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Frauenfußball-WM „Das Interesse steigt stetig“
Sportbuzzer Fußball Frauenfußball-WM „Das Interesse steigt stetig“
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14:36 24.05.2011
Von Uwe Kranz
Vor der Frauenfußball-WM wird es nochmal anstrengend: Für das Team um Trainierin Silvia Neid beginnt die heiße Vorbereitungsphase. Quelle: dpa
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Bildhafter hätte der Wetterwechsel nicht ausfallen können. Als würden die Fußballerinnen ins grelle Scheinwerferlicht treten, riss der wolkenverhangene Himmel über Herzogenaurach auf und tauchte die deutsche Nationalmannschaft ins grelle Sonnenlicht. Es ist der vierte von sieben Vorbereitungslehrgängen auf die Weltmeisterschaft im eigenen Land (vom 26. Juni bis 17. Juli), und zum ersten öffentlichen Training im Hausstadion des Ausrüsters waren rund 600 Zuschauer gekommen – mehr als zu vielen Spielen der Frauen-Bundesliga. „Wir sehen bei den Trainingslagern, dass das Interesse stetig steigt“, sagt Teammanagerin Doris Fitschen. „Den großen Hype erwarten wir aber erst, wenn die WM-Spiele beginnen.“

Alle 26 Fußballerinnen im Kader von Bundestrainerin Silvia Neid sind fokussiert auf das Eröffnungsspiel im längst ausverkauften Berliner Olympiastadion am 26. Juni gegen Kanada. Allein diese Kulisse sei „ein riesiger Ansporn für uns“, sagt Mittelfeldspielerin Kim Kulig. Doch für fünf von ihnen wird dieser Traum bereits am 27. Mai platzen. An diesem Tag muss Neid ihren Spielerinnenkreis auf 21 reduzieren. Da beinahe alle in einer Topverfassung sind, gleicht das für die Bundestrainerin einem Dilemma. „Auch wenn Sie mich im Vertrauen fragen würden, könnte ich Ihnen keine Spielerin nennen“, hatte sie noch vor einer Woche in Bitburg zum Thema Streichkandidatinnen gesagt.

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So kommt dem Lehrgang eine besondere Bedeutung zu. „Die Trainingseinheiten hier sind mitentscheidend“, sagt die Bundestrainerin. Das erste WM-Testspiel am Sonnabend gegen die Auswahl Nordkoreas (17 Uhr, live im ZDF) habe dagegen weniger Bedeutung für die Kaderauslese. „Die Spielerinnen haben nach den harten Lehrgängen mit Sicherheit müde Beine. Ich möchte einiges ausprobieren und ein paar Spielerinnen sehen, die sonst nicht von Anfang an spielen“, sagt Neid.

Dass die Bundestrainerin auch noch den Ausgang des Champions-League-Finales von Turbine Potsdam gegen Olympique Lyon abwartet, hat eher praktische Gründe. Schließlich geht es in dieser Partie um Europas Vereinskrone sicherlich verbissen zu, und da kann es eher schon mal passieren, dass sich eine Spielerin verletzt. Erst jemanden auszuladen, der kurz darauf wieder nachnominiert werden müsste, würde nur unnötige Unruhe in den Kader bringen, der jetzt vor allem durch seinen ausgeprägten Teamgeist überzeugt. Eskapaden à la Kevin Kuranyi im Männerteam sind bei den DFB-Frauen undenkbar. „Wir wollen der Trainerin die Auswahl möglichst schwer machen“, sagt Mittelfeldspielerin Simone Laudehr, die wie Torfrau Nadine Angerer – so weit legte sich Neid am Freitag fest – aus dem Team derzeit nicht wegzudenken sei.

Doch auch Rückschläge machen vor dem Team nicht halt. Für Mittelfeldtalent Dzsenifer Marozsan ist der Traum von der WM in Deutschland nach einer Knieverletzung bereits ausgeträumt, und die Duisburger Torjägerin Inka Grings zog sich in Bitburg einen Muskelfaserriss zu. Die 87-fache Nationalspielerin dürfte bis zum Eröffnungsspiel aber auf jeden Fall wieder fit sein.

Verpassen wird Grings aber den Auftakt der heißen WM-Vorbereitung am Sonnabend in Ingolstadt. Gegner Nordkorea ist trotz des deutschen Sieges gegen die Asiatinnen im WM-Viertelfinale 2007 weitgehend unbekannt. „Wir haben Nordkorea gegen die Niederlande beobachten lassen. Aber ich muss sagen, dass ich die Spielerinnen kaum auseinanderhalten kann“, gesteht Neid. Wichtiger als das Ergebnis seien auch die Erkenntnisse, die sich aus der Partie für die WM ergeben – und die Öffentlichkeitswirkung. „Wir werden im TV zu sehen sein und versuchen, ganz Deutschland auf die WM aufmerksam machen“, sagt Teammanagerin Fitschen über den nächsten Schritt ins Rampenlicht.

Die weiteren Vorbereitungsspiele der deutschen Mannschaft: 3. Juni in Osnabrück gegen Italien, 7. Juni in Aachen gegen die Niederlande, 16. Juni in Mainz gegen Norwegen.