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Frauenfußball-WM WM-Analyse nach der Vorrunde
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21:27 07.07.2011
Von Heiko Rehberg
Die DFB-Frauen feiern nach dem 4:2-Sieg gegen Frankreich. Quelle: dpa
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Hannover

16,39 Millionen. Das ist die Zahl, die es zu schlagen gilt, und es wäre eine Überraschung, wenn das am Sonnabend nicht klappen sollte. 16,39 Millionen Menschen vor den Fernsehschirmen ist bisher der TV-Rekord bei der Frauenfußball-Weltmeisterschaft, aufgestellt beim Spiel Deutschland gegen Nigeria (1:0). Am Sonnabend beginnt das Viertelfinale, damit geht das Turnier erst richtig los, wie man immer so schön sagt. Die deutsche Mannschaft spielt um 20.45 Uhr in Wolfsburg gegen Japan, das ist beste Sonnabendabend-Fernsehzeit. Quoten-Rekordzeit. Beim ZDF reiben sie sich bereits die Hände.

Nach 24 Spielen und dem Ende der Vorrunde war am Donnerstag Bilanztag, und am einfachsten ist es erst einmal, sich an die Zahlen zu halten. 60 Treffer haben die 16 Mannschaften in den 24 Partien erzielt – im Schnitt macht das 2,50 Tore pro Spiel. Das sind deutlich weniger als 2007 in China (85/3,54), 2003 (81/3,38) und 1999 (98/4,08) in den USA.

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597.644 Besucher kamen zu den Gruppenspielen in die neun WM-Stadien, im Durchschnitt ergibt das 24.902 Fans pro Spiel. Über die TV-Quoten ist alles gesagt: Sie sind sensationell bei den deutschen Spielen und überraschend hoch bei den anderen, Mittwochabend beispielsweise sahen immerhin 5,65 Millionen Zuschauer Schweden – USA (2:1).

Bei allem, was sich nicht mit Zahlen belegen lässt, wird es komplizierter, weil es beim Frauenfußball immer noch zwei Lager gibt. Auf der einen Seite sind diejenigen, für die der Frauenfußball eine tolle Sache ist; sie rufen auch mal gerne in der Sportredaktion an und fragen, was man denn gegen Frauenfußball habe, weil kein Bericht vom Spiel Frankreich gegen Kanada in der Zeitung war. Viele von ihnen ziehen dabei ganz bewusst die Trennlinie zum Männerfußball: Weniger Schauspielerei, weniger arrogantes Stargehabe, eine freundlichere Atmosphäre in den Stadien – diesem Lager macht Frauenfußball einfach mehr Spaß.

Ist es ein „verordnetes Sommermärchen“?

Auf der anderen Seite sind die Frauenfußballgegner, die über die Einschaltquoten ratlos mit dem Kopf schütteln und ansonsten auf den 5. August verweisen; dann beginnt die Bundesliga wieder, und zwar die der Männer, der „richtige Fußball“, wie sie gerne formulieren.

Gefühlt haben sich die beiden Lager durch die WM nicht angenähert, die „Süddeutsche Zeitung“ hat das vornehmlich männliche Gegnerlager so beschrieben: „Viele Männer finden, dass Frauenfußball so ist wie alkoholfreies Bier.“ Vielleicht ist der Graben zwischen Anhängern und Ablehnern sogar größer geworden, weil es bei der WM bisher einen Widerspruch gibt, der schwer aufzulösen ist. Das mediale Tamtam, das um die WM gemacht wird, deckt sich nicht mit dem tatsächlichen Niveau. Selbst Theo Zwanziger, der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), zugleich oberster und aufdringlichster Frauenfußballfan des Landes, sagt: „Ich glaube, dass wir die wirklich sportlich interessanten Partien ab dem Viertelfinale sehen können.“ Er hat damit vielleicht mehr gesagt über die bisherige WM, als es beabsichtigt war.

Mittwochabend gab es in der ARD die Talkshow „Hart aber fair“ mit Frank Plasberg, ihr Thema war interessanter als die Gäste und deren Beiträge. Es lautete: „Muss ich jetzt Frauenfußball gut finden?“ Wer das für kein Thema hält, kann ja mal den Versuch machen im Büro oder im Bekanntenkreis beim Gespräch über die Frauen-WM ein paar kritische Anmerkungen loszuwerden. Jede Wette: Er wird sich Ärger einhandeln.

Natürlich ist die Fragestellung falsch, denn niemand muss irgendetwas. Jedes TV-Gerät hat einen Ein- und Ausschaltknopf, niemand muss die Spiele der Frauen-WM schauen. Und trotzdem ist gefühlt eine Situation entstanden, in der kritische Töne nicht erwünscht sind, Plasberg nannte es „das verordnete Sommermärchen“. Die Fernsehreportage vom sehr guten Spiel zwischen Deutschland und Frankreich (4:2) ist ein passendes Beispiel: Das 2:0 von Inka Grings war ein schönes Kopfballtor, zu sehen war aber auch – es war ein klarer Torwartfehler der Französin. Würde Manuel Neuer einen solchen Ball passieren lassen, hätte Deutschland eine Torwartdiskussion um die Nummer 1. Was aber sagte der Reporter? Er stufte den Treffer als „unhaltbar“ ein. So als würde Grings’ Tor abgewertet, wenn er sagen würde, was jeder sehen konnte.

Lausige Spiele gibt es auch bei den Männern

Vielleicht ist genau dieses das Problem der bisherigen WM-Tage: Man hat das Gefühl, dass alles ein bisschen größer und schöner gemacht wird, als es ist. Aber genau das muss niemand tun, weil es den Frauen nicht gerecht wird. Es gab lausige WM-Spiele, aber die gab es bei den Männern in Südafrika in der Vorrunde auch. Einige Torhüterinnen irren abenteuerlich im Strafraum herum, manche Verteidigerin schiebt den Ball lieber ins Seitenaus, als einen Fehlpass zu riskieren. Und harte, platzierte Schüsse sind im Frauenfußball nach wie vor selten. Na und?

Wer das 1:0 der Brasilianerin Erika gegen Äquatorialguinea gesehen hat, Cristianes Tor mit Saltozugabe oder Celia Okoyino da Mbabis 4:2 gegen Frankreich, der weiß, wie wunderbar Frauen kicken können. Und hat schon mal jemand den 96-Profi Steve Cherundolo so gut flanken sehen wie Simone Laudehr oder Babett Peter?

Niemand muss künstlich etwas aufbauschen, weil diese Fußballfrauen, von denen die Deutschen vier oder fünf, die anderen Spitzenteams ein oder zwei haben, große Könnerinnen sind. Sie muss man einfach gut finden.

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