet, stieg Sir Paul McCartney (73) neulich zurück in den Wagen, als man ihn bei der Grammy-Party des Rappers Tyga nicht vorlassen wollte. Allerdings gärte es in ihm: "Wie VIP muss man denn bei euch sein?", fragte der Beatle die Türsteher. Und frotzelte in die Runde der Umstehenden: "Jungs, wir brauchen wohl einen neuen Hit!"

Dabei hatte er den letzten erst vor Jahresfrist gehabt. "Four Five Seconds" hieß sein Dreiminutentrio mit den Superstar-Kollegen Rihanna und Kanye West, eine soulige Akustiknummer. Die jüngere Rap-Kundschaft freilich fragte auf Twitter, wer denn eigentlich dieser Paul McCartney auf dem Coverfoto sei.

Bis vor kurzem war McCartney schlicht Paul gewesen. Anders als andere Pop-Pauls – Simon etwa oder Weller – bedurfte es keines Familiennamens. Wie auch die restlichen Beatles John, George und Ringo keinen brauchten. Und jetzt das! Neigt sich das Zeitalter der 1956 als Quarrymen gegründeten Beatles etwa doch mählich dem Ende zu? Sind die Fab Four nicht mehr über den nächsten Generationengraben gesprungen?

Mehr als Pilzkopfperücken

Das Hamburger Tourveranstalterurgestein Karsten Jahnke sieht die Faszination ungebrochen: "Man denkt, das ist nur was für die Alten, dann trifft man im Bekanntenkreis 15-jährige Töchter und die sagen: Hey, ich bin ein Beatles-Fan", weiß der 78-Jährige. Er hat gerade die Show "The Sessions – A Live Re-Staging of The Beatles at Abbey Road Studios" für Deutschland gesichert.

Am 1. April ist Premiere in der ehrwürdigen Londoner Royal Albert Hall. Überzeugt haben Jahnke, der davor nie eine Show promotet hat, "bei der fremde Musik nachgespielt wird", die illustren Macher. Darunter ist auch die 70-jährige Legende Geoff Emerick, in Beatlestagen Toningenieur und rechte Hand des Anfang März verstorbenen Produzenten George Martin.
Da ist mehr zu erwarten als das übliche Überstülpen von Pilzkopfperücken. 45 Sänger, Musiker und Schauspieler lassen das Jahrzehnt der Fab Four auf der Bühne auferstehen.

"Im Innenraum der Konzerthallen wird das Abbey-Road-Studio 2 nachgebaut. Das Publikum sitzt drumherum, während in der Mitte die Band ihre Songs erschafft", führt Jahnke aus. Vor fast 50 Jahren hat er die Beatles in der Hamburger Ernst-Merck-Halle auf "Bravo-Beatles-Blitztournee" gesehen. "Das war totale Hysterie", erinnert er sich. "Musikalisch hat mich das aber nicht begeistert. Die Beatles waren eine Studioband. Alben wie 'Sgt. Pepper' waren ihr Ding – voller magischer Songs."

Klassiker, aufbereitet für eine neue Fan-Generation: Netflix' "Beat Bugs" erleben 2016 Abenteuer zu Beatlesliedern. Quelle: Netflix

Die Beatles-Magie soll ab Sommer 2016 auch im Fernsehen neu verzaubern. Der US-Streamingdienst Netflix ("Daredevil") produziert die "Beat Bugs", die durch die Abenteuerwelt ihres überwucherten Vorgartens streifen. Während die Käfer und Schnecken Jay, Crick, Kumi, Buzz und Walter Lektionen fürs Leben lernen, erklingen Beatleslieder, gesungen von Popstars wie Sia, Pink oder Birdy.

Selbst der sonst solchen Projekten eher abholde Pearl-Jam-Sänger Eddie Vedder hat "Magical Mystery Tour" neu interpretiert. Die nächste Fangeneration wird anvisiert. Ein weiteres Serienprojekt für Große entsteht derzeit auch: "The fifth Beatle", die Verfilmung der preisgekrönten Graphic Novel von 2013 über den schwulen Beatles-Manager Brian Epstein.

Zwischen 1,3 und 1,7 Milliarden Beatles-Tonträger wurden bis heute verkauft. 2010 gaben die Beatles ihren Songkatalog an iTunes und hatten nach einer Woche bereits zwei Millionen Song- und 450 000 Alben-Downloads. Heiligabend 2015 gingen die Beatles in die Cloud. Binnen eines Monats wurden sie beim Marktführer Spotify 250 Millionen Mal gestreamt. 79 Prozent der Beatles-Streamer wurden dabei nach dem Split der Band geboren, 57 Prozent sind zwischen 18 und 34 Jahre alt. Zum Vergleich: Rihanna hatte 2015 weltweit eine Milliarde Streams.

Kein Tag ohne Beatles-Meldung

"Will you still need me, will you still feed me, when I’m 64?" sangen die Beatles 1967 auf "Sgt. Pepper". Es war eine nicht ganz ernst gemeinte Frage. Pop galt als schnelllebig, kein Musiker erwartete, dass man sich 64 Jahre nach der Gründung noch an seine Band oder ihn selbst erinnern würde. Und nun nähert sich die Band diesem Alter, wird heuer 60 Jahre alt (54, wenn man die Abbey-Road-Zeit ab 1962 rechnet).

Und obwohl sie seit April 1970 quasi im Ruhestand sind, vergeht kaum ein Tag ohne Meldung zu den Beatles oder ihren Mitgliedern: Ringo Starr kündigt US-Konzerte an (16. Januar), Eric Clapton sagt, sein im Mai erscheinendes neues Album "I still do" werde ein Duett mit dem 2001 verstorbenen George Harrison enthalten (19. Februar), eine Locke des 1980 ermordeten John Lennon wird für 35 000 Dollar versteigert (20. Februar). Eine rare Beatles-Platte wird auf einem Liverpooler Dachboden entdeckt (26. Februar).

Vielleicht liegt der Endlosigkeit der Beatles-Geschichte ja ein Zauber zugrunde: Als klar wurde, sie würden nie mehr als Beatles zusammen ins Studio gehen, stellten die vier den Song "The End" ans Ende ihres Abschiedswerks "Abbey Road". Dann wurde im Mai 1970 das vorher eingespielte Album "Let it be" nachgereicht und die stimmige Abrundung war dahin. Das letzte Lied der Gruppe hieß jetzt plötzlich: "Get back" – komm zurück.

Paul auf Stadion-Tour

Paul McCartney will zurück – zum Hit. Sein neues Album nimmt er deshalb mit Produzent Greg Kurstin auf. Der 47-Jährige hat mit Adele "Hello" geschrieben, einen Nummer-1-Hit in 45 Hitparaden der Welt. Die bei weitem beste Charts-Notierung von Rapper Tyga war bisher dagegen ein Platz 7 in den USA für "Rack City". Man fragt sich da schon, was Paul eigentlich auf der Party dieses Mannes wollte.

Erstmal macht er nun selber wieder Partys, ganz große Partys. Auf der gerade angekündigten Europatournee geht er zum ersten Mal in Deutschlands Stadien. Gewiss ist dabei eins: Er wird viele, viele Beatles-Songs spielen.

Auf Tour mit Paul und den Beatles

The Sessions – A Live Re-Staging of the Beatles at Abbey Road Studios:
15. April: Düsseldorf, Mitsubishi Electric Halle
16. April: Hamburg, Barclaycard Arena
20. April: Kiel, Sparkassen-Arena
21. April: Berlin, Mercedes-Benz Arena
22. April:  Frankfurt, Festhalle

Der Trailer zur Show:

Paul McCartney – One-on-One-Tour, Deutschlandauftritt
28. Mai: Düsseldorf Esprit-Arena
10. Juni: München, Olympiastadion
14. Juni: Berlin, Waldbühne

In ihren Songs spiegelt sich die Zukunftsangst junger Leute wider. AnnenMayKantereit ist eine außergewöhnliche neue deutsche Band – auch weil sich ihre Musik viel älter anhört, als man von Mitte 20-Jährigen erwartet. Jetzt legen sie ihr erstes Album bei einem großen Label vor.

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