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Überregional Anpfiff in Karlsruhe
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08:02 13.07.2012
Von Patrick Hoffmann
„Nicht hinnehmbar“: Jürgen Scholz, Christopher Schmiedecke und Andreas Hüttl (von links) wollen die Wechselregelung im Jugendfußball kippen. Quelle: Petrow
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Hannover

Das 21 Seiten lange Dokument hat es in sich. Denn auf diesen 21 Seiten haben zwei Juristen aus Hannover dem Bundesverfassungsgericht ausführlich geschildert, warum sie die Ablöseforderungen im Jugendfußball für verfassungswidrig halten. Am 13. Juni ist die Beschwerde offiziell in Karlsruhe eingegangen. Gestern Mittag haben die beiden Juristen, Andreas Hüttl und Jürgen Scholz, sowie der Vater des klagenden Jugendlichen, Christopher Schmiedecke, diese 21 Seiten gemeinsam bei einer Pressekonferenz vorgestellt.

Hintergrund der Verfassungsbeschwerde ist der Vereinswechsel des 15-jährigen Mika Schmiedecke im vergangenen Sommer vom TSV Kirchrode zu Arminia Hannover (wir berichteten). Der TSV Kirchrode verweigerte dem Hobbykicker damals die Freigabe und verlangte eine Ablöse in Höhe von 600 Euro, die sogenannte Ausbildungs- und Förderungsentschädigung. Weder Arminia noch die Eltern zahlten, der Niedersächsische Fußballverband sperrte Mika daraufhin für drei Monate.

„Diese Regelung ist nicht hinnehmbar“, sagte Scholz vor zahlreichen Medienvertretern in Hannover. „Es wird die allgemeine Handlungsfreiheit verletzt, da der Spieler nicht selber entscheiden kann, wo er spielt.“ Da die Ablösesumme in den meisten Fällen nicht vom neuen Verein, sondern von den Eltern aufgebracht werden müsse, sei die Regelung zudem diskriminierend. Kinder aus ärmeren Familien würden gesperrt werden, Kinder aus reicheren Familien könnten sich hingegen freikaufen. „Da wird der Gleichbehandlungsgrundsatz verletzt“, sagte Hüttl.

Ein bis zwei Monate, so schätzt er, wird das Bundesverfassungsgericht nun über den Fall beraten. Danach könnte es noch zu einer mündlichen Verhandlung kommen. Die beiden Juristen sind aber zuversichtlich, am Ende Recht zu bekommen, auch wenn die Schmiedeckes im vergangenen März vor dem Amtsgericht Wennigsen mit einer ersten Klage gegen die Wechselregel gescheitert waren.

12.07.2012
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